Derzeit bestehen die Fans von Borussia Mönchengladbach im Stadion aus Pappe.
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Frankfurt am MainEntsprechende Signale waren bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schon vor dem   Mittwoch eingegangen: Insofern war niemand wirklich überrascht, dass es noch keinen konkreten Termin gibt, an dem der Ball in Erster und Zweiter Bundesliga wieder rollen kann. In der Prioritätenliste der Politik steht der Profifußball eben nicht ganz vorne, aber nicht weit hinten. Wenn Hoteliers, Gastronomiebetriebe und Kaufhäuser noch nicht öffnen, wenn bis zum 3. Mai die Kontaktsperre gilt, ist auch an Geisterspiele noch nicht zu denken.

Insofern war der Zeitgewinn, den sich die Liga-Organisation durch die Verschiebung der virtuellen Zusammenkunft auf den 23. April gegeben hat, richtig. Auch dann dauert es noch eine Woche, bis Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten die kickende Unterhaltungsbranche auf die Agenda nimmt. Aus der Bundesliga heißt es, man habe „hoffnungsvolle Signale“ für eine Saisonfortsetzung unter peniblen Vorkehrungen empfangen. Was zur Aussage passte, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag tätigte: „Wir werden in den nächsten Wochen gemeinschaftlich diskutieren, ob Geisterspiele möglich sind. Ich halte das aber für denkbar. Es ist ja eine Berufsausübung.“

Bundesliag hofft auf den 9. oder 16. Mai

Damit könnte es am 9. oder 16. Mai losgehen; mittels englischer Woche wäre ein Saisonende vor dem 30. Juni noch zu schaffen. Ein fix vereinbarter Anstoß wäre für manche Vereine existenziell, weil nur dann die vierte und letzte Rate der Medienerlöse über insgesamt 304 Millionen Euro fließen kann. Die DFL ist bemüht, die eigenen Hausaufgaben so zügig, aber vor allem so gründlich wie möglich zu erledigen. Geschäftsführer Christian Seifert steht in aussichtsreichen Verhandlungen mit den TV-Partnern. Als neuer Zahltag ist nun der 2. Mai im Gespräch, berichtet das Fachblatt kicker. Ohne die Zahlung sind 13 Vereine, darunter vier Bundesligisten, bald von der Insolvenz bedroht. Rechteinhaber Sky bestätigte gegenüber dem Sport--Informationsdienst: „Wir sind in ständigem Austausch mit unserem langjährigen Partner DFL, insbesondere angesichts der aktuellen Situation der Bundesliga und   2. Bundesliga.“ Sollte sich der Bezahlsender jetzt hilfsbereit zeigen, wäre das in der Bieterrunde für die nächste Rechteperiode   nicht von Nachteil.

Den zweiten Schwerpunkt bearbeitet die von der DFL eingesetzte Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb unter Leitung von Tim Meyer fast geräuschlos, aber offenbar sehr detailliert, wenn es um die veränderten Rahmenbedingungen geht, die mit   Gewohnheiten aus dem Bundesliga-Alltag wenig zu tun haben. Bei den Partien sollen sich nur 126 Menschen im Innenraum und nur 113 auf den Rängen aufhalten. Bis auf die Spieler würden die meisten Mundschutz tragen. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki merkte bei Sky Sport süffisant an: „Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, solange gewährleistet ist, dass wir keine Rudelbildung mit Zuschauern haben werden.“

Die benötigten 20 000 Coronatests würden vom Profifußball selbst bezahlt – und die über zwei Monate verteilte Zahl erscheint akzeptabel, wenn deutschlandweit eine Testkapazität von mehr als 500 000 pro Woche zur Verfügung steht. Das medizinische Konzept muss in jeder Hinsicht sauber sein –   komplex ist es ohnehin. In dieser virenfreien Sonderzone darf es keine Ansteckungen geben, sonst bricht das Kartenhaus zusammen.

Rechnung mit vielen Unbekannten

Zur Manövriermasse mutiert der zweite nationale Wettbewerb: Die DFB-Pokalhalbfinals – 1. FC Saarbrücken gegen Bayer Leverkusen, Bayern München gegen Eintracht Frankfurt – hätten ursprünglich in der kommenden Woche stattgefunden und sind auf unbestimmte Zeit verlegt. Demnächst dürfte das Finale den Platz am 23. Mai im Terminkalender räumen, was das DFB-Präsidium am selben Tag wie die Liga-Versammlung beschließen dürfte. Schon mit Beginn der Coronakrise waren Planspiele aufgetaucht, das Endspiel erst in der neuen Saison auszutragen, sollten zwei fixe Europapokalteilnehmer sich gegenüberstehen. Das wäre bei einer Konstellation Bayer versus Bayern der Fall.

Wie sehr auch die kommende Spielzeit zur Rechnung mit vielen Unbekannten wird, macht die Tatsache deutlich, dass bis mindestens zum 31. August keine Großveranstaltungen erlaubt werden. Eigentlich folgert daraus, dass kein Profiklub den Dauerkartenverkauf starten kann, ohne seine treueste Kundschaft zu täuschen. Denn eine Vorauszahlung zu leisten, ohne wirkliche den Zeitpunkt der Gegenleistung zu kennen, verbietet sich. Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt, sagt: „Es macht keinen Sinn, Gelder zu vereinnahmen, die wir später zurückzahlen müssen. Wie wir mit der neuen Saison umgehen, ist offen. Wir fahren auf Sicht.“ Eine Zustandsbeschreibung, die auf fast alle Geschäftsbereiche des Profifußballs zutrifft.