In der kommenden Saison wollen die Steglitzer Fußballer in der Oberliga jubeln.
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BerlinEin bisschen erinnerte die Situation an eine Lottoziehung: Am Sonnabendnachmittag saß Bernd Fiedler in seinem Büro, den Laptop vor sich aufgeklappt. Gebannt wartete der 1. Vorsitzende des SFC Stern 1900 darauf, wie der virtuelle Verbandstag des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) die abgebrochene Saison in der Berlin-Liga werten würde. Die persönliche Glückszahl lautete schließlich 68. So viele Stimmberechtigte – insgesamt nahmen 123 teil – sprachen sich für die Quotientenregel aus, die den Klub aus Steglitz zum Meister der abgebrochenen Verbandsligasaison macht. Und was noch wichtiger ist: den Aufstieg in die Oberliga ebnet.

Ein solcher Erfolg muss natürlich gewürdigt werden – trotz der besonderen Bestimmungen, die aufgrund der Corona-Pandemie noch immer gelten. Denn nicht nur das Verbandsligateam darf aufsteigen. Sowohl die zweite Mannschaft der Frauen als auch der Herren spielen kommende Saison eine Liga höher. „Wir haben uns dann im Vereinsheim getroffen und das ein bisschen gefeiert“, erzählt Fiedler am Sonntag.

Es brauchte auch ein Ventil, um den Druck der vergangenen Tage abzubauen. Denn die Diskussion, ob nun der Klub aus Steglitz oder Sparta Lichtenberg es eher verdient hätte, für eine bis zum Saisonabbruch starke Saison mit der Beförderung in die Oberliga belohnt zu werden, polarisierte zunehmend. BFV-Präsident Bernd Schultz sagte dem RBB: „Von vielen schlechten Lösungen ist das die vermutlich beste, weil sie die höchste Anzahl von Spielen mit einbezieht.“

Spartas Präsident Werner Natalis ist da anderer Meinung: „Wir haben es hier mit einem Rennrodelergebnis zu tun, das hat beim Fußball eigentlich nichts zu suchen.“ Er meint damit den Rückstand von 0,03 Punkten, die sein Klub aufgrund einer weniger gespielten Partie bei der Quotientenregel vorweisen kann. Per einstweiliger Verfügung hatte der Verein versucht, dieses Szenario auszuklammern. Vergeblich. Trotz des anhaltenden Gefühls, übergangen worden zu sein, weil eben das Duell mit den Reinickendorfer Füchse nicht stattfand und das Torverhältnis klar für Sparta sprach, werden weitere juristische Bemühungen, das Ergebnis anzufechten, ausbleiben. „Wir akzeptieren das jetzt, irgendwann muss ja auch wieder Ruhe einkehren“, sagt Natalis.

Die Entscheidung trifft Sparta auch deshalb hart, weil die Mannschaft diesen Aufstieg kollektiv wollte. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, weiß Natalis, „du musst ja plötzlich mehr trainieren und hast längere Auswärtsfahrten, das passt nicht jedem.“ In der Saison 2018/2019 wirkte die Oberliga für einige Spieler im Team eher befremdlich, in der Saisonabschlussphase fehlte dann der Fokus. Nach zahlreichen Abgängen müssen die Lichtenberger mit einem neuen Team nun also den nächsten Anlauf starten, vor dem Hintergrund, dass auch die kommende Spielzeit angesichts von Corona wohl kaum unter normalen Bedingungen stattfinden kann.

Beim SFC Stern ist man sich dessen natürlich auch bewusst. „Ich gehe davon aus, dass die neue Saison frühestens im September beginnen kann“, sagt Vorstandschef Fiedler. „Voraussetzung ist natürlich die Aufhebung des Kontaktverbots, wir spielen ja nicht Fußballtennis.“ Derzeit ist dennoch geplant, Mitte Juli mit dem Training zu beginnen, um sich dann der ungleich stärkeren Konkurrenz erwehren zu können. „Ein paar Testspiele müssten natürlich schon stattfinden.“

Das gilt insbesondere auch für die vier Klubs, die im Halbfinale des Landespokals stehen: Berliner SC, BFC Dynamo, FC Viktoria 1889 und die VSG Altglienicke. Denn anders als die Liga soll dieser Wettbewerb noch fortgeführt werden, schließlich geht es auch darum, einen Teilnehmer am DFB-Pokal zu ermitteln.

Der SFC schied hier bereits in der 3. Runde aus. Ein Umstand, den Fiedler gut verschmerzen kann. „Wir haben im Elfmeterschießen verloren, in der regulären Spielzeit haben wir in dieser Saison kein einziges Spiel verloren.“ Der Aufstieg ist für ihn also nicht nur der Jackpot in einer unabwägbaren Lotterie, sondern auch der verdiente Lohn für eine Spielzeit ohne großen sportlichen Makel.