Seine Dynamik ist in Abwehr und Angriff gefragt: Füchse-Handballer Marko Kopljar.
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BerlinMarko Kopljar muss lachen. Mit einem schelmischen Gesichtsausdruck sagt er: „Es ist sehr, sehr gut, dass er da ist.“ Die Rede ist von Füchse-Zugang Dainis Kristopans. Doch während der Lette ohne Zweifel eine sportliche Verstärkung für die Berliner Handballer ist, will Kopljar auf etwas anderes hinaus. „Jetzt kann ich die Witze machen und jemanden warnen, dass er sich nicht den Kopf stoßen soll“, meint er. Bis vor drei Wochen war Kopljar mit seinen 2,10 Metern noch der größte Spieler im Berliner Kader. Er war es, der sich nicht selten   Sprüche seiner Teamkameraden gefallen lassen musste. Das ist der gebürtige Kroate gewohnt, nicht aber, dass jemand noch mal fünf Zentimeter höher gewachsen ist als er selbst.

Außerhalb des Sportlerdaseins eine Ausnahme, befinden sich die beiden Hünen im Kreise ihrer Mannschaft allerdings in guter Gesellschaft. Besonders in der Abwehr sind die Größenverhältnisse bei den Füchsen beeindruckend: Kristopans, Gojun, Marsenic, Kopljar – für keinen von ihnen reicht ein handelsüblicher Zollstock aus, um das Gardemaß abzumessen.

18-monatige Zwangspause für Kopljar

Vor den Gegnern baut sich dadurch ein schwer zu überwindender Defensivwall auf, an dessen Erfolg Kopljar einen beträchtlichen Einfluss hat. Keine Selbstverständlichkeit, feierte der 34-Jährige erst im September sein Comeback nach seinem Achillessehnenriss und einer 18-monatigen Zwangspause. Mittlerweile wieder auf dem Weg zu alter Stärke, ist es nicht nur seine Statur, sondern ebenso sein schnelles, antizipatives Verhalten, das für seinen Konterpart Probleme aufwirft.

Für die Füchse ist das ein enormer Gewinn. Denn durch die aktuellen Ausfälle von Simon Ernst, Mattias Zachrisson, Fabian Wiede und Paul Drux fällt der Abwehr ein noch größeres Gewicht zu. Dieser Tatsache ist sich der neue Trainer Michael Roth bewusst, der darüber hinaus auf Gegenstöße baut. Für die Abwehrriesen stellt das eine nicht immer einfach zu lösende Aufgabe dar, wie Kopljar zu bedenken gibt: „Wenn wir mit unserer besten Deckungsreihe spielen, ist es schwer, Tempo zu machen. Wir sind so groß – das dauert, bis wir in Bewegung kommen.“ Ganz so statisch wie es Kopljar darstellt, ist das Ganze nicht. Gerade er, mit seinen knapp einhundert Kilogramm das Leichtgewicht unter den Riesen, ist prädestiniert für das schnelle Spiel nach vorne. Wobei seine Dynamik gleichermaßen im Angriff gefragt ist. Der 147-fache kroatische Nationalspieler und All-Star-Player der Europameisterschaft 2012 ist nicht nur auf Halbrechts Teil von Roths Spielphilosophie, sondern soll ebenso auf der Mitte-Position einen wichtigen Baustein im offensiven Gefüge darstellen. Nicht zuletzt um dort Jacob Holm zu entlasten, der in den vergangenen Partien fast durchgängig eingesetzt wurde.

Duell mit Flensburg-Handewitt

„Ich bin kein Mittelmann“, gibt Kopljar zu, „da ist Fabi Wiede unsere klare Nummer eins. Aber wenn wir das gerade brauchen, kann ich es zehn oder fünfzehn Minuten versuchen. Da muss man bereit sein.“ Über genügend Spielverständnis und Erfahrung verfügt er fraglos.

Qualitäten, die beim Spiel am Sonntag gegen die SG Flensburg-Handewitt (16 Uhr) auf den Prüfstand gestellt werden. „Die sind nicht umsonst zweimal Meister geworden“, sagt Kopljar, „da muss man aufpassen, dass man nicht den Zugriff verliert und darf sich nicht zu viele Fehler erlauben.“ Denn Kopljar weiß: Kaum eine Mannschaft bestraft Unaufmerksamkeiten so konsequent wie der aktuelle Bundesliga-Zweite. Keine leichte Aufgabe für die Berliner, für die es eine richtungsweisende Begegnung ist. Gewinnen die Füchse, bleibt der Traum von der Champions League am Leben, gehen die zwei Punkte in den Norden, sieht es mit der Königsklasse schlecht aus.