Berlin - Kicker haben beim American Football genau eine Aufgabe, wenn sie zum Field Goal antreten. Sie müssen den Ball zwischen die gelben Stangen jagen. Entweder der Kicker trifft. Oder nicht. Dazwischen gibt es keine Bewertung, keine Statistik. Und das, was in der Partie zwischen den Green Bay Packers und den Cincinnati Bengals am späten Sonntag passierte, kam bislang auch noch in keiner noch so verrückten Statistik der NFL vor: Fünf verpasste Field Goals in Serie, jedes potenziell entscheidend für den Sieg.

Die Packers gewannen das Football-Match am Ende dann dank eines Field Goals 25:22. Ihr grauhaariger Kicker Mason Crosby hat nun wohl noch ein paar graue Haare mehr. „Ich war echt glücklich, das letzte getroffen zu haben. Das war etwas Erleichterung“, sagte Crosby.

Nach Crosby verschießt auch McPherson

Normalerweise sind seine Schüsse sicherer als jeder Pin-Code. Seit 2019 hat der 37-Jährige 44 seiner 46 Field-Goal-Versuche sicher verwandelt. Dreimal hatte er schon in dieser Partie getroffen. Aber 2:16 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit setzte Crosby beim Stand von 22:22 einen Versuch über 36 Yards daneben. Ungewöhnlich bei seiner Qualität, kann aber vorkommen, dachten sich die Kollegen um Quarterback Aaron Rodgers und die Packers-Fans auf den Tribünen und an den Fernsehgeräten.

Bei noch 26 Sekunden auf der Uhr bekamen so die Bengals die Gelegenheit zum siegbringenden Versuch – doch auch Evan McPherson scheiterte. Aus 59 Yards ebenfalls keine Sensation.

In der Verlängerung gehen die Fehlversuche weiter

Die Packers bekamen den Ball also zurück, schafften es bei noch drei Sekunden auf der Uhr zu einem weiteren Field-Goal-Versuch – und wieder patzte Crosby, wieder drehte sich der Ball außen am linken Pfosten vorbei. Dieses Mal aus 51 Yards und die Zahl der ungläubig dreinblickenden Zuschauer und Spieler vergrößerte sich.

Weil die Bengals sich in der Verlängerung sofort eine Interception erlaubten, waren die Packers klar im Vorteil und brauchten nur das Field Goal zum Sieg. Crosby trat an und setzte den Ball – dieses Mal aus 40 Yards – erneut links neben die beiden gelben Pfosten.

Wieder Auftritt McPherson: wieder vorbei. Auch wenn sich der 22-Jährige so sicher über seinen Treffer war, dass er schon jubelte. Dabei hatte der Ball die Fahne am Pfostenende außen touchiert. Also kam Crosby kurz darauf ein weiteres Mal aufs Feld. Passempfänger Davante Adams schaute nicht hin, Rodgers stellte sich woanders auf – und sah, wie Crosby traf: aus 49 Yards. Erleichtert klatschten ihn die Mitspieler ab. Rodgers streckte beide Zeigefinger in die Höhe. „Ich bin stolz auf Mason. Er hat all die Jahre so viele wichtige Kicks für uns gemacht. Es war nicht sein bester Tag, aber einen 50-Yard-Kick zum Sieg unterzubringen ... es fühlt sich gut an, vier von fünf Spielen gewonnen zu haben.“