Berlin/Sevilla - Die Belgier haben die Portugiesen und damit auch Cristiano Ronaldo um die Chance gebracht, den EM-Titel zu verteidigen. In dem bis dato schwächsten Achtelfinale dieses Turniers siegte die Elf von Trainer Roberto Martínez durch einen Treffer von Thorgan Hazard letztendlich doch etwas glücklich 1:0, trifft am Freitag im Viertelfinale nun auf Italien.

Wer als Hertha-Fan darauf gehofft hatte, dass an diesem Abend bei den Belgiern auch Dedryck Boyata von Anfang an ran darf, sah sich enttäuscht. Für ihn spielte im Abwehrzentrum Thomas Vermaelen, der 35-Jährige, der nach vielen Jahren im europäischen Spitzenfußball inzwischen bei Vissel Kobe in Japan noch ein bisschen was für die Altersvorsorge einspielt. Mit Toby Alderweireld (32) und Jan Vertonghen (34) bildete Vermaelen die Abwehrkette, was auf den ersten Blick schon etwas gewagt zu sein schien. Die drei sind zwar sehr, sehr routiniert, aber halt nicht mehr die schnellsten.

Nun war allerdings das, was sich auf dem noch immer nicht allzu guten Rasen im Olympia-Stadion von Sevilla abspielte, alles andere als temporeich. Vor allem die Portugiesen agierten wie ein Boxer, der um seine Stärke weiß, aber ob des mit Punch-Fähigkeiten versehenen Gegners erst mal auf ein Abtasten aus ist. Das war interessant, aber – mal abgesehen von einem frühen Versuch durch Diogo Jota (6.), einem Freistoß von Ronaldo (25.) und ein paar erfrischenden Sprints durch Renato Sanches – nicht allzu prickelnd.

So ist das eben manchmal, wenn die Erwartungen an ein Match immens sind, die Erfahrung allerdings eher ernüchternd ist. Und der eine oder andere Akteur wird in Gedanken wohl auch schon in der Kabine beim Erfrischungsgetränk gewesen sein, womöglich auch Portugals Keeper Rui Patrício, als die Belgier in der 42. Minute einen schon totgelaufenen Angriff noch einmal wiederbelebten. 

De Bruyne muss verletzt raus

Dabei passte der Dortmunder Thomas Meunier quer am Sechzehnmeterraum entlang auf den Dortmunder Thorgan Hazard, der von Bernado Silva beim Fernschuss aus 2o Metern nicht entscheidend gestört wurde. Patrício machte fatalerweise einen Schritt nach rechts, während der Ball aus seiner Sicht nach links flatterte. Plötzlich waren die Belgier in Führung, ein bisschen auch zu ihrer eigenen Verwunderung.  

Im von der wüstenähnlichen Nachmittagshitze aufgeheizten Rund erwartete man von den Portugiesen nun eine Reaktion gegen Belgier, die ab der 48. Minute den am Knöchel verletzten Kevin de Bruyne auskommen mussten. Im Besonderen von Ronaldo, der früh in der zweiten Hälfte frische Offensivkräfte an die Seite gestellt bekam (Bruno Fernandes und João Felix) und sich immer öfter auch als Einfädler einbrachte.

Guerreiro trifft nur den Pfosten

Der Zwang der Portugiesen führte jedenfalls dazu, dass die Begegnung etwas ansehnlicher, etwas packender wurde. In der Schlussphase allerdings auch ruppiger, was den deutschen Schiedsrichter Felix Brych in die eine oder andere Verlegenheit brachte. Sowohl die Belgier als auch die Portugiesen wurden nach allerlei groben Zweikämpfen bei ihm vorstellig, ein Glück für ihn und sein Team, dass sich diese vorwiegend außerhalb der Strafräume geführt wurden. 

Einen Ausgleich und damit auch eine Verlängerung hätten die Portugiesen übrigens durchaus verdient gehabt. Doch beim Kopfball von Rúben Dias brachte Keeper Thibaut Courtois die Fäuste rechtzeitig nach oben (82.), um nur eine Minute später beim Pfostenschuss von Raphael Guerreiro das Glück auf seiner Seite zu haben.