Berlin - Viel besser konnte Mijajlo Marsenic nicht angespielt werden, viel freier konnte er in diesem Moment gar nicht dastehen. Vielleicht hatte der Berliner Kreisläufer gut 15 Minuten vor dem Abpfiff beim THW Kiel aber zu viel Zeit und war irritiert, dass niemand an seinem Trikot zog. Vielleicht war auch der Respekt vor Niklas Landin zu groß. Vermutlich aber war es von allem etwas, das Kiels Torwart parieren und Berlins Kreisläufer nicht auf 20:21 verkürzen ließ. Nun war diese eine Aktion nicht der Grund, warum sich die Füchse am Sonntagnachmittag mit 26:32 in Kiel geschlagen geben mussten. Dieser vergebene Wurf aber fügte sich nahtlos in die Fehlerkette der Berliner ein und nervte den Trainer: „Es geht mir auf die Eier, dass wir immer die gleichen Fehler machen“, sagte Jaron Siewert, „das müssen wir unter Kontrolle bringen.“

Füchse-Fans verabschieden Mannschaft in Berlin

Besonders ärgerlich war die Fehlerkette, da doch offensichtlich die Verabschiedung in Berlin noch bis in die erste Halbzeit nachgewirkt hatte. Ein paar Anhänger der Füchse hatten sich am Sonnabend coronakonform vor dem Sportforum versammelt und ihrer Mannschaft alles Gute für das Duell mit dem Rekordmeister gewünscht. Und diesen Support nahmen die Berliner mehr als ordentlich mit in die Partie und hatten augenscheinlich aus der Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen gelernt.

Da hatten die Füchse den Start völlig verschlafen und das Spiel praktisch schon aus der Hand gegeben. Diesmal waren die Berliner gleich hellwach, provozierten mit ihrer Abwehrarbeit die Fehler der Gegner und bestraften sie. Besonders auffällig dabei: Fabian Wiede und Marian Michalczik. Die beiden Nationalspieler wirkten motiviert und suchten die Abschlüsse. Über eine 5:2-Führung (6.) hatten sich die Berliner nach zwölf Minuten auf 8:4 abgesetzt und Kiel damit zu einer ersten Auszeit gezwungen.

Hans Lindberg hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Tore erzielt, die Abwehr diesmal die Anspiele an den Kreis sehr gut unterbunden und keine einfachen Würfe zugelassen. Der THW wiederum probierte es aus der Auszeit heraus mit einer offensiveren Deckung und konnte damit zumindest kurzzeitig den Schwung aus dem Berliner Offensivspiel nehmen. Beide Teams gingen sehr intensiv in der Defensive zu Werke, einfache Würfe gab es nur wenige, jedes Tor musste hart erarbeitet werden. Bis zur Pause präsentierten sich die Füchse als die besseren Arbeiter. In der 25. Minute lagen sie sogar mit 13:8 in Führung, konnten immerhin noch mit einem 16:13-Vorsprung in die Kabine gehen.

THW Kiel dreht Spiel nach der Pause

Dieser war nach dem Seitenwechsel allerdings schnell aufgebraucht. In der Offensive häuften sich wieder einmal die technischen Fehler, freie Würfe wurden nicht verwandelt. Und Kiel bestrafte das eiskalt. Nach nicht einmal fünf Minuten der zweiten Hälfte war der THW 17:16 in Führung und ließ sich diese nicht mehr nehmen. „Ich glaube, wenn man dann so zwei, drei daneben macht und der THW einfache Tore macht, fängt man vielleicht auch an, nachzudenken“, sagte Paul Drux. Und der Kapitän beschrieb damit das wohl größte Problem seiner Mannschaft ganz gut. Der THW weiß um seine Qualitäten und lässt sich auch von einem Rückstand nicht aus der Bahn werfen, den Füchsen fehlt diese Qualität noch. Daran ändert auch eine tolle erste Halbzeit nichts.