Mit schmerzverzerrtem Gesicht ahnt Simon Ernst schon auf dem Platz, dass er sich wieder schwer verletzt hat.
Foto: Jürgen Engler

BerlinKnappe neunzehn Minuten standen auf der Uhr, als Simon Ernst nach einer Offensivaktion länger als gewohnt im gegnerischen Torraum verweilte. Die Aktion wurde abgepfiffen, die Füchse begaben sich in den Rückzug – nur der Spielmacher lief gezielt in Richtung Auswechselzone. Das wäre insofern nicht allzu verwunderlich gewesen, hätte sich der 25-Jährige nicht ohne große Worte auf dem hinteren Ende der Bank platziert, ohne jegliches Anzeichen, im nächsten Angriff wieder am Geschehen auf dem Feld teilnehmen zu wollen. Mit Wucht haute er dafür seine Wasserflasche auf das Parkett und verschaffte seiner Frustration Luft.

Bei dem knappen Stand von 7:6 gegen den Bergischen HC eine vielleicht nachvollziehbare Reaktion. Es war jedoch zu erkennen, dass er bereits jetzt Böses ahnte. Was sich nun bestätigte: Ernst, der gerade erst eine schwere Knieoperation ausgestanden hatte, erlitt seinen dritten Kreuzbandriss. Das ergab eine MRT-Untersuchung am Montag.

Füchse-Manager Bob Hanning ist bestürzt

Während des Spiels hatten sich die Füchse zunächst mal nichts anmerken lassen. Trainer Velimir Petkovic brachte Jacob Holm als Ersatz, am Ende erkämpften sich die Berliner einen 27:24-Sieg in einem zähen Spiel mit zahlreichen Fehlern. Aber was war mit Ernst? Beim Siegestanz noch verhalten mit dabei, zog es den gebürtigen Rheinländer anschließend schnell in die Kabine.

Trainer Petkovic wollte nach der Partie nicht vom Schlimmsten ausgehen und antwortete auf die Frage nach einer möglichen Verletzung verhalten. „Unzufrieden war ich nicht mit ihm“, sagte der 63-Jährige ohne viel verraten zu wollen, schob dann aber ein „schauen wir mal“ hinterher.

Für den erst 25-Jährigen ist die Diagnose ein sportliches Drama. Gerade erst hatte sich der Spielmacher nach achtzehn Monaten Leidenspause beeindruckend auf das Handball-Parkett zurückgekämpft, nur um zwei Monate später vor einem erneuten Aus zu stehen. „Das ist zweifelsohne mein traurigster Tag als Geschäftsführer. Ihn als Sportler und als Mensch zu ersetzen, ist unmöglich“, sagte Füchse-Boss Bob Hanning bestürzt. Ernst hatte sich in der kurzen Saison bereits als wichtiger Teil der Rückraum-Achse erwiesen, der mit Schnelligkeit und Ideenreichtum wiederholt Akzente setzen konnte und sogar bei Bundestrainer Christian Prokop für die Länderspiele in der nächsten Woche auf dem Zettel stand.

Ernst droht Karriereende

Das Nationalmannschafts-Comeback muss nun allerdings Operation und Rehabilitation weichen. Für Ernst bedeutet die Verletzung ein halbes Jahr Pause − mindestens. Bei einer derartigen Verletzungshistorie steht aber auch die Frage im Raum, wie es überhaupt mit der Karriere weitergeht.