Fußball: Das ABC der Champions League

Abramowitsch, Roman: netter Oligarch, der in den vergangenen zehn Jahren etwa eine Milliarde Euro in den FC Chelsea gesteckt hat, mit den Blues eher zufällig das Finale 2012 gewinnen konnte, und es nun einmal mehr mit José Mourinho (→Special One, The) versucht.

Bale, Gareth: wichtigster walisischer Fußballer der Welt von Real Madrid und neue europäische Transferwährung. 1 Bale = 100 Millionen Euro.

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Capitano, der: ganz sicher nicht Philipp Lahm.

Doppelsechs, die: Erfolgstaktik im Mittelfeld, aber (→Jogi, der) von gestern. Heute frei nach Pep Guardiola: die abkippende Sechs. Oder: Singlesix Schweini.

Europas Fußballer des Jahres: offizieller Name eines kleinen flinken Franzosen, den enge Freunde gelegentlich auch Franck nennen dürfen, aber nur, wenn sonst niemand zuhört. Als er noch Ribéry hieß, war er für den Champions-League-Gewinn des FC Bayern München fast so wichtig wie Matthias Sammer. Gewinnt er noch einmal die Champions League, wird er sich in Weltfußballer des Jahres umbenennen.

Financial Fair Play: nette Idee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in enger Zusammenarbeit mit dem FC Bayern, die zum Ausschluss der Supergroßklubs FC Málaga, Hajduk Split, Rapid und Dinamo Bukarest geführt hat, aber nicht von allen so richtig ernst genommen wird.

Giggs, Ryan: Methusalem von →United, Manchester und nur noch zweitwichtigster Waliser nach →Bale, Gareth. Marktwert: unbezahlbar, auch in Bale.

Honda: Heißt wie ein Motorrad, hat aber keins, im Gegensatz zu Wayne Rooney (→United, Manchester), der wiederum nicht so heißt. Dafür schießt Keisuke Honda – Marktwert 0,2 Bale – die besseren Freistöße und will das gern schon heute demonstrieren, wenn sein Team ZSKA Moskau bei den Bayern gastiert.

Ibrakadabra: Name eines berühmten Zauberers, der sich vor allem auf das Verschwindenlassen von Landesmeistertiteln spezialisiert hat – seit 2004 ging das nur ein Mal daneben. Die Champions League hat Zlatan Ibrahimovic (0,3 Bale) komischerweise noch nicht gewonnen, war immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Das soll sich ändern, denn nun muss er bei Paris St. Germain nicht mehr alles alleine machen, weil er in Edinson Cavani einen Mitzauberer hat, der auch gern alles alleine macht. Siegfried & Roy auf dem Fußballplatz, interessante Konstellation.

Jogi, der: Bundestrainer, der sich gar nicht so schnell wundern kann, wie Pep Guardiola in München die Stützen seiner Nationalmannschaft verschiebt, verwirrt und verwahnwitzt. Muss, wenn es bei den Bayern so weiter geht, womöglich noch auf Dortmunder zurückgreifen.

Kießling, Stefan: Stürmer von Bayer Leverkusen und ehemaliger (→Jogi, der) deutscher Nationalstürmer, der im Gegensatz zu Miroslav Klose und Mario Gomez in der Champions League spielen darf. Marktwert: 0,1 Bale. Außer bei →United, Manchester.

Lissabon: Hauptstadt Portugals und mit dem Estádio da Luz Endspielort der diesjährigen Champions League. Ein Teil der Bewohner fiebert mit Benfica auf das Final a Luz (Finale dahoam) hin, der andere würde sich dann im Estadio José Alvalade eingraben und erst rauskommen, wenn auch Sporting wieder Champions League spielt.

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Mallorca: sehr beliebte Kurzurlaubsinsel im Mittelmeer, über die sich der Fußballprofi Dennis Aogo in letzter Sekunde vom Hamburger SV absetzen konnte. Statt sich mit den Hanseaten weiter rumzuplagen, darf Aogo dank seines beim alten Klub wenig populären Kurztrips auf die Balearen morgen mit Schalke Champions League spielen. Erster Gruppengegner ist Steaua Bukarest.

Nordpol: unfreundlicher Ort, deutlich kühler als Katar. Nach Plänen des echten →Michel Platini denkbarer Finalort für Champions-League- und EM-Finalrunde 2020.

