Arena ohne Anhang: Trotz vieler Konzepte ist noch immer nicht absehbar, wie der Saisonstart für Alba Berlin aussehen wird.
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BerlinDie Zeiten haben sich geändert. Gehörte es kurz vor dem Saisonstart noch dazu, dass man seine ausländischen Spieler vom Flughafen abholt, man vor Ort noch schnell ein Foto für die Vereinshomepage macht und sich am Abend gemütlich in eine Lokalität der Stadt setzt, geht es in diesem Sommer erst einmal zum Corona-Test und bis zum Ergebnis in die Isolation. „Selbst wenn ich sie abholen wollte, könnte ich das aktuell ja gar nicht“, sagt Marco Baldi. Wie etwas und was überhaupt in Zeiten der Corona-Pandemie für einen Profi-Sportverein möglich ist, damit hat sich Alba Berlins Geschäftsführer in den vergangenen Wochen und Monaten ganz genau auseinandergesetzt.

Gemeinsam mit den anderen Bundesligaklubs ist es ihm gelungen, die im März unterbrochene Saison im Juni doch noch spielen zu können und am Ende mit der eigenen Mannschaft den Meistertitel zu gewinnen. Auf die kurze Feier folgte die nächste Herausforderung: Die Vorbereitung der neuen Saison und die Beantwortung vieler Fragen. Oder zumindest der Versuch. Da niemand weiß, wie sich die Situation im Oktober darstellt, können auch jetzt auf einige Fragen keine Antworten gegeben werden. Doch wie geht man damit um, wenn man es bislang nur gewohnt ist, sich stets im Rahmenterminplan und innerhalb abgesteckter Vorgaben zu bewegen? „Man muss erst einmal eine Haltung entwickeln“, so Baldi, „und die Haltung ist, dass man nicht weiß, was morgen und was übermorgen ist. Man weiß es einfach nicht.“ Klar ist, dass nichts klar ist. Vor allem nicht, wenn es um Zuschauer bei Sportveranstaltungen geht.

Die wünschen sich alle. Aber: Nicht alle werden sie bekommen können. Zumindest nicht in dem Maße, wie man es bis Anfang März für normal gehalten hat. Alba Berlin begrüßte in seinem bislang letzten Heimspiel am 4. März 8797 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof, wenige Tage später durften die Eisbären Berlin vor ausverkauftem Haus noch einmal gegen Düsseldorf spielen. Natürlich möchte auch Marco Baldi wieder genau dort hin. Am liebsten schon am 9. Oktober, wenn Alba Berlin in der Euroleague Gastgeber für den FC Bayern München sein soll.

Doch Albas Geschäftsführer ist kein Freund davon, die Zeit vor den ganzen Absagen und Unterbrechungen als diese eine Normalität zu sehen, zu der man unbedingt wieder zurückkehren muss. Stattdessen „braucht es eine Bereitschaft, Dinge neu zu denken, anders zu denken, unter neuen Blickwinkeln zu denken und es dann umzusetzen“, sagt er, „man darf nicht immer dieses Bild im Kopf haben, wohin man wieder zurück möchte, sondern man muss auch im Kopf haben, welche Alternativen es geben kann. Das ist das eigentliche Gebot der Stunde.“

Eine dieser Alternativen sind aus seiner Sicht auch weiterhin Geisterspiele. So habe man ja in der Bundesliga auch die Saison beenden können. So, in einer Total-Blase ohne Kontakt zur Außenwelt, bringt aktuell auch die nordamerikanische Basketballliga NBA ihre Saison bis Oktober zu einem um vier Monate verspäteten Ende. Doch auch dort werden sich die Verantwortlichen im Anschluss fragen müssen, wie es denn weitergehen soll. Wird weiter in einer Blase gespielt oder können Zuschauer wieder in die Arenen? „Das Beispiel der NBA zeigt ja, dass sich alles komplett verschoben hat. Deshalb sind Geisterspiele auch weiter ein existierendes Szenario“, sagt Marco Baldi. Mit Folgen, die noch niemand abschätzen kann. Man müsse schauen, wie lange das gut gehen kann. Denn klar ist, dass die wirtschaftlichen Folgen von Geisterspielen komplette Vereine ins Wanken bringen können. Albas Geschäftsführer jedenfalls glaubt, dass es auch deshalb eine Flexibilität hinsichtlich der Vertragssituationen brauche, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Um aber überhaupt an Spiele vor Zuschauern denken zu können, wurden in den vergangenen Wochen erst einmal Konzepte entwickelt. Ein verbindliches Hygienekonzept der Bundesliga, in welchem festgehalten ist, unter welchen Bedingungen die Klubs trainieren können oder wie die Sicherheitsvorkehrungen sind, wenn die Spieler aus ihren jeweiligen Ländern einreisen. „Da gibt es eine behördliche Grundlage, aber es gibt eben auch die Grundlage vor Ort, welche Auflagen erfüllt man, um zu gewährleisten, dass der Trainingsbetrieb mit den geringstmöglichen Störungen auskommen kann“, sagt Marco Baldi, „das macht jeder an seinem Standort auf seine Art.“

Das ist auch zwingend notwendig, wenn es um die Konzeptionierung des Spielbetriebs geht. Im Dreieck aus der Liga, dem jeweiligen Verein und dem Hallenbetreiber sind die Konzepte für Heimspiele sehr individuell und auf die jeweilige Arena mit ihrer Umgebung angepasst. „Gibt es da 5000 Parkplätze oder kommen die Zuschauer mit der U-Bahn. Das sind alles Dinge, die berücksichtigt werden. Wir müssen das auch noch auf den europäischen Maßstab übertragen. Da ist im Moment die Unsicherheit am allergrößten. Denn da sind nicht nur spezifisch regionale Dinge zu beachten“, so der Alba-Geschäftsführer. Mit vielen Dingen und vielen Fragen hat er sich in den vergangenen Wochen beschäftigt. Doch es kommen immer wieder Fragen dazu, die man eben nicht sofort beantworten kann.