Fabian Wiede ist guter Dinge, dass es mit den Füchsen aufwärts geht.
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BerlinFabian Wiede verabschiedet sich mit den Worten: „Einen schönen Tag noch, genießt das Wetter!“ Währenddessen zeigt sich Berlin von seiner unangenehmsten Seite. Der Himmel ist mit grauen Wolken bedeckt, es regnet ohne Unterlass. Der Füchse-Spielmacher scheint seinen Sinn für Humor nicht verloren zu haben, wenngleich die 23:27-Niederlage in Flensburg ihre Spuren hinterlassen hat. „Wir hatten uns natürlich mehr erwartet, aber da waren wir einfach nicht clever genug“, erklärt Wiede. Ähnliches hatte schon Paul Drux, sein Kollege im Rückraum, nach der Partie verlauten lassen. Zu unpräzise seien die Abschlüsse gewesen, zu statisch der Angriff.

Dabei hatten die Füchse gedacht, genau diese Probleme mittlerweile in den Griff bekommen zu haben. Ja, nach fünf Siegen in Serie war man gar überzeugt davon, die Qualität einer Spitzenmannschaft gewonnen zu haben. Doch weit gefehlt. Nach guten ersten fünfundzwanzig Minuten zeichnete sich besonders in der zweiten Halbzeit doch wieder dieser kleine, für den Hauptstadtklub aber doch entscheidende Unterschied ab.

Eine Frage der Kraft

Für Wiede ist das auch eine Frage der Kraft. Der 25-Jährige bekommt von Trainer Velimir Petkovic vollstes Vertrauen ausgesprochen. Auf ihn baut der Coach, wenn es brenzlig wird. Das wurde es in dieser Saison jedoch schon reichlich oft, was für Wiede heißt, dass sein Spielpensum exponentiell hoch ist. „Ich habe einfach gemerkt, dass mir in der zweiten Halbzeit die Puste ausging“, erzählt Wiede. „Dann war ich nicht mehr so spritzig in den Eins-Eins-Situationen und die Würfe waren nicht mehr so präzise.“ Das sah zu Beginn der Partie wahrlich anders aus. Wiede war schnell auf den Beinen, suchte die Lücken, drängte nach einem Torerfolg und setzte seine Nebenmänner gekonnt in Szene.

Das Energieproblem ist nicht neu, sondern bereits aus der letzten Saison bekannt. Deshalb hatte die Vereinsleitung personell nachgerüstet, Michael Müller kam von der MT Melsungen in die Hauptstadt. Doch die erhoffte Entlastung blieb bisher aus. Der Sommerzugang spielt wenig, wirkt auf dem Feld noch etwas zurückhaltend. „Ich glaube, er hat bisher nicht die Chance bekommen, sich richtig zu beweisen“, nimmt Wiede den neuen Teamkollegen in Schutz, schiebt gleichwohl sofort hinterher: „Das ist jetzt aber keine Kritik am Trainer oder an irgendjemand anderem. Ich bin natürlich dankbar für das Vertrauen, das mir Petko ausspricht.“ Nichtsdestotrotz hat Wiede gebeten, zukünftig in der ersten Halbzeit ein paar mehr Verschnaufpausen zu bekommen, um in der finalen Phase mehr Kraft auf das Parkett bringen zu können. Und Petkovic will dieser Bitte tatsächlich auch nachkommen.

Entkräftete Gerüchte

Die immer wieder laut gewordenen Gerüchte, Wiede und Petkovic hätten sich überworfen, und dass sich der Spielmacher einen anderen Coach wünsche, entkräftet der 25-Jährige: „Ich mag Petko als Typ sehr und verstehe mich super mit ihm. Er ist jetzt hier mein Trainer und da stehe ich voll hinter ihm.“ Natürlich gebe „es da auch mal Reibereien“, erzählt Wiede, „aber das ist ganz normal. Blöd ist nur, wenn so etwas im Spiel passiert. Das habe ich mit ihm besprochen, und erklärt, dass das an meiner Mentalität liegt und an der eigenen Unzufriedenheit.“

Der 77-fache Nationalspieler weiß, dass emotionale Ausbrüche auf dem Feld nicht weiter helfen und in der Öffentlichkeit ein falsches Bild vermitteln. Zumal derlei Frustration nicht nur Wiede, sondern gleichermaßen anderen Mannschaftskollegen besonders in den ersten Begegnungen der Saison anzumerken war. Verständlich, wenn es einmal nicht so läuft, problematisch, wenn sich das gesamte Team davon anstecken lässt.

Wie also schaffen es die Füchse, als Mannschaft derartige Krisensituationen zu überstehen? Wie können Spieler wie Wiede in diesem Moment mit positivem Beispiel vorangehen? Der Spielmacher hat dafür eine eigene Lösung gefunden: Seit einigen Wochen trifft er sich regelmäßig mit einer Trainerin, die mit ihm an seinen Führungsqualitäten arbeitet. „Da schauen wir, was man für eine Ausstrahlung hat, was man wie sagt, und ob man die richtigen Mittel findet, andere zu erreichen. In diesen Bereichen möchte ich mich verbessern“, erklärt Wiede den Prozess. Alles mit dem Ziel, die Füchse auf dem Feld besser anführen zu können. Vielleicht ja schon am Sonntag, wenn der Bergische HC in der Schmelinghalle zu Gast ist.