Berlin - Gut 14.000 Zuschauer beim Drittliga-Spitzenspiel in Magdeburg, gerade einmal 1000 Fans beim Tabellenzweiten Kaiserslautern. Der vergangene Spieltag und die weiterhin uneinheitlichen Corona-Regeln sind es, die derzeit für einen Aufstand einiger Vereine gegen deren Landesregierungen sorgen. Vier Bundesligavereine sind deshalb vorgeprescht.

Wobei sich der Einspruch von RB Leipzig gegen eine seit Dienstag überholte Corona-Verordnung richtet – nach dem neu verabschiedeten und ab 6. Februar gültigen Beschluss dürfen wieder mehr Fans ins Stadion. RB kann beim nächsten Spiel, am 11. Februar gegen den 1. FC Köln, die Arena nun zu 25 Prozent auslasten. Das wären rund 11.000 statt wie bisher nur 1000 Zuschauer. Ob die Leipziger einen Antrag auch gegen die 25-Prozent-Regel einreichen, blieb zunächst offen.

Köln, Bielefeld und Dortmund wollen mehr Zuschauer ins Stadion lassen

In Nordrhein-Westfalen wollen alle drei Bundesligisten, die am Wochenende ein Heimspiel haben, die NRW-Verordnung im Eilverfahren beim Oberlandesgericht Münster prüfen lassen. Sie wollen schon in den Spielen am Sonnabend (Köln, Bielefeld) und Sonntag (Dortmund) mehr als die bisher zugelassenen 750 Zuschauer ins Stadion lassen dürfen. Ob sie bis dahin eine Entscheidung erzwingen können, ist offen. Am frühen Dienstagnachmittag war nur der Antrag des FC eingegangen, die anderen beiden, für Dienstag angekündigten, noch nicht.

Das Gericht wies darauf hin, dass es nicht über Zuschauerzahlen entscheiden kann. Seine Frage ist ausschließlich, ob die Corona-Schutzverordnung des Landes bei der Frage der Großveranstaltungen insgesamt bestätigt oder außer Vollzug gesetzt wird. Wann das OVG in dieser Frage entscheidet, ist derzeit offen. Zuerst erhält das Land bis Mittwoch (24 Uhr) die Möglichkeit einer Stellungnahme. Die seit dem 13. Januar gültige Verordnung läuft kurz nach dem 21. Spieltag, am 9. Februar, ab.

Zudem steht in NRW eine Aussage von Ministerpräsident Hendrik Wüst, der Ende November nach dem mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Derby zwischen Köln und Borussia Mönchengladbach klargestellt hatte: „Solche Bilder wie in Köln darf es nicht wieder geben. Solche Bilder wollen wir nicht sehen und werden wir nicht mehr sehen.“ Der FC verwies durch Trainer Steffen Baumgart darauf, „dass wir nach dem Derby gegen Gladbach nicht einen bestätigten Corona-Fall hatten“. Der BVB berichtete von Auswertungen, wonach ein Großteil der Zuschauer bei einem Heimspiel mit einer Auslastung von 18 Prozent (15.000 Karten) aus Vorsichtsgründen mit dem eigenen Pkw, per Fahrrad oder zu Fuß zum Stadion kam. Dies decke sich mit Erkenntnissen der Dortmunder Verkehrsbetriebe DSW21.

Die Arminia verwies auf Lage des Stadions mitten in der Stadt. Dadurch gebe es eine besonders hohe Anzahl an Besuchern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Spiel gelangen. Zudem seien in der bisherigen Saison „keine Infektionen durch den Stadionbesuch nachgewiesen oder eine Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsbehörden angefragt“ worden.

CDU-Chef Friedrich Merz sprach sich im TV-Sender Welt für eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen aus. „Ich finde, wir haben durchaus Grund und Anlass zu sagen: ‚Wir können jetzt mal Lockerungen in Aussicht stellen‘“, sagte er. „Wir steigern das langsam. Die Perspektive müsste man den Menschen geben.“ In jedem Fall möchte er „nur Regeln sehen, die für alle gleich sind, mit gleichen Maßstäben. Und nicht mit abstrakten Zahlen.“

In Bayern ist eine 25-prozentige Auslastung erlaubt

In Bayern sind nach einem Kabinettsbeschluss bei Profispielen wieder Zuschauer erlaubt. Die Obergrenze liegt bei 10.000 Besuchern, die Auslastung der Arenen darf höchstens 25 Prozent betragen. „In Nordrhein-Westfalen haben wir leider bisher vergeblich auf solche Kompromisse hingearbeitet“, betonten Vorstand und Geschäftsführung des FC. Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte, man habe „vergeblich gehofft, im Dialog mit der Landesregierung zu einer ähnlich konsensualen und vor dem Hintergrund des Pandemiegeschehens selbstverständlich maßvollen Lösung kommen zu können, wie sie in Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nunmehr ermöglicht wird“. Deshalb erfolgte nun die Klage als „Ultima Ratio“.