Nicht zu stoppen: Union Berlin schlägt Heidenheim und steht im Pokal-Achtelfinale

Beim 2:0 gegen den Zweitligisten nimmt Coach Urs Fischer allerlei Wechsel vor. Sein Team liefert dennoch oder vielleicht auch deshalb eine Klasseleistung ab.

Tymoteusz Puchacz erzielt das 1:0 für den 1. FC Union.
Tymoteusz Puchacz erzielt das 1:0 für den 1. FC Union.imago/Eibner

Es sieht danach aus, als könne diesem Team noch nicht mal ein dichtgedrängter Terminkalender mit Spielen im Drei- beziehungsweise Viertagesrhythmus etwas anhaben. Als habe dieses Team eine Zaubertrankquelle in seiner Kabine, sodass die Spieler nimmer ermüden. Man könnte allerdings auch einfach zu dem Schluss kommen, dass die Eisernen tatsächlich über einen „tiefen“ und „ausgeglichenen“ Kader verfügen.

Es ist jedenfalls so, dass sich der 1. FC Union Berlin auch am Mittwochabend in der zweiten Runde des DFB-Pokals im Duell mit dem widerspenstigen 1. FC Heidenheim keine Blöße gegeben hat. Die Elf von Trainer Urs Fischer besiegte den Zweitligisten 1. FC Heidenheim mit 2:0 (1:0) und sicherte sich auf eindrucksvolle Weise den Einzug ins Achtelfinale. Und nur mal so: Es war für die Köpenicker der fünfte Pflichtspielerfolg in Serie.

Der Schweizer Fußballlehrer hatte entgegen seiner Ankündigung dann doch nicht nur „in Maßen“ rotiert. So fehlte in der Startelf ein Spieler, der sich in den vergangenen Monaten das Prädikat „unverzichtbar“ erspielt und erarbeitet hatte, nämlich Rani Khedira. Anstelle der zuletzt so dominanten Führungskraft agierte Paul Seguin als zentraler Mittelfeldspieler vor der Abwehr.

Grill steht für Rönnow im Tor

Überraschend war zudem, dass nicht Kevin Behrens als Ersatz für den angeschlagenen Jordan Siebatcheu von Beginn an stürmen durfte, sondern Sven Michel. Für Stammkeeper Frederik Rönnow hütete Lennart Grill das Tor. Auf dem linken Flügel bekam Tymoteusz Puchacz eine Bewährungschance, während Alleskönner Julian Ryerson die rechte „Schiene“ (Fußballjargon) bespielen sollte. Und zur Rechten von Robin Knoche verteidigte dieses Mal nicht Timo Baumgartl oder Paul Jaeckel, sondern Danilho Doekhi.

Fischer war auf den ersten Blick also schon ein wenig ins Risiko gegangen, auf den zweiten Blick wurde allerdings offenbar, was er mit den zahlreichen Wechseln bewirken wollte. Ein bisschen mehr (Offensiv-)Fußball als zuletzt sollte es mit einer Vielzahl spielstarker und flinker Profis sein, im Besonderen da gegen Heidenheim mit mehr Ballbesitz zu rechnen war als beispielsweise gegen Dortmund. Und tatsächlich gewann seine Mannschaft über ein paar Passstafetten sogleich Kontrolle über das Geschehen. Und nicht nur das: Eine dieser Passstafetten führte in der siebten Minute sogleich zum 1:0.

Becker zieht ohne Trick am Gegenspieler vorbei

Michel legte den Ball auf rechts zu Ryerson ab, der sogleich auf Becker weiterleitete. Der Niederländer zog, ohne einen Trick zu brauchen, an seinem Gegenspieler vorbei, Richtung Torauslinie, flankte von dort vors Tor, wo der heranstürmende Puchacz am zweiten Pfosten per Direktabnahme den Ball ins Netz jagte. 

Auch in der Folge war da richtig viel Bewegung und Spiellaune drin, manchmal vielleicht sogar einen Tick zu viel, was den Gästen ein, zwei Chancen einbrachte. Andreas Geipl scheiterte aber zum einen an den schnellen Fäusten von Grill (16.), zum anderen an der Blockarbeit von Ryerson (33.).

Die bessere Mannschaft – und das in allen Belangen – war aber ganz klar die des FCU, die nach einem Eckstoß von Puchacz durch Diogo Leite (32.) und bei einem Kopfball von Michel dem 2:0 ziemlich nahe war. Noch näher nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff, als Becker nach einem Steilpass von Andras Schäfer allein auf Heidenheims Keeper Vitus Eicher zulief, mit seinem Schuss aber an Eicher scheiterte. Schließlich war es Michel, der sich und seine zehn Kollegen in der 52. Minute mit einem weiteren Treffer für eine Klasseleistung belohnte.

Die Vorarbeit hatte der bärenstarke Puchacz geleistet, was die Frage aufwarf: Warum kommt der Pole nicht öfter zum Einsatz? Aber diese Frage ließe sich auch in Bezug auf Michel, Seguin, Grill, Doekhi und auf all die anderen äußerst fähigen „Ergänzungsspieler“ stellen. Ach ja, bei all den Chancen, die sich die Eisernen noch erarbeiteten, fünf gute waren es allemal, wäre auch noch ein höherer Sieg möglich gewesen.