Vor gut einer Woche ist Lennart Gliese 21 Jahre alt geworden. Zeit zum ausgiebigen Feiern, was bei einem jungen Erwachsenen wie ihm gern mal der Fall ist, blieb ihm allerdings nicht. Lennart Gliese ist Handballer und aufgrund der Verletztenmisere in seinem Klub in diesen Tagen eine viel geforderte Nachwuchskraft. „Ich war ehrlich gesagt doch ziemlich kaputt. Die vielen Reisen schlauchen dann doch ganz schön“, gesteht der Rückraumspieler der Füchse Berlin. Und schickt seinen Worten ein Lächeln hinterher.

Es ist ein leicht gequältes Lächeln, wohl auch weil die Füchse zuletzt dreimal in Serie als Verlierer von der Platter marschierten. Das 24:26 vor heimischem Publikum gegen Melsungen, das 29:31 beim Drittrundenhinspiel im EHF-Pokal bei Aalborg Handball, und am Donnerstag das 22:26 in der Liga beim wiedererstarkten THW Kiel. Am Sonntag soll es im Rückspiel gegen den dänischen Spitzenklub endlich wieder ein Erfolgserlebnis für das Team von Trainer Velimir Petkovic geben. Mit dem Zutun von Youngster Gliese, der gesteht, dass die vergangenen Wochen für ihn die eine oder oder andere unliebsame Erfahrung mit sich gebracht haben: „Es ist schon etwas anderes bei den Profis. Die sind erfahrener und es geht wesentlich härter zu.“

Er bekommt die volle Bundesliga-Härte zu spüren

Wie hart das teilweise sein kann, bekam Gliese am Donnerstag zu spüren, als er nach einem Angriff zu Boden ging, keinen Freiwurf erhielt und beim Wiederaufstehen noch das Knie des Gegenspielers zu spüren bekam, um gleich wieder auf der Platte zu landen. „Das sind Abwehrreihen über die man nicht so einfach drüber wirft. Da reißt dich der Spieler auch mal mit um.“

Der gebürtige Berliner startete im Jahr 2014 bei den Füchsen und durchlief seither die Laufbahn bis hoch zu den Männern. In seiner Heimatstadt Profihandball spielen zu können, ist dabei ein wahrgewordener Traum, der für ihn kaum fassbar ist. Er sagt: „Ich hätte selbst nicht gedacht, dass mir das Verletzungspech so in die Karten spielt. Jetzt muss ich mich beweisen.“

Im Rückspiel gegen Aalborg könnte er es zeigen

Für Lennart Gliese ging es in letzter Zeit auf und ab. Gute Durchbrüche wechselten sich mit nervösen Fehlpässen ab – und auch in der Deckung fehlt teilweise noch die Erfahrung. Alles Dinge, die man einem jungen Spieler verzeihen mag, der erst seit wenigen Wochen Profiluft schnuppert. „Gegen Aalborg war ich zu schüchtern. Außerdem war die Halle voll und es ist etwas ganz anderes vor 5 000 Leuten zu spielen, die gegen dich sind“, äußert sich Gliese selbstkritisch.

Am Sonntag werden ähnlich viele Zuschauer das Spiel verfolgen, diesmal aber, um die Füchse zu unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass Gliese diese positive Energie aufnehmen kann, um mit den Berlinern die Gruppenphase des EHF-Cups zu erreichen.