Berlin - Es war ein Kontrastprogramm, das stärker kaum hätte sein können: Paul Drux war gerade dabei, sich mit der deutschen Handballnationalmannschaft auf die Olympiaqualifikation vorzubereiten, als bei ihm ein Meniskusschaden im linken Knie diagnostiziert wurde. Zugezogen beim Bundesligaeinsatz mit den Füchsen Berlin wenige Tage zuvor, aber eben nicht sofort entdeckt. Statt der Olympiaqualifikation stand für Drux plötzlich eine Operation mit anschließender Reha auf dem Plan.

Gut einen Monat später hat der Kapitän der Füchse sowohl das eine als auch das andere erfolgreich hinter sich gebracht und sein Comeback gefeiert. Wieder einmal, möchte man sagen. So kennt der 26-Jährige den Rehabilitationsprozess inzwischen besser, als man es ihm wünschen würde. Seine Krankenakte umfasst etwa eine schwere Schulterverletzung im Jahr 2015, einen Meniskusriss 2017, dazu Bänderrisse im Sprunggelenk und nun eben die nächste Meniskusverletzung. Aufhalten lassen hat sich Drux von keiner dieser Verletzungen, obwohl sie ihre Spuren hinterlassen haben und das Zurückkommen kaum einfacher wird.

Paul Drux und die Tücken der Reha

Eine Reha nach einer Verletzung ist nie ein Vergnügen. Drux beschreibt den Prozess als einen „sehr schwierigen“: „Zum einen musst du dich jeden Tag irgendwie motivieren, um alleine mit einem Trainer stundenlang im Kraftraum oder in der Reha zu arbeiten.“ Zum anderen müsse man der eigenen Mannschaft beim Spielen zugucken. Das wird insbesondere dann zur Qual, wenn es wie zuletzt bei den Füchsen sportlich nicht rund läuft. „Da will man einfach nur helfen“, sagt Drux.

Nun könnte man jedoch vermuten, dass man sich irgendwann an die Rolle des temporär einflusslosen Zuschauers und die Anstrengungen in der Reha gewöhnt. So etwas verneint Drux klar: „Die Reha wird nicht einfacher“, sagt er mit Nachdruck, „eben, weil man weiß, was auf einen zukommt und wie anstrengend und eintönig das wird.“ Dennoch will auch Drux nicht abstreiten, dass man im Laufe der Zeit routinierter im Umgang mit Verletzungen wird. Das Bewusstsein für den eigenen Körper wächst. Der Sportler lernt, in welcher Phase der Reha er diesen wie und mit welcher Intensität belasten kann. „Und die Bürokratie wird einfacher“, sagt Drux mit einem Lachen, „Krankschreibungen hin- und herschicken und die ganzen Anträge ausfüllen.“

Zumindest für den Moment hat Drux all dies nun hinter sich: Im Viertelfinalrückspiel der EHF European League gegen Montpellier gab der Rückraumspieler vor knapp zwei Wochen sein Comeback. „Sehr gut“, hätte sich das angefühlt, sagt Drux, ehe er ergänzt: „Ich habe aber auch gemerkt, dass die Pause, die wir danach hatten, meinem Knie ganz gutgetan hat.“ Obgleich sie auskuriert ist, noch wirkt die Verletzung nach. Umso wichtiger ist es aktuell, auf dem Parkett zwar vorsichtig, aber trotzdem mutig zu agieren. „Es ist nicht so einfach, dauerhaft auf die Signale des Körpers zu hören, ohne ängstlich zu sein“, sagt Drux.

Das Gefühl, aus irgendwelchen Gründen besonders verletzungsanfällig zu sein, hat der Rechtshänder dabei nicht. „Ich glaube, viele der Verletzungen waren einfach Pech“, sagt er. Und doch lässt sich festhalten, dass sie durch seine Spielweise zumindest nicht unwahrscheinlicher werden. In einem ohnehin körperbetonten und harten Sport ist Drux einer derjenigen, die von Körperlichkeit leben. Zwar sagt er selbst, dass die Folgen seiner Verletzungen nicht nur im Alltag spürbar bleiben, sondern auch seine „Spielweise beeinflusst und verändert“ hätten. Dennoch hat er in Angriff und Deckung nach wie vor keine Scheu, seine 1,92 Meter und gut einhundert Kilogramm Körpergewicht rigoros einzusetzen. Das ließ sich nicht zuletzt bei seinem Comeback wieder beobachten.

Vertrag bei den Füchsen Berlin bis Sommer 2025

Ebenfalls klar erkennbar ist, wie wichtig Paul Drux für seine Mannschaft und den Verein dahinter ist. Seit zehn Jahren spielt er für die Füchse, erst im Februar wurde sein Vertrag bis zum Sommer 2025 verlängert. Der gebürtige Gummersbacher ist Leistungsträger, Identifikationsfigur und nicht umsonst seit dieser Saison auch Kapitän der Berliner. Daraus, dass er sich an diese Rolle – aller Vertrautheit mit dem Klub und dessen Verantwortlichen zum Trotz – erst einmal gewöhnen musste, macht Drux kein Geheimnis. „Natürlich habe ich schon vorher versucht, viel Verantwortung zu übernehmen“, sagt er, „aber plötzlich gucken die Leute halt dich an, wenn irgendwas entschieden werden muss.“ Umso glücklicher sind Drux und die Füchse, dass der Kapitän seines Amtes nun wieder vom Parkett statt nur von der Tribüne aus walten kann. Nicht zuletzt, weil die Füchse, die in der Bundesligatabelle derzeit auf einem wenig zufriedenstellenden siebten Rang stehen, einen vorangehenden Kapitän gut gebrauchen können.

Drux will in den kommenden Wochen und auch mit Blick auf das Final Four im Europapokal Ende Mai nun genau dies tun. „Wir sind über den Punkt hinaus, an dem es jemandes bedarf, der jede Woche eine große Ansprache hält. Jetzt braucht es jemanden, der vorneweggeht“, sagt er. Nach seiner Verletzung ist dies das nächste Kontrastprogramm für Paul Drux – ähnlich stark, aber ungleich schöner als das von Anfang März.