Ein Klub im Widerstand: der 1. FC Union.
Foto: Union-Pool/Koch

BerlinWenn es darauf hinausläuft, dass die Alte Försterei infolge der Corona-Pandemie auf Dauer vom Standortvorteil zum Standortnachteil wird, wenn die eigenen Fans bis auf Weiteres nicht mehr zum Support ihrer Mannschaft auf Reisen gehen dürfen, muss man als Klubpräsident des 1. FC Union alles versuchen, um dieser aus sportlicher Sicht unheilvollen Entwicklung entgegenzuwirken. Das hat Dirk Zingler nun auch in einer virtuellen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) getan, indem er gegen das Zuschauerkonzept des Ligaverbandes stimmte. Und es handelt sich dabei nicht, wie schon gern mal von dem einen oder anderen Beobachter unterstellt, um Widerstandsfolklore, sondern um einen Akt der Überzeugung beziehungsweise eben auch um einen Akt der Verzweiflung. Und es stimmt schon: Ein zweites Jahr in der Bundesliga ohne die Unterstützung der Fans könnte womöglich die komplette Aufbauarbeit der vergangenen Jahre zunichte machen.

Union empfindet es vor all den anderen Punkten, die von einem Gros der anderen Profiklubs abgesegnet wurden, als hochgradig ungerecht, dass beim Stichpunkt Abstands- und Hygieneregeln Stehplätze anders bewertet werden als Sitzplätze. Kein anderer Klub in der Bundesliga hat einen so hohen Anteil an Stehplätzen wie die Köpenicker, was zur Folge hat, dass die prozentuale Auslastung des Stadions im Vergleich zur Konkurrenz mitunter verschwindend gering sein dürfte. Zingler vermisst dabei das Vertrauen in die Fans, die sich beim Sonderspielbetrieb verantwortungsvoll gezeigt hätten. Wobei er einerseits unterschlägt, dass es im Besonderen bei Union nach der Gewissheit des Klassenerhalts zu ein paar bedenkenswerten Zusammenkünften zwischen den Anhängern und den Spielern gekommen ist. Und andererseits doch wohl letztlich für die Traversen auf Waldseite, Gegengerade und Wuhleseite nur ein „Ganz oder gar nicht“ denkbar ist.

Den Unionern ist bei ihrem Bestreben ein Teilerfolg zu wünschen, allzu wahrscheinlich ist aber auch der nicht. Das gilt auch für den laut Zingler weiterhin verfolgten Plan, über vom Klub finanzierte Massentests eine höhere Auslastung des Stadions herbeizuführen. Corona, so viel steht wohl jetzt schon fest, ist Unions unangenehmster Gegner in der Spielzeit 2020/21.