Fünftligist mit Erstliga-Mannschaftsbus: der 1. FC Düren auf Reisen.
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BerlinZumindest bei der Anreise darf sich der 1. FC Düren auf Augenhöhe mit Bayern München fühlen. Der Fünftligist erhielt für die über 600 km lange Fahrt aus der Voreifel zum Erstrunden-Duell im DFB-Pokal (Donnerstag, 20.45 Uhr/Sky und Sport1) beim Quintuple-Sieger vom Bayern-Sponsor den modellgleichen Mannschaftsbus des Münchner Starensembles vor die heimische Westkampfbahn gestellt.

In den luxuriös-komfortablen Sitzen ließe sich für den Mittelrhein-Pokalsieger sicher gut vom großen Coup träumen. Doch weil Trainer Giuseppe Brunetto ganz genau weiß, dass der Auftritt im Münchner „Fußballtempel“ für jeden aus seinem Team das „Spiel des Lebens“ sein wird, gibt der Italiener eine ganz andere Devise aus. „Natürlich bekommen die Spieler einen Plan, und natürlich wollen wir uns auch gut aus der Affäre ziehen. Aber wir werden uns nicht so auf dieses Spiel vorbereiten wie sonst auf ein Meisterschaftsspiel“, sagte Brunetto: „Wir wollen einfach nur genießen.“

Im Alltag arbeitet der Coach im Außendienst eines Dienstleisters. An der Seitenlinie schaut Brunetto „schon mal ein wenig hoch zu den üblichen Verdächtigen Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Antonio Conte, auch weil er ein Landsmann von mir ist“.

In seiner Mannschaft hingegen sind vereinzelt tatsächliche Berührungspunkte zum großen Fußball vorhanden: Der gerade erst neuverpflichtete Routinier Adam Matuschyk sammelte beim 1. FC Köln sogar Bundesliga-Erfahrung, Adis Omerbasic spielte im Nachwuchs von Schalke 04 mit Münchens neuem Stürmerstar Leroy Sané zusammen, und Innenverteidiger Joran Sobiech ist der jüngere Bruder des ehemaligen Erstliga-Spielers Lasse Sobiech und Cousin des Nürnberger Zweitliga-Profis Felix Lohkemper.

Der 24-Jährige will seine Familienbande vor dem „großen Tag“ auch anzapfen: „Klar hole ich mir bei meinem Bruder ein paar Tipps“, sagt Sobiech und schmunzelt dabei. Denn trotz Münchens Problemen zuletzt gegen Hertha BSC (4:3) und bei der TSG Hoffenheim (1:4) ist eine Überraschung für den Abwehrspieler jenseits aller Vorstellungskraft: „Wir sind nicht Hoffenheim.“

Immerhin aber ist der erst 2017 gegründete Fusionsklub, der wegen Corona sein Heimrecht an die Bayern abtrat, in der Mittelrheinliga auf dem Weg zum angestrebten Regionalliga-Aufstieg mit bisher drei Siegen optimal in die neue Saison gestartet.

Entsprechend will Omerbasic, der im Landespokalfinale nur einen Tag nach seiner Verpflichtung Dürens Siegtor gegen den großen Nachbarn und den ehemaligen Bundesligisten Alemannia Aachen erzielte, auch nicht nur staunend Spalier stehen.

„Wenn wir so lange wie möglich die Null halten und die Bayern uns etwas unterschätzen ...“, setzt der Deutsch-Bosnier zu einem zarten Träumchen an, um gleich wieder realistisch zu werden: „Aber die Bayern machen ja in jedem Spiel Ernst.“