Berlin - Wie schnell sich die Wahrnehmung doch ändern kann. Es ist gerade einmal eine Woche her, da wurde im Zusammenhang mit den Füchsen Berlin vor allem über deren sensationellen Lauf gesprochen. Neun Spiele am Stück hatte die Mannschaft von Jaron Siewert in der Bundesliga gewonnen, war seit dem 26:31 am 25. Oktober des vergangenen Jahres auf nationaler und internationaler Bühne unbesiegt geblieben. Sechs Tage und drei Spiele später aber ist die Stimmung umgeschlagen. Erst die Niederlage gegen Erlangen, dann das Remis gegen Nîmes in der European League und am Donnerstagabend wurde auch noch das Heimspiel gegen Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt verloren. „Wir müssen aufstehen und den Kopf hochkriegen und jetzt endlich mal aus den Fehlern lernen“, fordert Trainer Jaron Siewert. Mit Blick auf das Spitzenspiel am Sonntag (13.30 Uhr) in eigener Halle gegen Tabellennachbar Rhein-Neckar Löwen muss das schnell gehen.

Füchse kassieren zu viele Gegentore

Insbesondere mit Blick auf die Abwehr. Denn: Neben den verlorenen Punkten stechen vor allem die drei Zahlen 30, 34 und 33 besonders hervor. Für eine Mannschaft, die in der Bundesliga 26,3 Tore pro Partie kassiert, ist das weit über dem eigentlichen Schnitt. Und eben einer der Fehler, den Siewert in diesem Kalenderjahr bei seiner Mannschaft ausmachen muss. Denn auch beim 30:23-Sieg gegen Aufsteiger Tusem Essen täuschte eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit über offensichtliche Probleme nach dem Jahreswechsel hinweg. Das Abwehrspiel seines Teams hatte Siewert bereits gegen Erlangen, als zu viele Gegentore aus der ersten oder zweiten Welle des Gegners resultierten, kritisiert. Gegen Nîmes habe es sein Team nicht hinbekommen, „die Zweikämpfe mit der nötigen Härte und Konsequenz zu spielen“, wie der Trainer im Nachgang analysierte.

Zumindest in diesem Bereich haben sich die Füchse am Donnerstag gegen Tabellenführer Flensburg-Handewitt gesteigert. Um im Reigen der besten deutschen Teams aber weiterhin eine gewichtige Rolle zu spielen, reichte die veränderte Zweikampfhärte, das verbesserte Verschieben in der Defensive und die richtige Einstellung auf den Gegner nicht aus. Denn der wirkte vor allem in den entscheidenden Situationen reifer als die Füchse. Mit Flensburg habe laute Siewert die Mannschaft, „die einfach abgeklärter gespielt hat“, gewonnen. Das Spiel der Füchse wirkt gerade in den entscheidenden Momenten, in Situationen, wo man den Verlauf nachhaltig drehen kann, gerade im Angriff zu übermotiviert und ungeduldig. Ohne erkennbare Not wurde gegen Erlangen nach dem mehrfachen Aufholen eines Drei-Tore-Rückstands leichtfertig und durch schlechte Wurfentscheidungen oder Fehlpässe die eigene Führung verspielt.

Mannschaft zeigt Moral

Auch gegen Flensburg bewies die Mannschaft in der Anfangsphase Moral und glich einen Drei-Tore-Rückstand (5:8) wenig später aus. Einziger Kritikpunkt auch hier: Eine eigene Führung resultierte aus dieser Phase nicht. Das Auslassen solcher Gelegenheiten mag gegen Teams wie Essen am Ende eines Spiels nicht ins Gewicht fallen, gegen Mannschaften auf Augenhöhe oder mit höherer Qualität aber wird jede Schwäche bestraft. Wollen die Füchse Berlin ihre Wahrnehmung also wieder in eine positive Richtung drehen, müssen die Fehler der vergangenen Tage am Sonntag abgestellt werden.