Berlin - Aus dem ersten Schlagabtausch ist Marco Baldi schon einmal als klarer Punktsieger hervorgegangen. Während ein Großteil der sportlich verantwortlichen Gesprächspartner aller Playoff-Teilnehmer einen Blick auf weiße Bürowände und lediglich dezente Hinweise auf ihre Vereine boten, hatte Alba Berlins Geschäftsführer in dieser virtuellen Pressekonferenz groß aufgefahren. In Alba-Trainingsjacke gekleidet, das Vereinslogo auf der Brust immer schön im Bild und im Hintergrund eine Aufnahme aus vergangenen Tagen, die die ausverkaufte Heimspielstätte des deutschen Meisters zeigte, präsentierte sich Baldi bereits in herausstechender Pre-Playoff-Form. Während Bayern Münchens Geschäftsführer Marco Pesic schon mal vergaß, sein Mikrofon vor dem Sprechen einzuschalten, konnte man Baldi die mittlerweile große Erfahrung im Umgang mit der Software für Videokonferenzen ansehen.

Marco Baldi hat riesigen Respekt vor den Hamburg Towers

Auch Marvin Willoughby fremdelte anfangs mit der Technik, gab erst etwas verspätet einen Einblick in sein Büro. Gut, der Geschäftsführer der Hamburg Towers war aber auch der Neuling in der Runde. Zum ersten Mal hat sich der noch junge Verein aus der Hansestadt für die Playoffs qualifiziert. Am Donnerstag (19 Uhr) wird Alba Berlin die Hamburger in der Best-of-Five-Serie empfangen. Ausgerechnet gegen den Gegner, gegen dann man beide Spiele der Hauptrunde verloren hat. Bei Marco Baldi hat das Eindruck hinterlassen. Aber: „Auch wenn wir einen riesigen Respekt vor Hamburg haben, wollen wir ins Finale.“

Sein Hamburger Pendant aber beeindruckte das nur wenig. Gewohnt selbstbewusst und locker plauderte der 43-Jährige drauf los und startete mit einer als Witz gemeinten Zielsetzung: „Neun Spiele und Deutscher Meister sein, wäre mein Wunsch“, erzählte Willoughby in die Runde, um direkt danach fast vor Demut zu zerfließen: „Wir sind sehr glücklich, dass wir überhaupt dabei sein können. Das war, über die Saison betrachtet, ein steiler Weg.“

Wer sich mit Marvin Willoughby in den vergangenen Jahren etwas beschäftigt hat, dem wird dieses verbale Wechselspiel, das er so perfekt beherrscht, schon öfter aufgefallen sein. Hier eine übertrieben anmutende Ansage in Richtung sportlicher Zukunft, die er mit seinen nächsten Sätzen gleich wieder abschwächt. Und doch bestätigen ihn auch immer wieder die sportlichen Leistungen, die zeigen, dass seine Sprüche gar nicht mal sehr aus der Luft gegriffen waren. Als Willoughby beispielsweise vor ein paar Jahren davon sprach, mit den Towers in der Bundesliga spielen zu wollen, wusste er in dem Moment genau, dass es noch etwas dauern würde. Er versteht es aber, die Dinge so zu verkaufen, als sei so ziemlich alles möglich.

Marvin Willoughby ist alles andere als ein Leisetreter. Das Streben nach dem maximal Möglichen ist bei dem früheren Nationalspieler fest in der DNA verankert und färbt offensichtlich auf die gesamte Organisation in Hamburg ab. Er weiß, dass er sich immer wieder neue Ziele setzen muss, um die Motivation oben zu halten. Nur um den Klassenerhalt zu kämpfen, so wie in der vergangenen, der ersten, Bundesliga-Saison, ist für Marvin Willoughby nicht genug. Den FC Bayern München sowie Alba Berlin zu schlagen und regelmäßig die Playoffs zu erreichen, sind die eigentlichen Ziele. Was in dieser Saison noch überraschend war, soll sich in Zukunft wiederholen, die Towers sollen zu einem ernsthaften Konkurrenten werden. Der Antrieb ist es „kontinuierlich besser zu werden und nächstes und übernächstes Jahr wieder hier zu sein und an einer Pressekonferenz für die Playoffs teilzunehmen“, so Willoughby.

Alba Berlin ist der Traumgegner in den Playoffs

Dort, in dieser Meisterrunde in diesem Jahr auf Alba Berlin zu treffen, das hatte der Hamburger Geschäftsführer schon vor ein paar Wochen während der regulären Saison in einem Gespräch gesagt, ist ein Traum. „Wir haben riesigen Respekt vor der Organisation, die auch für uns immer etwas war, wo wir uns dran orientieren“, sagt Willoughby fast ehrfürchtig, um dann später doch wieder in den Angriffsmodus zu wechseln: „Am Donnerstag geht Sport los, geht Basketball los. Wenn wir da das beste Spiel der Saison abliefern, muss derjenige, der gegen uns spielt, ein sehr gutes Spiel machen, um das zu gewinnen. Wenn er das tut, klatschen wir, freuen und bedanken uns für die Erfahrung, die wir machen durften.“

Selbst wenn die Towers auch die beiden folgenden Spiele verlieren sollten und in diesem Jahr ohne Playoff-Sieg bleiben, wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sie ihn holen. Denn irgendwie sind Marvin Willoughbys hochgegriffen erscheinenden Worte meist auch die entsprechenden Ergebnisse gefolgt.