Es waren durchweg positive Nachrichten, welche die Handballer der Füchse Berlin gestern verlauten ließen. Nach acht Wochen Verletzungspause meldet sich Linksaußen Bjarki Elisson fit für das heutige Spiel beim VfL Gummersbach (19 Uhr).

Sehr zur Erleichterung von Trainer Velimir Petkovic: „Jetzt haben wir wieder mehr Alternativen.“ Weil diese Aussage vom Füchse-Trainer aber ebenso zu erwarten wie logisch ist, ist wesentlich interessanter, dass Petkovic umgehend auf seinen zweiten Linksaußen, Kevin Struck, zu sprechen kommt und sagt: „Ich bin gespannt, wie er darauf reagieren wird.“

Kevin Struck, 20, vertrat Elisson in den vergangenen Wochen nämlich so gut, dass es keinesfalls selbstverständlich ist, dass er jetzt, da der Teamkollege wieder fit ist, automatisch zurück ins zweite Glied rücken wird. Vielmehr hat Struck sich mit starken Leistungen für eine größere Rolle auf Linksaußen empfohlen. Und das, obwohl er eigentlich ein gelernter Rückraumspieler ist.

"Es ist perfekt hier"

Dass Füchse-Manager Bob Hanning große Stücke auf die Jugendarbeit und die jungen Talente in seinem Verein setzt, ist hinlänglich bekannt. Mit großer Regelmäßigkeit und bei jeder Gelegenheit betont er, welch prominente Rolle die Ausbildung junger Spieler im Konzept seines Klubs einnimmt.

Hanning bringt dieses Vertrauen in den Nachwuchs und in dessen Perspektive auch im täglichen Umgang zum Ausdruck, erzählt Stuck: „Ich habe einen Geschäftsführer, der voll hinter der Jugend, also auch hinter mir steht, dazu einen super Trainer. Es ist perfekt hier“, schwärmt der Defensivspezialist.

Erfolge mit den Jugendteams

Die Grundlagen dafür, dass sich Struck heute in einer solch perfekten Situation wiederfindet, wurden in Nordhausen an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt gelegt. Dort lernte Struck die handballerischen Grundfähigkeiten, die es dem damaligen linken Rückraumspieler ermöglichten, erst 2009 nach Eisenach und zwei Jahre später schließlich zu den Füchsen zu wechseln.

Was folgte, waren erfolgreiche Jahre mit den Jugendmannschaften der Berliner, in denen sich der Thüringer Stück für Stück zu dem Spieler entwickelte, den Bob Hanning später als „meine Entdeckung dieser Generation“ bezeichnete.

Zu dieser Entdeckung gehörte es auch, dass Hanning seine Nachwuchshoffnung von einem Rückraumspieler zu einem Linksaußen umfunktionierte. „Ich habe ihm vor zwei Jahren gesagt, dass seine Perspektive im Rückraum begrenzt ist, er auf Außen aber das Potenzial zur internationalen Klasse hat“, erzählt Hanning heute. 

Struck vertraute ihm, und so begann die Umschulung. Sowohl Hanning, als auch Velimir Petkovic arbeiten seitdem intensiv mit Struck. „Ich habe schon lange gebraucht, mich umzugewöhnen, weil es alleine vom Werfen und Springen her eine ganz andere Sache ist“, berichtet der.

Struck spielt sich aus Elissons Schatten heraus

Dass sich das mühsame Anpassen von Schrittabfolgen und Wurfbewegungen, das Einprägen neuer Laufwege und das Erlernen der veränderten taktischen Rolle gelohnt haben, beweist Struck spätestens seit Beginn der laufenden Saison.

Nachdem er die vergangene Spielzeit als klare Nummer zwei hinter Elisson größtenteils auf der Bank verbracht hatte, nutzte er die Verletzung seines inzwischen wiedergenesenen Kollegen, um sich aus dessen Schatten herauszuspielen. Besonders stark präsentierte er sich am vergangenen Donnerstag beim Sieg über Stuttgart, zu dem er mit fünf Toren maßgeblich beitrug.

Und während sich so manch einer jetzt fragen dürfte, wo dieser Kevin Struck auf einmal herkommt, zeigt sich Bob Hanning von der Entwicklung seines Schützlings keinesfalls überrascht: „Es war für mich ein zu erwartender Prozess. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm den Rücken freihalte und ihm Zeit gebe. Jetzt zahlt er das Vertrauen zurück.“

Wie viel Vertrauen die Füchse Berlin tatsächlich in Kevin Struck setzen, wurde im August deutlich: Da statteten sie ihren Linksaußen mit einem neuen Vertrag bis 2022 aus − bis 2022.