Berlin -  Da ist der Plan der Uefa aber so richtig in die Hose gegangen! Man stecke die Sieger der drei vergangenen Turniere in eine Gruppe mit dem Kalkül, dass sie sich nicht zu früh wiedersehen. Aber bei der EM der Eigentore musste es ja anders kommen. Nämlich so: Portugal raus, Frankreich raus, Deutschland raus.

Anpfiff. Diese Ausgabe der Ballkontakte nimmt Sie einmal quer übers Spielfeld, inklusive verbaler Ecken, Einwürfe und Freistöße. Los geht’s mit einem gelbwürdigen Foul: Wenn mir gesagt wird, dass der Null-Gegentore-Halbfinalist England nur zwei gute Halbzeiten gespielt habe oder dass mit Sieben-Gegentore-Neuer der beste Torwart des Turniers ausgeschieden sei … Hallelujah! Was haben denn die Torsteher von Italien und England schlechter gemacht? Die kassierten bislang zwei Buden − zusammen!

Rodris Mode-Revolution

Einwurf von links: Die unsichtbaren Stars dieser EM sind für mich die beiden Linksverteidiger Spinazzola und Luke Shaw − letzterer leitete beide Tore gegen Deutschland ein.

Freistoß aus dem Mittelfeld: Rodri der Anti-Platini. Während der Franzose es in den Achtzigern als erster wagte, mit heraushängendem Trikot aufzulaufen, ist Rodri mittlerweile fast der letzte Spieler, der seins noch brav in die Hose steckt. Kam diese Mode-Revolution eigentlich über Nacht, oder gab es eine Übergangsphase?

Foul an der Strafraumgrenze: Die gesamte EM ist dem FC Bayern als Saisonvorbereitung in Rechnung zu stellen. Die Teams mit den Bayernspielern sammelten wertvolle Wettkampfpraxis und sorgten mit ihrem frühen Ausscheiden dafür, dass die Leipziger, Dortmunder, Leverkusener und Gladbacher länger im Turnier schwitzen mussten. Alles klar?

Das Antihelden-Team

Elfmeter! Manch früheres Turnier nervte mit unschönen Begleiterscheinungen. 1978 in Argentinien: überall Papierschnipsel, die den Rasen weiß färbten. 2010 das Dauergetröte der Vuvuzelas. Diesmal pflastern Bierbecher die Strafräume. Man denkt ja immer, solche Dinge haben ihre Ursache in der Kultur des Gastgebers − ist die EU nur eine Kneipenmeile?

Eigentor! Der Türke Merih Demiral, der Pole Wojciech Szczesny, der Deutsche Mats Hummels, die Portugiesen Ruben Dias und Raphael Guerreiro, der Finne Lukas Hradecky, die beiden Slowaken Martin Dubravka und Juraj Kucka, der Spanier Pedri und der Schweizer Denis Zakaria sind das noch unkomplette Antihelden-Team dieser EM. Zehnmal ins eigene Netz getroffen, achtmal das Spiel verloren. Wetten aufs elfte nehme ich bis morgen entgegen.

Abseits oder Ecke? In der Regel möchte ich von den Fußballkommentatoren erfahren, was ist, und nicht, was nicht ist. Trotz Linie und bestem Kamerawinkel allewege „Kein Abseits!“ zu brüllen ist fast so überflüssig wie „Kein Einwurf!“, „Keine Ecke!“, „Kein Freistoß!“ Und weil ich gerade in Fahrt bin, noch ein fieser Lupfer: Wieviele „Abschlüsse“ die Spieler in ihren Leben erworben haben, interessiert mich nicht die Bohne, ich möchte ihre „Torschüsse“ feiern. Meine Bitte für die restlichen EM-Spiele (und darüber hinaus): Fußball-Deutsch statt Trainer-Sprech. Danke schön. Abpfiff.