Mehr als die Hälfte der 36 Erst- und Zweitligisten hat nach DFL-Angaben bis Montag eine Stellungnahme zu dem Konzept abgegeben, dabei sei das Feedback sowohl positiv wie negativ gewesen, sagte ein DFL-Sprecher am Montag. Die geplante Umsetzung vieler Maßnahmen zur Saison 2013/14 scheint somit kaum noch realisierbar.

Bei der Sichtung der Klub-Meinungen habe sich herausgestellt, „dass es deutlich weniger Dissens gibt, als die Kommentierungen in der Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen haben glauben lassen“, sagte Liga-Vizepräsident Peter Peters von Schalke 04 als Vorsitzender der Sicherheitskommission. Die Bild-Zeitung zitiert in ihrer Dienstagausgabe Peters zudem mit den Worten: „Wenn von 18 Maßnahmen zwei abgelehnt werden, heißt das ja nicht, dass die Klubs komplett dagegen sind.“

Nach den Zweitligisten FC St. Pauli, Union Berlin und Hertha BSC äußerten bis zum Montagnachmittag unter anderem auch die Erstligisten FC Augsburg und Fortuna Düsseldorf ihre Ablehnung. Die Fortuna forderte in einer Pressemitteilung, auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in die Planungen miteinzubeziehen, um „Unklarheiten in der Kompetenzzuweisung und Rechtsunsicherheit“ zu vermeiden: „Einen Alleingang des Ligaverbandes halten wir für schädlich und lehnen wir ab.“

Borussia Mönchengladbach äußerte sich grundsätzlich positiv zu der Initiative. „Wir betrachten dieses Konzept als eine Gesprächsgrundlage und einen Anstoß zur Diskussion, jedoch noch längst nicht als fertiges Konzept“, sagte Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers. „Es sind dort viele sehr gute Ansätze enthalten, aber auch andere, die unserer Meinung nach diskutiert werden müssen.“

Der 1. FC Köln hält „alle Maßnahmen, die auf eine ungerechtfertigte Kollektivbestrafung von Fangruppen wie etwa der Reduzierung von Auswärtsticketkontingenten abzielt, für fragwürdig“. Der FC Augsburg bezeichnet einen angestrebten Beschluss auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes am 12. Dezember als „nicht realistisch umsetzbar“.

Große Vorbehalte gegen „Vollkontrollen“

Zumindest Teile des Konzeptes geraten damit ins Wanken. Starke Skepsis besteht gegenüber einigen Punkten wie den geplanten „Vollkontrollen“, bei denen sich Anhänger vor dem Einlass in die Stadien in Containern komplett ausziehen sollen. Kritisiert wird auch die auch die mangelnde Einbindung von Fanvertretern.

Damit ist der Gegenwind für die DFL deutlich schärfer geworden. Vor der Tagung der Sicherheits-Kommission am Montag in Frankfurt am Main und dem Ende der Erklärungsfrist für die Klubs waren nach einem Bericht des „Kicker“ drei Mitglieder aus dem Gremium ausgetreten. Bei den Fans stößt das Konzept ohnehin auf wenig Gegenliebe. „Wir haben Gesetze und Ordnungen. Und jetzt nimmt sich hier ein Dritter raus, Aufgaben des Staates zu übernehmen“, sagte Eintracht Frankfurts Fan-Sprecher Andreas Hornung.

Bei der DFL ist die zum Teil ablehnende Haltung registriert worden. Ligapräsident Reinhard Rauball hatte sich vergangene Woche mit Vertretern von Dortmunder Ultras und anderen Fans getroffen. „Ich habe den Eindruck bekommen, dass es sinnvoll ist, den Gesprächen noch mehr Zeit einzuräumen“, hatte Rauball im Anschluss erklärt.

Am Samstag hatten die massiven Ausschreitungen vor dem 1:2 im Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 den Diskussionen um das neue Sicherheitskonzept zusätzliche Brisanz verliehen. Bei den Ausschreitungen waren acht Polizisten verletzt worden, etwa 200 Randalierer wurden festgenommen.

Wegen des hohen Personalaufwands bei Fußballspielen forderte der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft NRW, Erich Rettinghaus, einmal mehr finanzielle Unterstützung durch den DFB und der DFL: „Wir bleiben dabei und fordern eine Sicherheitsgebühr des DFB und der DFL in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro. Dafür bekommt mancher Verein gerade mal einen Spieler.“