Wer sitzt künftig am Drücker? Die Auktion um die TV-Rechte an der Bundesliga beginnt.
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BerlinDie Fußball-Bundesliga startet ihre Auktion um die Medienrechte. Die Versteigerung soll vom kommenden Jahr an noch mehr Milliarden in die Kassen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) spülen. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was wird verkauft?

Die DFL hat die Medienrechte für die Spielzeiten von 2021/2022 bis 2024/2025 ausgeschrieben. Zum Verkauf stehen in erster Linie sieben Pakete für audiovisuelle Live-Übertragungen. Hinzu kommen sieben Lizenzen für zeitversetzte Ausstrahlungen. Erstmals werden die Rechte auch für Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Südtirol vergeben.

Um wie viel Geld geht es?

Die bisher letzte Auktion erbrachte 4,64 Milliarden Euro für vier Spielzeiten. In der kommenden Saison werden - wegen einer Steigerung in jeder Spielzeit - rund 1,36 Milliarden Euro ausgeschüttet. Will die Liga dieses jährliche Niveau auch in den kommenden vier Jahren halten, muss der neue Vertrag fast 20 Prozent mehr einbringen. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagt: „Wachstum ist möglich.“ Eine erneute Steigerung von mehr als 80 Prozent, so wie vor vier Jahren, hält Seifert allerdings für sehr „unwahrscheinlich“.

Welches sind die wertvollsten Rechte?

Das meiste Geld verdient die Liga mit Bezahl-Fernsehen. Dieser Sektor macht etwa 80 Prozent der Einnahmen aus. Zu den vier - statt bisher fünf - Live-Paketen der neuen Ausschreibung für Bezahl-Anbieter gehören drei am Sonnabend: die Konferenz (A), die 15.30-Uhr-Spiele (B) und die Top-Spiele um 18.30 Uhr (C). Das vierte Paket umfasst die Partien am Freitag und Sonntag (D).

Brauchen Fans künftig mehrere Abos?

Im Extremfall sind vier Abonnements notwendig, um alle Spiele live und die Konferenz sehen zu können. „Theoretisch ist das möglich“, sagt Holger Blask, bei der DFL Direktor Audiovisuelle Rechte. Gewünscht ist das nicht, wegen der mit dem Kartellamt abgestimmten Regelungen aber eine Möglichkeit. Seifert sagt dazu: „Wir haben es in Teilen selbst in der Hand, aber nicht komplett.“ Vereinfacht ausgedrückt: Das Unternehmen, das für ein Paket am meisten bietet, bekommt es.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise?

Pay-Unternehmen wie Sky und DAZN leiden unter fehlendem Live-Sport. Trotzdem sagt Jan Lehmann, Vorstand des FSV Mainz 05: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass große Konzerne, die letztlich dahinter stehen, dass die ihre Entscheidungen, ob sie Rechte kaufen oder zu welchem Preis sie Rechte kaufen, von so kurzfristigen Entwicklungen wie der Corona-Krise abhängig machen.“ Die DFL hat nach eigener Aussage in Absprache mit den Interessenten die Auktion nicht noch weiter nach hinten verschoben.

Was wollen die Bundesligisten?

Die meisten Vereine rechnen mit mehr Geld, aber mehr Anbieter lehnen sie ab. Das ergab im Januar eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in der Liga. „Eine mögliche weitere Erhöhung der Einnahmen darf nicht gleichzeitig dazu führen, dass wir zahlreiche Fußballfans verlieren, weil sie beispielsweise nur mit dem Abschluss von drei Abonnements alle Bundesligaspiele verfolgen können“, sagte Oliver Mintzlaff, Vorstandschef bei RB Leipzig.

Wer steht besonders unter Druck?

Vor allem für Sky, seit Jahren der wichtigste Partner und Finanzier der Liga, beginnt am Montag die heiße Phase. Nach dem Verlust der TV-Rechte an der Champions League „stehen sie nackt da“, wie es Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ausdrückt. „Das setzt sie dramatisch unter Druck.“ Der Sportfive-Manager Nikolaus von Doetinchem sagt: „Ohne Bundesliga wird Sky so nicht existieren.“

Das Unternehmen selbst teilt mit: „Sky ist die Nummer 1 für alle Sportfans – heute und in Zukunft. Grundlage hierfür sind exklusive Sportrechte. Wie in der Vergangenheit auch gehen wir optimal vorbereitet in die kommende Ausschreibung.“

Wer sind die anderen Interessenten?

Vor allem DAZN und Amazon, die derzeit einige Spiele live zeigen, gelten als Sky-Konkurrenten. Auch die Telekom kaufte zuletzt teure Rechte. Möglich ist auch, dass RTL - wie bei der Europa League - für sein Streamingangebot TV Now mitbietet oder der Springer-Verlag, der sein Angebot pusht. Zuletzt gab es bei Ausschreibungen häufiger Überraschungen.

Was gibt es für Fans ohne zusätzliche Bezahlung?

Von 2021 an gibt es drei zusätzliche Live-Partien im Free-TV - insgesamt also neun. Die beiden Relegationsspiele zwischen 1. und 2. Liga sowie der Zweitliga-Auftakt sind nicht mehr exklusiv für Pay-TV-Anbieter. Derzeit sind drei Erstligaspiele, die Relegation zwischen 2. und 3. Liga sowie der Supercup im Free-TV zu sehen.

Es gibt zudem ein neues Paket (G) in der Ausschreibung mit 33 Partien der 2. Liga am Samstag um 20.30 Uhr. „Es ist nicht ausdrücklich für Free ausgeschrieben, aber auch“, sagt DFL-Chef Seifert. Hier treten Sender aus den Bereichen Pay- und Free-TV bei der Auktion direkt in Konkurrenz.

Wird es auch künftig die Sportschau geben?

Ein entsprechendes Rechtepaket gibt es in der Ausschreibung. Das muss aber nicht wieder bei der ARD landen. Auch andere Sender wie RTL haben die Möglichkeit, das Paket I für die Höhpunkte-Zusammenfassung am Samstag (18.30 Uhr) zu kaufen.