BerlinAthletik, Durchsetzungskraft, Torgefahr – betrachtet man Lasse Andersson auf dem Handballspielfeld, verraten seine Qualitäten schnell, warum sie bei den Füchsen so begeistert von dem Dänen sind. Die Verpflichtung des 26-Jährigen verdeutlicht die ambitionierten Ziele des Vereins, der trotz der Corona-bedingten Herausforderungen weiter mit der Champions League liebäugelt.

Heimische Gefühle in Berlin

Genau diese Ambitionen sind es, die den jungen Rückraumspieler dazu bewegten, beim spanischen Rekordmeister FC Barcelona die Zelte abzubrechen und in diesem Sommer nach Berlin zu wechseln. „Die Mannschaft hat viele gute Spieler und eine Menge Potenzial. Für mich ist es außerdem eine gute Möglichkeit, in der Bundesliga Erfahrung zu sammeln und mich zu messen“, sagt Andersson. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am Sonnabend in der Max-Schmeling-Halle gegen die MT Melsungen (20.45 Uhr).

Dass er hier morgens nicht von der spanischen Sonne geweckt wird und täglich den Strand besuchen kann, stört ihn mittlerweile kaum. Im Gegenteil, die frühe Dunkelheit und die aufkommende Winterkälte, erinnern ihn an sein Heimatland, wo er beim FIF Handbold Kopenhavn seine sportliche Laufbahn begann. Doch nicht nur das Wetter vermittelt heimische Gefühle. Nach Hans Lindberg, Johan Koch und Jacob Holm ist Andersson bereits der vierte Däne im Team. „Wenn man neu ist und die Sprache nicht so beherrscht, macht das vieles einfacher“, berichtet er. „Aber ich muss sagen, dass alle mich offen aufgenommen und mich auch abseits des Handballs bestens integriert haben.“

Andersson übernimmt auf dem Feld bereits Verantwortung, sagt Spielzüge an, geht ohne Scheu zum Tor. „Er war sofort Führungsspieler, hat das Wort ergriffen und befindet sich immer in der Kommunikation mit den anderen“, sagt Sportvorstand Stefan Kretzschmar. „Das hatte ich so von ihm nicht erwartet.“ Beeindruckt ist der ehemalige Nationalspieler gleichermaßen von der Professionalität Anderssons. Unter anderem die Tatsache, mit welcher Einstellung er zum Training komme, dass er zu jeder Einheit eine halbe Stunde früher erscheine, um sich separat warm zu machen und anschließend länger bleibe, „sei ein Vorbild für die gesamte Mannschaft“.

Ein Lob, das der 26-Jährige bescheiden aufnimmt: „Jeder schaut über die Jahre, was für ihn funktioniert und was nicht. Für mich hat sich diese Routine bewährt.“ Spätestens seit seinem Kreuzbandriss Anfang 2017, der ihn über ein Jahr vom Spielbetrieb fernhielt, achtet Andersson umso mehr auf seinen Körper. Eine Maßnahme, die sich ausgezahlt hat. Seine Sprungkraft und Dynamik machen ihn zu einem der athletischsten Spieler in der Bundesliga, sein Sprungwurf aus dem Stand ist eine gefährliche Waffe aus dem Rückraum. „Das sind Komponenten, die wir brauchen werden“, sagt Kretzschmar und weist gleichzeitig auf kleine Mängel hin, die den Start in der Bundesliga prägten.

Die Formkurve zeigt aufwärts

Allen voran sein Effektivitätsverhalten. Zu oft ging ein Pass ins Leere, landete ein zu hastig genommener Wurf nicht im Tor oder beendeten unnötige technische Fehler frühzeitig einen Angriff. Makel, die Andersson gewiss selbst aufgefallen sind. Trotz seines jungen Alters ist der 27-fache Nationalspieler sehr reflektiert: „Da muss ich noch mehr verinnerlichen, wer wann wo steht und was jeder einzelne auf dem Feld benötigt. Solche Dinge bedürfen Zeit. Wir haben ein Team mit viel individueller Stärke, das müssen wir jetzt zusammenfügen.“

Die letzten Auftritte der Füchse haben gezeigt, dass sich die Mannschaft diesbezüglich durchaus gesteigert hat. Mit bisher drei Siegen in der European League und Erfolgen gegen den Bergischen HC und Coburg ging die Formkurve aufwärts.