Keine Zweifel: Füllkrug muss gegen Costa Rica von Beginn an spielen 

Für diese Erkenntnis braucht Bundestrainer Flick keine Analysten und auch kein Bauchgefühl. Sondern nur seinen klaren Sachverstand und ein bisschen Mut.

Niclas Füllkrug ist in der Nationalmannschaft der Mann der Stunde.
Niclas Füllkrug ist in der Nationalmannschaft der Mann der Stunde.AFP/Fassbender

Hansi Flick pflegt es so zu halten wie die meisten Trainer auf dieser Fußballwelt. Einblicke in seine Gedanken zur Aufstellung gibt er bei einem so bedeutenden Turnier wie einer Weltmeisterschaft noch nicht einmal in homöopathischen Dosen. Man hört vom Bundes-Hansi zwar bei jeder sich halbwegs bietenden Gelegenheit, über welch „enorme Qualität“ seine Mannschaft verfüge, aber wo er welche dieser Qualität einzusetzen gedenkt, erfährt man erst beim Blick auf den Spielberichtsbogen, den die Fifa eine gute Stunde vor Spielbeginn hochlädt.

Oder darf Kai Havertz wieder mitmachen?

Die ganz große Frage, die sich Deutschland vor dem Spiel gegen Costa Rica gerade stellt: Stellt Flick Niclas Füllkrug in die Startelf? Oder lässt er zunächst wieder Thomas Müller dort vorne herumwuseln. Oder darf Kai Havertz wieder mitmachen, der nach seiner verborgenen Vorstellung im Auftaktspiel aus der Mannschaft rotierte? Flick hat ungefähr ein Dutzend Leute für seine Assistenz, die Gegnerbeobachtung und die Videoanalyse vor Ort. Daheim im DFB-Campus sitzen noch einmal massenweise Menschen, die den Gegner und die eigene Mannschaft bis ins Mark sezieren und ihre Erkenntnisse auf digitalem Wege nach Katar schicken.

Diese personellen, logistischen und finanziellen Möglichkeiten stehen profanen WM-Reportern selbstverständlich nicht nur Verfügung, und auch die Fans daheim müssen sich argumentativ auf Zeitlupen bei den Öffentlich-Rechtlichen oder Magenta-TV und den Ergüssen der Experten berufen. Aber wie lang oder kurz, oberflächlich oder tiefsinnig man es auch dreht und wendet. Es gibt nur eine nachvollziehbare Antwort: Füllkrug muss von Beginn an spielen.

Hohe Ballbesitzquote ist zu erwarten

Denn wer die Männer von der reichen Küste bei deren 1:0-Sieg gegen Japan gesehen hat, der kommt nicht umhin, vorauszusagen: Es wird ein Spiel auf ein Tor. Auf das von Costa Rica. Die Deutschen werden mutmaßlich auf eine Ballbesitzquote um die 80 Prozent kommen, genau wie schon gegen Japan. Und wie kamen sie da zu ihrem einzigen Tor? Ganz genau: durch einen Strafstoß.

Reicht eine vergleichbare Ausbeute gegen die Mittelamerikaner? Nein! Braucht es eine gute Strafraumbesetzung? Ja! Wird es klug sein, neben dem Flachpassspiel auch mal hohe Flanken in die Box einzustreuen? Na klar! Sollte dann dort ein Abnehmer bereitstehen, der gut Kopfball kann? Unbedingt!

Risikobereitschaft ist gefordert

Hinzu kommt: Das DFB-Team ist gut beraten, in diese Partie mit einer hohen Risikobereitschaft zu gehen. Denn sicher weiterkommt das derzeitige Gruppenschlusslicht nur, wenn am Ende ein 8:0 steht. Das würde reichen, Spanien zu überholen, sollten die Iberer mit einem Tor Unterschied gegen Japan verlieren.

Unmöglich sind acht Tore gegen die in ihren spielerischen Mitteln arg beschränkten Costa Ricaner keinesfalls. Es braucht dazu vor allem Treffer in der Anfangsphase. Die Wahrscheinlichkeit, dass frühe Tore gelingen, erhöht sich durch die Anwesenheit von? Ganz genau: Niclas Füllkrug. Für diese Erkenntnis braucht Flick keine Assistenten, keine Analysten, keine Scouts, keine Einflüsterer und auch kein Bauchgefühl. Sondern nur seinen klaren Sachverstand und ein bisschen Mut.