Füchse Berlin: Luxusproblem auf Rechtsaußen

Die erste Runde ging klar an Mattias Zachrisson. Mit 6:1 Toren setzte sich der Schwede im ersten Füchse-Pflichtspiel des neuen Jahres im frisch entbrannten Duell auf Rechtsaußen gegen Hans Lindberg durch und war damit der einzige Gewinner bei der schwachen 23:24-Niederlage am vergangenen Wochenende gegen Melsungen. Mit seiner Leistung empfahl er sich bei Trainer Erlingur Richardsson nachdrücklich für einen erneuten Startsieben-Einsatz am Sonntag (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gegen den Bergischen HC.

Noch vor einem Monat wäre der Nationalspieler ohnehin gesetzt gewesen, doch die Insolvenz des HSV Handball ermöglichte Bob Hanning die Verpflichtung eines „der besten Rechtsaußen der Welt“, wie es der Manager der Füchse formulierte. Damit bietet sich dem Trainerteam nun eine Luxusauswahl auf der rechten Außenbahn. Lindberg oder Zachrisson? „Beide Spieler sind sehr schnell und sicher in den Aktionen, da gibt es keine großen Leistungsunterschiede“, erklärt Sportkoordinator Volker Zerbe.

Gelöschte Tore

Zugang Hans Lindberg hat den größeren Namen. Der 34-Jährige, der während der EM in Polen einen wohl gut dotierten Vertrag bis 2019 unterschrieb, ist zweifacher Europameister und WM-Zweiter, Deutscher Meister und Champions-League-Sieger. Für die dänische Nationalmannschaft absolvierte er 218 Länderspiele. Er gilt als Musterprofi und verfügt über einen gesunden Ehrgeiz. Vor dem ersten Heimspiel der Füchse gab er zu Protokoll, dass er hoffe, mit den Berlinern die Meisterschaft zu gewinnen. Die hoffen wiederum auf die Torgefährlichkeit des 1,88 Meter großen Lindberg, der bis vor wenigen Wochen mit 148 Treffern noch auf Platz zwei der Bundesligatorschützenliste lag, nur getoppt von seinem neuen Kollegen Petar Nenadic. Doch durch die Annullierung der HSV-Spiele wurden auch Lindbergs Tore gelöscht.

Gegen Melsungen konnte der Routinier weder seine Torgefährlichkeit noch seine gelobte Siebenmeterstärke unter Beweis stellen. Beide Versuche von der Linie setzte er an die Gliedmaßen des Gästekeepers, konnte im zweiten Anlauf aber zumindest den Nachwurf verwerten. Manager Hanning nahm es amüsiert zur Kenntnis: „Dass auch einer wie er Nerven zeigt, zeigt doch, dass er keine Maschine ist.“

Werbung in eigener Sache gelang dagegen dem zehn Zentimeter kleineren, dafür aber mit einer breiteren Brust ausgestatteten Zachrisson. Vor allem sein schnelles Konterspiel überzeugte. Die neue Konkurrenz nimmt der 71-fache Nationalspieler gelassen: „Hans hat schon viele Jahre als Profi gespielt. Ich kann da mit meinen 25 Jahren noch viel von ihm lernen.“

In der Hinrunde fehlte der Schwede, der seit 2013 bei den Füchsen unter Vertrag steht, wegen einer Schulterverletzung fast komplett. Die ist mittlerweile verheilt: „Mir geht es körperlich wieder gut“, sagt Zachrisson. Nur manchmal habe er noch Schmerzen.

Den oft wenig variabel agierenden Füchsen kann die neue Personalstärke auf Rechtsaußen nur gut tun. Das zeigte sich bereits zum Jahresauftakt. Verirrte sich in der Hinrunde das harzgetränkte Spielgerät nur höchst selten in die rechte Ecke, so suchten die Mitspieler gegen Melsungen auffällig häufig Zachrisson und Lindberg.

Fehlende Alternativen

Leidtragende des Duells der beiden sind Faruk Vražalic und Willy Weyhrauch, die sich die Position bis Weihnachten geteilt hatten. Während Vražalic, dessen Vertrag bis Sommer läuft, als temporärer Ersatz für Zachrisson geholt wurde und nun planmäßig in die zweite Mannschaft gerückt ist, kommt die Situation für Eigengewächs Weyhrauch, der derzeit wegen einer Rückverletzung vier Wochen pausieren muss, überraschend. Die Zeichen stehen auf Abschied – zumindest vorrübergehend. Der 21-Jährige soll ein Zweitspielrecht bei einem Erst- oder Zweitligisten erhalten. Zerbe bestätigte, dass in dieser Beziehung im Laufe der Woche etwas passiert sei. Offiziell ist jedoch noch nichts.

Während Trainer Richardsson auf Rechtsaußen die Qual der Wahl hat, fällt die Entscheidung auf der anderen Seite leicht. Erste und einzige Option ist hier Bjarki Elisson. Der Isländer ist seit dem überraschenden Abgang des ehemaligen Kapitäns Fredrik Petersen zu Weihnachten der einzige gesunde Linksaußen im Kader. Gegen Melsungen musste der Isländer daher durchspielen. Für den weiteren Verlauf der Rückrunde wollen die Füchse Nachwuchstalent Kevin Struck, sonst meist im linken Rückraum tätig, zum Außen umschulen. Da dieser wegen Schulterproblemen noch zwei Wochen pausieren muss, wird Elisson, der durch Lindbergs Verpflichtung auf Platz drei der Siebenmeter-Hackordnung abgerutscht ist, auch gegen den Bergischen HC den linken Alleinunterhalter geben dürfen.