Berlin - Die Körpersprache verriet viel. Diskutierende, hadernde Berliner auf der einen, sich immer weiter motivierende und euphorisierende Mannheimer auf der anderen Seite. Im Duell der Füchse gegen die Rhein-Neckar Löwen waren die Rollen am Sonntag klar verteilt. Zu klar, aus Sicht der Gastgeber. „Wir waren zu keiner Zeit, zu keiner einzigen Minute, in der Lage, das Spiel zu gewinnen“, sagte Stefan Kretzschmar. Dem Berliner Sportvorstand schmerzte neben seinem dreifachen Bandscheibenvorfall an diesem Nachmittag eine deutliche 23:29 (11:18)-Niederlage der eigenen Mannschaft.

Füchse mit klassischem Fehlstart

Knapp zwei Stunden zuvor hatte Kretzschmar noch erwartungsfroh in der Max-Schmeling-Halle seinen Platz eingenommen. Auch auf fast allen der 120 Monitore im digitalen Füchse-Fanblock waren Gesichter hoffnungsfroher Fans zu sehen, welche in der ersten Halbzeit auf die eigene Abwehr zeigten. Zum Leidtragen derjenigen, die es an diesem sonnigen Nachmittag mit den Füchsen hielten, sollten dort in den ersten 30 Minuten die meisten Tore zu sehen sein. Dabei machten es die Gastgeber defensiv eigentlich lange Zeit recht ordentlich. Dejan Milosavljev zeigte diesmal früh in der Partie die ersten Paraden, auch die Tore aus dem Rückraum der Rhein-Neckar Löwen konnten verhindert werden. Keinen Zugriff aber, und um diese Stärke wussten die Gastgeber, bekamen die Berliner auf Jannik Kohlbacher. Sechsmal wurde er in Halbzeit eins am Kreis angespielt, sechsmal traf er. An Effektivität war das nicht zu überbieten.

Den krassen Gegensatz dazu lieferten die Füchse. Durch Fehlwürfe und Abspielfehler gerieten sie mit 0:5 in Rückstand. Trainer Jaron Siewert musste nach exakt sechs Minuten die erste Auszeit nehmen und die Dinge im Spiel seiner Mannschaft noch einmal neu ordnen. Und das trug nach knapp sieben Minuten mit dem Treffer von Mijajlo Marsenic eine erste offensive Frucht. Der Knoten war geplatzt und ließ weitere Tore folgen. In der 13. Minute war der Rückstand auf 4:7 geschrumpft, in der 22. Minute waren die Füchse auf 11:13 dran und hatten gleich mehrfach die Chance auf den Anschluss. Auf der Fehlerliste mussten die Verantwortlichen in den zwei folgenden Angriffen drei weitere Striche machen und den nächsten Gegentreffer notieren. Und es sollte noch bitterer werden: Bis zur Pause konnten die Berliner keinen weiteren Treffer erzielen, blieben allein in der ersten Halbzeit damit fast 15 Minuten ohne Torerfolg. Gerade diese offensive Nichtleistung der Füchse machte den knapp 120 digitalen Fans beim Pausenstand von 11:18 nur wenig Hoffnung auf einen Erfolg. Aber: Es konnte ja eigentlich nur besser werden.

Drux und Wiede unter Normalform

Musste man meinen. Allein das, was da nach dem Seitenwechsel zu sehen war, konnte höchstens als Schadensbegrenzung beschrieben werden. Im Angriff ging bei den Füchsen weiterhin nicht viel zusammen. Zum Wurfpech bei Pfosten- oder Lattentreffern gesellte sich erneut eine zu hohe Fehlerquote, um in einem solchen Spitzenspiel als Sieger vom Feld gehen zu können. Als Spitzenteam präsentierte sich weiterhin nur die Mannschaft von Löwen-Trainer Martin Schwalb. Während sich in Uwe Gensheimer (7 Tore) und Jannik Kohlbacher (8) zwei deutsche Nationalspieler im Angriff in herausragender Form präsentierten, waren Fabian Wiede und Paul Drux davon meilenweit entfernt. Wiede erzielte seine drei Treffer erst in der Schlussphase, als die Partie schon längst entschieden war, Drux konnte seinem Treffer aus der ersten Hälfte in den zweiten 30 Minuten keinen weiteren folgen lassen.

Während in einer Situation, in der die eigene Mannschaft konstant mit sieben, acht Toren hinten liegt, normalerweise rund zehn Minuten vor dem Ende schon die ersten Fans die Halle verlassen, hatten offensichtlich auch am Sonntag schon einige Füchse-Anhänger genug gesehen. Nach und nach verschwanden die Gesichter im digitalen Fanblock. Das sonnige Wetter war an diesem Sonntag erhellender als der Auftritt der Füchse. Die kämpften immerhin bis zum Ende um ein respektables Ergebnis. Zu mehr waren sie aber leistungstechnisch nicht imstande. Das musste auch Stefan Kretzschmar so hinnehmen. So sehr es schmerzte.