Budapest - In der Sonne Budapests grinste Cristiano Ronaldo seinem langjährigen Weggefährten Pepe ins Gesicht. Betont locker gab sich Portugals Superstar vor dem Start ins EM-Turnier, bei dem den mittlerweile 36-Jährigen nicht nur die erfolgreiche Titelverteidigung umtreibt. Kritiker zählten ihn zuletzt schwer an. Aber Ronaldo zog aus solchen Dingen schon immer Ansporn. Und dann wäre da ja noch der ewige Torrekord von Ali Daei zu brechen.

Ronaldo gibt sich als Titelverteidiger sehr motiviert

„Ich bin bei dieser Euro, als ob es die erste wäre. Ich fühle mich so motiviert oder noch motivierter als 2004 bei meiner ersten Europameisterschaft“, sagte er dem Verbandsmagazin 360: „Wir sind der Titelverteidiger und gehören wieder zu den Anwärtern auf die Trophäe.“ Schritt eins auf diesem Weg wäre ein Auftaktsieg am Dienstag (18 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Budapest gegen Ungarn.

Schon dort könnte er an seinem persönlichen Torprojekt arbeiten. 104-mal traf er in bislang 175 Länderspielen. Das ist enorm beeindruckend, doch zum früheren Bayern-Profi und Irans Nationalheld Daei fehlen noch fünf Tore. Dann hätte niemand auf der Welt häufiger für sein Land getroffen als Ronaldo. Dass ihm das wichtig ist, hat er schon vor langer Zeit verlauten lassen.

Weil er gerade in der abgelaufenen Saison mit Juventus Turin oft angezweifelt wurde, dürfte dieser Triumph besonders süß schmecken. Manchester Uniteds Ikone Roy Keane sagte der Irish Sun vor Turnierbeginn: „Offensichtlich wird er nicht jünger und offensichtlich hatte er eine schwierige Phase bei Juventus.“ Gerade so hatte sich Juve als Vierter der Serie A für die Champions League qualifiziert.

Natürlich gewann Ronaldo dort seit seinem Wechsel von Real Madrid zu Juve 2018 zweimal den Scudetto und in diesem Jahr den Pokal, aber erwartet wurde von ihm mehr. Die vier Königsklassen-Titel mit Real verpflichteten ihn, Ähnliches auch in Turin zu leisten. Der teilweise erschreckende Absturz in 2020/2021 war vor allem ihm angelastet worden, obwohl er mit 29 Treffern Torschützenkönig geworden war.

Ronaldo und sein falsches Image

Im Nationalteam könnte er Lücken für Mitspieler wie Bruno Fernandes (Manchester United) und Diogo Jota (FC Liverpool) reißen, denn auf seine eigene Art ist Ronaldo durchaus ein Teamplayer. Die meisten Fans dürften noch vor Augen haben, wie er im EM-Finale 2016 verletzt ausgewechselt worden war und dann wie ein zweiter Trainer an der Seitenlinie mitcoachte.

Deswegen befand Eder, der damalige Siegtorschütze zum 1:0 über Frankreich: „Die Leute haben ein Image von Ronaldo, das nicht stimmt.“ Der Stürmer erinnert sich an die Momente nach dem Triumph: „Die Rede, die er nach dem Finale 2016 in der Kabine hielt, war überragend“, sagte er der Süddeutschen Zeitung: „Er sagte, dass es der wichtigste aller Titel sei, die er je errungen habe.“ Vielleicht gelingt es ihm ja noch einmal.