Berlin/London - Es musste schnell gehen. Raus aus dem Camp der spanischen Fußball-Nationalmannschaft. Per Krankenwagen ab nach Hause, ab nach Barcelona, weit weg von seinen Auswahlkollegen in Las Rozas de Madrid. Quarantäne statt Teamtraining, Isolation statt Spielen. Busquets litt – nicht an Symptomen seiner Corona-Infektion. Busquets litt, weil er nicht wusste, ob es reicht. Ob er noch im Trikot der Furia Roja auflaufen könnte. Und Spanien litt, weil ohne Busquets der Bessermacher fehlte.

„Es ist spektakulär, an seiner Seite zu spielen“, sagt Mittelfeldkollege Pedri. Der ist gerade mal 18 Jahre alt, jüngster spanischer EM-Spieler und steht für die neue Generation des insgesamt dreimaligen Europameisters. Busquets wird fünf Tage nach dem Finale der Europameisterschaft 33 Jahre alt. Dies sei seine letzte EM, sagte Busquets in einem Interview der Sportzeitung As. Die Kollegen von Marca tauften ihn schon den „Superkapitän“.

Er weiß, wie man Italien schlägt

An diesem Dienstag im Londoner Wembley-Stadion gegen Italien wird Busquets sein 127. Länderspiel absolvieren, am Sonntag soll Nummer 128 dazukommen. Das Finale. Und er weiß, wie das geht. Er weiß, wie man Italien schlägt und am Ende die Trophäe in den Händen halten darf. 2012 war er dabei im Mittelfeld, als Spanien Italien im Endspiel mit 4:0 demütigte. Zwei Jahre zuvor war Busquets mit Spanien auch schon Weltmeister geworden.

Nachdem Nationaltrainer Luis Enrique auf den nicht topfitten Rekordnationalspieler Sergio Ramos (180 Spiele) in seinem nur 24-köpfigen Kader verzichtet hatte, bekam Busquets als letzter Vertreter der Goldenen Generation – Jordi Alba war 2012, aber noch nicht 2010 dabei – eine noch größere Bedeutung in einem Aufgebot, in dem elf Spieler 25 Jahre und jünger sind.

„Hurra, Opa ist da!“, hieß es dann auch in der Süddeutschen Zeitung, als Busquets zurückkehrte nach seiner Infektion. Vor dem Eingang der Ciudad del Fútbol hatten sich alle Spieler und der Trainerstab eingefunden, das Empfangskomitee war bereit. Jeder wurde gedrückt. Der Kapitän war zurück. Und im ersten Spiel, das Busquets wieder auf dem Platz stand, gewann Spanien mit 5:0 gegen die Slowakei nach zuvor zwei wenig erbaulichen Unentschieden. In einem Interview kurz nach der Partie übermannten Busquets die Emotionen. Die Ungewissheit hatte ihm schwer zugesetzt. Die Quarantäne-Zeit sei hart gewesen, sagte er, und versuchte die Tränen unter Kontrolle zu bringen und die Fassung wiederzugewinnen.

Zum „Star of the Match“ wurde er gewählt, auch beim 5:3 im Viertelfinale nach Verlängerung gegen Kroatien, obwohl ihm, dem an sich unfehlbaren Passspieler, während dieser fesselnden 120 Minuten der eine oder andere Fehler unterlaufen war. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wusste aber jeder, warum Luis Enrique klargestellt hatte, auf Busquets Rückkehr zu warten und ihn nicht abzuschreiben nach dem positiven Corona-Befund. Dass er in der Quarantäne sein Training voll hatte durchziehen können und topfit zum Team zurückgekehrt war, machte es Busquets, dem Trainer und der gesamten Mannschaft leichter.

Im Notfall auch ein paar Nickeligkeiten

Busquets ist der, der den für Spanien typischen Tiki-Taka-Spielstil aufgesogen hat, der unter Pep Guardiola und auch Luis Enrique mit dem FC Barcelona die Champions League gewann. Er ist der, der das Spiel zusammenhält, es liest, es ordnet, es organisiert und notfalls auch mal mit den kleinen Nickeligkeiten beim Gegner für zusätzlichen Respekt sorgt.

Das alles aber, ohne dabei selbst groß in den Vordergrund zu geraten mit seinem schlaksig-schmalen Körper. Das Magazin 11 Freunde nannte Busquets schon vor Jahren „den erfolgreichsten Schattenmann des europäischen Fußballs in der letzten Dekade“. Und noch immer trifft auf Busquets zu, was einst der spanische Titeltrainer Vicente del Bosque über ihn sagte: „Du schaust ein Spiel und sieht Busquets nicht. Aber wenn du Busquets anschaust, siehst du das ganze Spiel.“