Oberlandesgericht München: entscheidet über das Finale dahoam für Uli Hoeneß.

Platini, Michel: echter Ehrenmann, der nur zu gern die Champions League aufmischen würde. Hat aber wieder nicht gereicht, obwohl er extra von CSKA Sofia zum PFC Ludogorets Razgrad gewechselt ist. Immerhin spielt Michel Platini Ferreira Mesquita, 30, aus Brasilien, jetzt Europa League.

Qatar Sports Investments: sehr ambitionierte und Hunderte Bales schwere Investmentgruppe aus dem kleinen Emirat am Persischen Golf, die Financial Fair Play für eine nette Idee hält und mit dem Vehikel Paris St. Germain um jeden Preis die Champions League gewinnen will. Ähnliches gilt auch für die Abu Dhabi United Investment Group, die vor fünf Jahren den Premier-League-Klub Manchester City übernommen hat.

Robben, Arjen: Siegtorschütze im Finale 2013, Publizist und gewiefter Selbstvermarkter aus den Niederlanden. Brachte zwölf Schüler aus seiner Heimatgemeinde Bedum dazu, ganz liebe Sache über ihn zu schreiben, und machte daraus ein Kinderbuch. Titel: „Arjen Robben en de Finale van de Champions League.“

Special One, The: portugiesischer Trainer, der zuletzt in Mailand als The Only One, danach in Madrid als The Hated One unterwegs war und es nun doch noch mal mit dem netten Oligarchen aus Chelsea probieren will (→Abramowitsch, Roman). Hat zunächst der Versuchung widerstanden, Didier Drogba und Michael Ballack (→Capitano, der) zurückzuholen, und bisher erstaunlich wenige Trainerkollegen und Schiedsrichter in England beleidigt. Aber wozu gibt es ja die Champions League? Nennt sich zur Tarnung The Happy One.

Taison: Eine Art ukrainischer Iron Mike und durchaus repräsentativ für die kleine Seleção, die sich Leverkusens Gruppengegner Schachtjor Donezk zusammengestellt hat. Elf Spieler im Kader stammen aus Brasilien. In der großen, richtigen Seleçao von Luiz Felipe Scolari findet sich davon allerdings nur Zugang Bernard, der aus Belo Horizonte kam.

United, Manchester: hatte angeblich Interesse an →Kießling, Stefan, der aber wohl ein paar Bale-Bruchteile zu teuer war. Manager David Moyes setzt jetzt doch weiter auf Robin van Persie und gelegentlich auf Wayne Rooney. Der ist wenigstens Nationalspieler und hat ein hübsches Motorrad mit der Nummer Zehn drauf, keine Honda, aber eine Lauge Jensen. Vielleicht darf Moyes ja mal mitfahren.

Vorwärtsverteidigung, die: nicht zu verwechseln mit Rückwärtsangriff.

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Wenger, Arsène: Trainer von Arsenal London, der von den eigenen Fans („Spend some fucking money!“) dazu genötigt wurde, 0,5 Bale für Mesut Özil auszugeben. Wengers sportliche Rechnung: 1 Özil = 0,5 Bale.

Xavi: Katalanisches Auslaufmodell, das irgendwann Trainer beim FC Barcelona oder Präsident eines unabhängigen Katalonien wird. Bis dahin darf er zuschauen, wie beim neuen Barça-Trainer Gerardo Martino die Bälle an ihm vorbei oder wohl eher über ihn hinweg zu Neymar und Messi fliegen. Für den Champions-League-Gewinn reicht das allemal.

Youth League: nette Idee der Euopäischen Fußball-Union (Uefa). Juniorausgabe der Champions League, die in dieser Saison zum ersten Mal in die Tat umgesetzt wird und dem FC Bayern nun die Chance aufs Quadrupel bietet.

Zungenbrecher: Borussia Dortmunds Stammaufstellung, ein glatter Verstoß gegen linguistisches Fairplay, unzumutbar für Europas Sportkommentatoren. Zum Glück gibt der Kader auch eine für die Champions League taugliche Formation her: Bonmann – Kirch, Sarr, Sokratis, Durm – Sahin, Bender, Hofmann – Reus, Schieber, Duksch. Trainer: Kloppo.