Frankfurt - Wenn Oliver Bierhoff in seinem Büro am Starnberger See sitzt und ihm danach ist, mit Georg Behlau, dem Organisationschef der Fußball-Nationalmannschaft, in dessen Frankfurter Büro zu sprechen, dann macht der DFB-Manager das „zu 80 Prozent nicht am Telefon, sondern über Bildschirm“. Auch Bundestrainer Joachim Löw aus Freiburg in Konferenzschaltung mit Assistent Hansi Flick in Bammental und Torwarttrainer Andi Köpcke in Nürnberg schalten sich regelmäßig visuell über das sogenannte Telepresence-System mit Bierhoff zusammen: „Wir haben da ein kleines Gerät zu Hause stehen. Es ist nur ein Knopfdruck.“

Mit der Presse hat der einstige Strafraumstürmer auf diese Weise noch nie kommuniziert − bis zum Donnerstag. Da lud der Deutsche Fußball-Bund kurzfristig 16 Reporter in Hotelzimmer nach Frankfurt, Leverkusen, Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart, um ihnen die Planungen im Vorfeld der Europameisterschaft im kommenden Sommer zu erläutern und gleichzeitig „die Alltagsarbeit bei uns öffentlich zu machen“, wie Pressesprecher Harald Stenger anmerkte. „Ich höre ja immer, dass die Redaktionen auf die Kostenbremse treten, so können wir Ihnen die Anreise per Zug oder Flug ersparen“, erklärte Bierhoff listig lächelnd. Nur in der Hauptstadt Berlin hatte Partner Telekom in der Kürze kein mit entsprechender Technik ausgerüstetes Zimmerchen gefunden. 299 Euro kostet so eine Schalte pro Raum und Stunde im neunten Stock des Frankfurter Flughafenhotels.

Bierhoff saß bei der Übertragung in der DFB-Zentrale, was zu der skurrilen Situation führte, dass etwa Marc Schmidt vom nur einen Steinwurf vom DFB-Gebäude beheimateten Sportinformationsdienst nicht mal eben nach nebenan laufen durfte, um Bierhoff zu sehen, sondern ein paar Kilometer die Schnellstraße hinunter in die teure Tiefgarage des Flughafens fahren musste und dann mit dem Fahrstuhl ganz hoch.

Wer derart viel Aufwand betreibt wie der DFB, muss auch etwas zu erzählen haben. Bierhoff erläuterte alsdann, wie, wann und wo sich Löw und seine Spieler auf die vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 in Polen und der Ukraine stattfindende EM vorbereiten werden. Für ein lustiges Trainingscamp mit Kind und Kegel vom 11. bis 18. Mai hat der DFB zum dritten Mal nach 2006 und 2010 Sardinien ausgesucht, diesmal die Costa Smeralda, ein Tummelplatz der Reichen und Schönen, wo Bundestrainer und Bundesligaprofis auch privat gerne Urlaub machen. Programmpunkte im Hotel Romazzino laut Manager: „Kopf frei kriegen, Erholung, Teambuilding und ein bisschen Training.“ Ein Fitnesszelt wird allerdings auch aufgebaut, es könnte also auch ein bisschen mehr Training werden.

Damit keine Langeweile aufkommt, geht es dann gleich weiter nach Südfrankreich, in die Provence, wo der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp eine Nobelherberge mit zwei angrenzenden Golfplätzen hat bauen lassen. Hopp sei „froh und stolz“, berichtet Bierhoff, den DFB-Tross in seinem Four Seasons Hotel zu beherbergen. Ein Fußballplatz wird deshalb eigens neu angelegt. Der Preis soll sich in einem für den DFB sehr akzeptablen Rahmen bewegen. „Herr Hopp hat sich da bei der Betreibergesellschaft für uns stark gemacht“, berichtet Reisechef Wolfgang Wirthmann.

Zwei Länderspiele will der DFB im Mai auch noch irgendwie unterbringen, mindestens eins davon in Deutschland, ehe Anfang Juni der Transfer ins EM-Quartier nach Danzig stattfindet. Dort wird die Presse Bierhoff dann auch wieder persönlich auf die Pelle rücken.