Es sind keine einfachen Tage derzeit im Südosten der Stadt. Dort, wo die Spree sich mit der Dahme vereint, kommt es einem dieser Tage so vor, als ob Roland Krispins große eiserne Ballade ab absurdum geführt werden soll, als ob die Sonne nicht mehr von vorne scheint. Allzu sehr wiegen die Negativerlebnisse der letzten Wochen – acht Spiele ohne Sieg sind nur noch eine Partie vom Vereinsnegativrekord entfernt. Es könnte bessere Zeitpunkte geben, als einem sich seit Wochen durch die Lande siegenden Spitzenreiter entgegentreten zu müssen.

Düsseldorf spielt schlecht und gewinnt trotzdem. Was soll erst sein, wenn diese Mannschaft auch noch zu ihrer alten Form zurückkehrt? Die Erwartungshaltung ist niedrig beim 1. FC Union, der seit Wochen das Klagelied von den kleinen, nach außen kaum sichtbaren Verbesserungen singt.

Die Art und Weise des Scheiterns nervt

Wobei das Heimspiel an diesem Sonnabend gegen Düsseldorf (13 Uhr) nicht mal eine Art Schicksalsspiel ist. Es geht auch nicht um den Trainer André Hofschneider, der nach nur zwei Punkten aus fünf Spielen unter seiner Obhut weiß, dass es ihm derzeit an „sportlichen Argumenten“ gegen Kritiker mangelt. Neun Zweitligaspiele ohne Sieg am Stück gab es zuletzt in der Spielzeit 2002/03, vier Heimpleiten hintereinander noch nie im Profifußball. Um Hofschneiders laut Vertragspapier bis 2019 datierte Zukunft – oder eben nicht – wird es erst in den kommenden Wochen gehen. Denn eine Lizenz zum Verlieren hat Klubpräsident Dirk Zingler noch keinem Übungsleiter eingeräumt.

Doch mittlerweile scheint es um viel mehr zu gehen. Im Aufstiegskampf am Ende zu scheitern, hätte ein Unionfan wohl ohne größeres Wehklagen hingenommen. Na und? Kennt man. Ein Stück Union-Folklore. Doch die Art und Weise nervt. Es zehrt an den Grundfesten nach all den Jahren, in denen es immer nur nach oben ging. Etwas scheint grundsätzlich schiefgelaufen zu sein. Dieses Etwas nicht richtig fassen zu können, zermürbt zusätzlich. Der sich immer deutlicher abzeichnende Umbruch schreckt mehr, als dass er begeistert. Dabei ist die Sehnsucht nach ein paar Streicheleinheiten in Köpenick derzeit allgegenwärtig.

Toni Leistner kehrt nach Sperre wohl zurück

Eine Mannschaft, die für höhere Ziele zusammengestellt worden ist, tut sich meist wahnsinnig schwer, wenn sie sich in den Niederungen der Tabelle wiederfindet. Immer wieder fällt das Stichwort Cottbus als mahnendes Beispiel. Ein Horrorszenario, das keiner erleben will.

Der unerwartete Abgang von Damir Kreilach unter der Woche war so ein weiterer Stich ins Union-Herz. Der Kroate, wenn auch in dieser Saison meilenweit weg von seiner sonst so dominanten Rolle, war der Inbegriff des nimmermüden Kämpfers. Einer, bei dessen Grätschen und Vorstößen die Union-Seele frohlockte. Es ehrt die Köpenicker zwar, dass sie ihm bei seinem Wechselwunsch in die USA zu Real Salt Lake City keine Steine in den Weg legten. Und es bringt ihnen durch die kolportierte Ablöse von rund 500.000 Euro und einer geschätzten Einsparung von 150.000 Euro Gehalt bis zum Saisonende einen ordentlichen Batzen Kohle. Aber Geld wiegt keine Identifikationsfigur auf.

Einer, der bislang als solcher galt, wird nach abgelaufener Gelb-Rot-Sperre wohl zurückkehren. Toni Leistner wird den Vorzug vor Marvin Friedrich bekommen. „Er hat seine Sache zwar gut gemacht, aber man muss abwarten, wie er das Spiel in Bielefeld weggesteckt hat. Das ist schon ein Unterschied, ob man in der Zweiten Liga oder Regionalliga spielt“, sagt Hofschneider, der zudem zugab, dass Leistner in der Vergangenheit ja auch reichlich Argumente gesammelt hat. Warum ihn draußen lassen ohne Not? Die Nöte sind auch so groß genug.