Berlin - Während die Teamkollegen auf der Bank und die 1000 Zuschauer auf den Tribünen der Arena am Ostbahnhof über den Dreier von Marcus Eriksson jubelten, strampelte Jayson Granger etwas abseits vom Team auf dem Ergometer. Natürlich streckte auch Alba Berlins Aufbauspieler bei noch vier Minuten Spielzeit im dritten Viertel beide Arme nach oben, während er weiter fleißig radelte. So oft wie in dieser Saison ist das Ergometer in den Spielstätten der Basketball-Bundesliga wohl noch nie zu sehen gewesen und vor allem zum Einsatz gekommen. Im Zuge des wahnsinnig eng getakteten und deshalb sehr belastenden Spielplans aber ist das Ergometer zum treuen Begleiter geworden und nicht mehr nur Sparringspartner im Zuge einer Wiederaufnahme des Trainings nach einer Verletzung.

Alba Berlins Jayson Granger spielt 27 Minuten gegen Ulm

Als Jayson Granger da im zweiten Playoff-Spiel gegen Ulm so radelte, war es die Pflege der beanspruchten Muskulatur und die Vorbereitung auf seinen nächsten Einsatz in dieser Partie – und irgendwie auch schon für Spiel drei am Donnerstag in Ulm (20.30 Uhr). Denn: Für Alba-Verhältnisse fast schon unendlich lange fast 27 Minuten stand Granger am Dienstagabend auf dem Feld. Er musste so lange ran, weil sich nach Luke Sikma, Johannes Thiemann und Louis Olinde auch noch Peyton Siva mit muskulären Problemen herumärgerte.

Und weil sich im ersten Spiel gegen Ulm auch noch Jonas Mattisseck an der Schulter verletzte, gehen den Berlinern ausgerechnet im Liga-Endspurt die Spieler aus. „Wir hoffen, dass der eine oder andere schnellstmöglich zurückkommt“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi nach dem Sieg, „bis dahin versuchen wir, das Ganze offen und am Leben zu halten.“

Das 92:78 war immerhin der Ausgleich in der Halbfinalserie gegen die starken Ulmer. Aber natürlich hat er mehr Kraft gekostet als viele andere Siege in dieser Bundesliga-Saison. Weil wieder einmal fünf Leistungsträger fehlten und sich quasi Spiel an Spiel reiht. Im Zwei-Tage-Rhythmus müssen die Playoff-Teams in dieser Saison ran. Selbst die schnellstmöglichen Siege in den Serien bringen nicht die Pausen, die es braucht, um vernünftig zu regenerieren und Verletzungen auszukurieren. Da die Saison aber aus Termingründen der Nationalmannschaft spätestens am 15. Juni beendet sein muss, bleibt die Belastung hoch. Eigentlich zu hoch.

Den Preis dafür bezahlen aktuell die Spieler. Für Louis Olinde ist die Saison bereits vorzeitig beendet, Peyton Siva hatte sich am Dienstag mit dem Team warm gemacht, saß auch auf der Bank, wurde aber geschont. Bei Jonas Mattisseck weiß niemand, ob er in dieser Saison noch einmal spielen kann. „Sikma und Thiemann kommen vielleicht zurück, aber sind dann natürlich nicht in Top-Verfassung“, sagt Marco Baldi, „aber was soll man machen, das ist halt so.“

Marco Baldi freut sich über Gemeinschaftserlebnis mit Fans

Es ehrt den Alba-Geschäftsführer, dass er trotz dieser abermaligen Verletztenmisere auch am Dienstagabend kein Klagelied anstimmen wollte. Was sicher auch an der Euphorie des Abends gelegen haben dürfte: Erstmals seit Mitte Oktober des vergangenen Jahres durften wieder Zuschauer in die Arena am Ostbahnhof und sorgten für ein fast schon vergessenes Basketballgefühl. „Es ist ein Gemeinschaftserlebnis, das man irgendwie zusammen erlebt und durchlebt. Manchmal mit einer riesigen Freude und manchmal mit einer Wut und schlechten Laune und heute hat halt alles gestimmt“, so Baldi.

Sicherlich auch, dass sich diesmal augenscheinlich niemand verletzte und am Mittwoch alle nach Ulm reisen konnten. Dort stehen am Donnerstag und Sonnabend die Spiele drei und vier an. Die Belastung bleibt hoch und sinkt erst mit dem Saisonende.