Durchstarter: Für Maodo Lo beginnt mit Alba Berlin bei Maccabi Tel Aviv die Euroleague-Saison.
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BerlinEs wird wieder ernst für die Basketballer von Alba Berlin: Exakt 95 Tage nachdem diese zum Ende der Spielzeit 2019/20 ihre neunte deutsche Meisterschaft feierten, starten sie in ihre neue Saison. Los geht es in der Euroleague. Dort sind die Berliner am heutigen Donnerstagabend zum Auftakt bei Maccabi Tel Aviv zu Gast. Das Spiel gegen die stark besetzten Israelis bietet dabei gleich einen Vorgeschmack auf das, was Alba diese Saison in der besten Basketballliga Europas erwartet. Fünf Aspekte, die man beim Start beachten sollte.

Ein Schwergewicht zum Auftakt

19:9 lautete die Bilanz Maccabi Tel Avivs, als die Euroleague-Saison 2019/20 im Frühjahr abgebrochen wurde. Angeführt wird das Team von Scottie Wilbekin und Orthello Hunter. Wilbekin ist einer der am besten punktenden Guards Europas, Hunter dominiert unter den Körben. Auf der Flügelposition spielt Omri Casspi (588 NBA-Spiele), Israels Basketballlegende schlechthin. In Ante Žižić und Dragan Bender wurden jüngst zwei weitere Bigmen aus der NBA verpflichtet. Für die ausgerechnet unter den Körben dünn besetzten Berliner dürfte dies gleich im ersten Saisonspiel zur Herausforderung werden.

Das große Spitzenspielerkarussell

Der Transfermarkt der Spitzenspieler hat sich zuletzt rasant entwickelt. Den Anfang machte Olympia Mailand, das in Kyle Hines, Malcolm Delaney und Luigi Datome gleich drei absolute Top-Spieler von der Konkurrenz verpflichtete. In Nick Calathes wechselte anschließend einer der besten Aufbauspieler Europas von Panathinaikos Athen zum FC Barcelona. Mit Kostas Sloukas tat es ihm kurz darauf ein ähnliches Kaliber gleich: Er spielt künftig für Olympiacos Piräus statt für Fenerbahçe Istanbul. Hin zu Fenerbahçe hingegen zog es den letztjährigen Bayern-Kapitän Danilo Barthel. Auch Topscorer Greg Monroe verließ die Münchener und spielt nun für Khimki Moskau. In Tornike Shengelia wechselte schließlich noch ein weiterer Spitzenspieler nach Moskau, allerdings zu Khimkis Nachbarn ZSKA.

Die große Trainerrochade

Sieben der 18 Euroleague-Mannschaften gehen mit einem neuen Trainer in die Saison. Den spektakulärsten Wechsel gab es bei Fenerbahçe Istanbul, wo in Zeljko Obradovic einer der renommiertesten Trainer Europas nach sieben Jahren zurücktrat. Zurück in der Euroleague ist Namensvetter Sasa Obradovic. Vier Jahre nach seiner letzten Saison als Alba-Coach trainiert er fortan seinen Heimatverein Roter Stern Belgrad. Nicht mehr Trainer in der Heimat ist Šarūnas Jasikevičius. Nachdem der sich zuletzt in Kaunas einen Namen gemacht hat, beerbte er diesen Sommer Svetislav Pesic beim FC Barcelona. Ersetzt wird er bei Žalgiris durch den Österreicher Martin Schiller, bis 2019 Assistenztrainer des deutschen Nationalteams.

Eine Handvoll Favoriten statt einer Übermannschaft

Der Titelkampf scheint offen wie lange nicht mehr zu sein. Eine Übermannschaft gibt es nicht. Beste Chancen haben Anadolu Efes Istanbul, Real Madrid und der FC Barcelona. Istanbul und Madrid führten bereits vergangene Saison die Liga an und haben es geschafft, ihre mit Top-Spielern à la Shane Larkin (Istanbul) und Anthony Randolph (Madrid) gespickten Kader zusammenzuhalten. Auch der FC Barcelona um Nikola Mirotić zeichnet sich durch Kontinuität aus und wurde mit Nick Calathes verstärkt. Ebenfalls ein Titelkandidat ist ZSKA Moskau. Und auch die stark verstärkten Mailänder kann man, genauso wie Maccabi Tel Aviv und Olympiacos Piräus, zum erweiterten Kreis der Favoriten zählen.

Die Fans als Faktor

Die Euroleague verfügt über die stimmungsvollsten Basketballarenen der Welt. In Kaunas sorgen regelmäßig 15.000 Litauer für Stimmung, Teams wie Panathinaikos und Fenerbahçe wissen frenetische Fans hinter sich, und in Belgrad erzeugen bis zu knapp 20.000 Zuschauer Spiel für Spiel extremen Lärm. Zum Saisonstart wird es in den Arenen nun deutlich leiser werden. Nach jetzigem Stand sind an sieben Standorten zwischen 400 und 7500 Zuschauer zugelassen, in den anderen elf sind bislang gar keine zugelassen. Allein diese Spannbreite zeigt, wie unterschiedlich groß der Heimvorteil einer Mannschaft zu Saisonbeginn sein wird. Auch im Saisonverlauf dürften an einigen Orten schneller wieder mehr Zuschauer zugelassen werden als an anderen. Insbesondere für Mannschaften wie Roter Stern oder auch Fenerbahçe Istanbul, die von ihrem Heimvorteil leben, dürfte dies ein Faktor werden.