Fun for fit: Union Berlin kämpft in Bad Saarow mit der Hitze

Die Eisernen absolvieren am Scharmützelsee ihr erstes Trainingslager, wobei die extremen Wetterbedingungen den Spielern einen Nachmittag am Strand bescheren.

Sheraldo Becker (l.) bringt seine Teamkollegen Rick van Drongelen und Danilho Doekhi wieder sicher zum Strand.
Sheraldo Becker (l.) bringt seine Teamkollegen Rick van Drongelen und Danilho Doekhi wieder sicher zum Strand.imago/Koch

Am vergangenen Wochenende hat Niko Gießelmann, grundsätzlich ja Profi beim Fußballklub 1. FC Union Berlin, unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein formidabler Tennisspieler, sondern auch ein ziemlich guter Beachvolleyballspieler ist. Beeindruckend war der Auftritt des 30-Jährigen beim Vier-gegen-Vier auf dem kleinen Sandstrand am nördlichen Ufer des Scharmützelsees. Gelegentlich streute der Linkshänder gar den einen oder anderen Sprungaufschlag ein, stürzte damit auf der anderen Seite des Netzes im Besonderen den offenbar sonnenbrandgefährdeten Michael Parensen wiederholt in Verlegenheiten.

Fischer versucht sich beim Stand-up-Paddling

Auch Unions Angreifer Sheraldo Becker wusste in ungewohnter Rolle zu gefallen, nämlich als Bugmann eines spontan zusammengestellten Doppeldreiers, wobei der Niederländer mit seinen Landsmännern Rick van Drongelen und Danilho Doehki doch zwei eher unbeholfene Mitstreiter mit auf dem Kajak hatte. Doehki, der Sommerzugang aus Arnheim, zeigte sich ob der ungewohnten Situation gar ein wenig befremdet.

Kräftigen für eine erfolgreiche Saison: die Union-Profis auf dem Platz des SV Eintracht Reichenwalde.
Kräftigen für eine erfolgreiche Saison: die Union-Profis auf dem Platz des SV Eintracht Reichenwalde.City-Press/Renner

Gleichzeitig war auf dem Wasser auch Urs Fischer als Stand-up-Paddler zu bestaunen. Der Fußballlehrer aus der Schweiz machte dabei eine ziemlich gute Figur, bevor er sich im See zunächst eine Abkühlung verschaffte, schließlich auf der Terrasse des von Union angemieteten Restaurants SeeBad Saarow einen Platz im Schatten suchte.

Wassersport statt Fußball. Spaß statt Schinderei. Fun for fit. Das war das Motto, unter dem beim Bundesligisten der dritte Tag des Trainingslagers stand. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Kadermitglieder am Vormittag im nahe gelegenen Waldstadion eine erneut schweißtreibende Einheit hinter sich gebracht hatten.

Erste Einweisungen ins System Fischer

Bei über 30 Grad Celsius, bei einer unangenehmen Schwüle, also bei Wetterbedingungen, die den Einstieg in die Sommervorbereitung auf die Bundesliga zu einer schweißtreibenden Nummer haben werden lassen. Durch die Hitze war zudem der Rasen auf dem Platz der SV Eintracht Reichenwalde eigentlich zu stumpf, um beim Passspiel sauber arbeiten zu können. Und das, obwohl der Platzwart mehrmals am Tag die Bewässerungsanlage in Gang setzte.

Nun war es allerdings so, dass im Brandenburgischen ohnehin erst mal das Kennenlernen im Vordergrund stand. Es ist ja wieder mal jede Menge Einführung- und Integrationsarbeit zu leisten, auf und neben dem Platz. So gab Fischer mithilfe von Taktiktafeln erste Einweisungen in das System Fischer, erklärte, wer in der jeweiligen Spielsituation wo zu stehen hat. So gab es den ersten Austausch zwischen den „Alten“ und den „Neuen“. Und klar: Die Neuen sahen sich auch erstmals mit den Berliner Journalisten konfrontiert.

Trainer Urs Fischer (im schwarzen Trainingsanzug) hat die Taktiktafel mit an den Scharmützelsee gebracht.
Trainer Urs Fischer (im schwarzen Trainingsanzug) hat die Taktiktafel mit an den Scharmützelsee gebracht.imago/Koch

Dabei stellte Lennart Grill, die Leihgabe von Bayer Leverkusen, gleich mal klar, dass er Frederik Rönnow den Status als Nummer eins streitig machen will. Voller Selbstbewusstsein, ohne dass er dabei zu keck klang, sagte der 23-Jährige: „Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Jeder hat seine eigenen Ziele. Es ist hoffentlich ein offenes Ding. Mein Anspruch ist es, so viele Spiele zu machen wie möglich.“ Seine Stärken? Die sieht der ehemalige U21-Nationalspieler im Spiel Eins-gegen-Eins und im Coaching seiner Vorderleute.

Der aus Bochum verpflichtete Milos Pantovic wiederum bezeichnete sich als Instinkt-Fußballer, als einen, der sich im Zentrum am wohlsten fühle, aber auch „als Spitze oder Halbspitze“ agieren könne. Mit Union wolle er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen, mit einem „bodenständigen Verein, der über die Arbeit kommt“ und dem VfL Bochum gar nicht so unähnlich sei. Bezüglich des Saisonziels gab er sich im Sinne der sportlichen Führung bescheiden, sagte: „Auch wenn man sich über die letzten Jahre etwas sehr Gutes aufgebaut hat, glaube ich nicht, dass man jetzt durchdrehen und von ganz großen Dingern träumen sollte. Wenn wir in erster Linie mal den Klassenerhalt sichern, ist das schon sehr gut.“

Dergleichen wird man in den kommenden Tagen, wenn sich auch die anderen Zugänge da und dort im Interview präsentieren, noch öfter hören. Und ist ja auch nicht verkehrt, sich mit einer gewissen Vorsicht in ein neues Umfeld einzubringen. Der Druck – so viel ist gewiss – wächst im Laufe der Saison von selbst.