Kritischer Geist, erstaunliche Ausnahme: Timo Perthel vom 1. FC Magdeburg
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BerlinWas ist eigentlich mit den Profis in der Fußball-Bundesliga los? Mit diesen super Supermännern, die wie Joshua Kimmich oder Robert Lewandowski auf dem Platz so offensiv auftreten und in Werbespots so aufreizend lässig ihre Rasierapparate schwingen? Oder wie Manuel Neuer todesmutig der Gefahr, von Gnus überrannt zu werden, vollformatig ins Auge blicken? Wo bleibt ihr Format, wenn es um die Diskussion zur Wiederaufnahme der abgebrochenen Spielzeit geht? Da schrumpft es leider. 

Nichts zu hören, kein kritisches Wort. Keine Sorge um ihre Gesundheit, die ihrer Partner, Kinder, Eltern, wenn es demnächst zurück ins Teamtraining, zurück in den Wettkampf geht. Abstand halten, wie es Corona von allen weltweit fordert, geht da nicht mehr. Abstand zur Kommerzmaschinerie, in die sie sich hinein geballert und gehechtet haben, kann sich deshalb aber kein Kicker leisten. Wenn doch, muss er sich tags darauf, wie der Kölner Profi Verstraete, flugs auf Übersetzungsfehler berufen.  

„Am Ende wollten sie in dieser Industrie, und das ist das Fußballgeschäft wirklich, einfach nur anpassungsfähige, unmündige und gleichgestellte Roboter, die immer denselben Scheiß erzählen“, hat der frühere Berliner Hertha- und Union-Profi Chinedu Ede die Realität beschrieben. Uli Hoeneß skizzierte einst als Manager des FC Bayern dieses Muster, als er nach heiklen Aussagen Philipp Lahms drohte: „Das Interview wird er noch bedauern.“

Die Mündigkeit der Protagonisten rutscht ins Tief, wenn es ums Plus der BVB-Aktie geht, Rückzieher sind unerwünscht, wenn  Rücklagen fehlen.  Und so bleibt die Frage unbeantwortet, ob es nicht anderen Profis wie Sergio Agüero von Manchester City geht. Der sagt zur  Wiederaufnahme der Premier League: „Die Mehrheit der Spieler hat Angst, weil sie Kinder und Familien haben.“  

Gary Neville: "Die Diskussion ist rein wirtschaftlich"

Asthma und Diabetes gibt es im Profifußball wie Schmerzmittel und Leistungsoptimierer. Das Risiko für Herz- und Kreislauf ist für Coronainfizierte vielfach höher. Englands früherer Nationalspieler Gary Neville fragt: „Wie viele Menschen rund um die Premier League müssen sterben, bevor die Premier League ungenießbar wird? Einer? Ein Spieler? Wenn ein Mitglied des Funktionsteams auf der Intensivstation liegt? Ein wie hohes Risiko gehen wir ein? Die Diskussion ist rein wirtschaftlich.“  

So was über die Bundesliga zu sagen, hat sich bislang nur Timo Perthel von Drittligist 1. FC Magdeburg getraut: Schwachsinn sagt er zur Fortsetzung. Allerdings  wirkt sein vereinzelter Einwand leider so, als kämpfe da einer mit dem Rasierer gegen eine potent geführte Herde Gnus.