Fuchs brüllt: Fabian Wiede
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BerlinEs war eine große Geste mit traurigem Hintergrund. Beim Aufwärmen wollten die Füchse ein erstes Zeichen setzen. Das ganze Team präsentierte sich im weißen T-Shirt, auf dem vorne das Konterfei von Simon Ernst abgebildet war, auf der Rückseite dessen Trikotnummer, die Zwei. Ein Dank an den ehemaligen Spielmacher, der sich nach seinem tragischen dritten Kreuzbandriss beim Spiel gegen den Bergischen HC am 13. Oktober entschieden hat, wahrscheinlich seine Karriere zu beenden. Für ihn wollten die Füchse kämpfen und die Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen siegreich gestalten. Ein Vorsatz, den sie in die Tat umsetzen konnten. Am elften Bundesligaspieltag gewannen die Berliner 23:22(12:10).

„Das hatten wir uns überlegt, direkt nachdem es passiert ist“, erklärt Fabian Wiede, „und das hat uns vielleicht heute noch einmal extra gepusht.“ Schon von der ersten Minute an zeigten Wiede und die Füchse auf dem Spielfeld in der Max-Schmeling-Halle ihren Siegeswillen. Der 25-Jährige markierte nach sechsundzwanzig Sekunden den ersten Treffer und steuerte ebenso die nächsten drei Tore für die Gastgeber bei. Doch nicht nur der Spielmacher zeigte sich Bestform. Die Berliner kassierten zwar in der Anfangsphase ein paar Strafwürfe zu viel, waren allerdings schnell und aggressiv auf den Beinen und störten somit immer wieder das gegnerische Angriffsspiel.

Torhüter Dejan Milosavljev sorgte für den nötigen Rückhalt, indem er nicht nur zahlreiche Fernwürfe parierte, sondern ebenso drei Siebenmeter abwehrte. So zum Beispiel in der 21. Minute, als der gebürtige Serbe gegen den deutschen Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer hielt und dadurch die Zwei-Tore-Führung seiner Mannschaft sicherte. Zwischenstand: 9:7.

Allerdings zeigte sein Gegenüber Mikael Appelgreen gleichermaßen Weltklasse-Niveau. Sowohl die Strafwürfe von Füchse-Kapitän Hans Lindberg als auch der anderen Berliner Schützen Frederik Simak und Stipe Mandalinic entschärfte der Schlussmann der Rhein-Neckar Löwen. Das änderte sich erst in der zweiten Halbzeit. Kurz nach Wiederanpfiff verwandelte Lindberg zweimal hintereinander aus sieben Metern und erhöhte den Vorsprung zusätzlich durch ein Gegenstoß-Tor (33., 15:11).

Von da an blieb die Partie in Berliner Hand, wenngleich die Löwen es in den letzten Minuten noch einmal spannend machten. „Die sind eben auch eine gute Mannschaft“, sagte Wiede, „aber wir haben phänomenal in der Abwehr gestanden und dadurch gewonnen.“

Während die Berliner Handballer ihren Sieg in der Max-Schmeling-Halle tanzend bejubelten, verfolgte Simon Ernst das Spiel nicht von der Tribüne aus, sondern vor dem heimischen Fernseher. Sicher nicht weniger emotional und am Ende genauso erfreut wie seine Mannschaftskameraden.