Berlin - Mehrere Minuten lang standen die tief enttäuschten Dänen mit leeren Blicken vor ihren Fans. Das bittere Ende ihrer wundersamen Reise durch diese Fußball-EM – nach fast vier emotionalen Wochen taten sich die tapferen Profis schwer, ihre Gefühle einzuordnen. Trainer Kasper Hjulmand wechselte spät am Abend mit ruhiger, nachdenklicher Stimme zwischen der Gratulation an die englischen Gewinner, seinen Gedanken an das Drama um Starspieler Christian Eriksen und der Empörung über die am Mittwochabend spielentscheidende Szene.

Getragen von riesigem Mitgefühl

„Wir sind sehr enttäuscht, es ist hart für mich, darüber zu sprechen“, sagte der 49-Jährige nach dem 1:2 nach Verlängerung im Wembley-Stadion und meinte den Elfmeter-Pfiff von Schiedsrichter Danny Makkelie. Dann aber seien da die anderen Dinge. „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich unseren Stab bewundere. Wir haben dort Menschen, die das Leben eines unserer besten Spieler gerettet haben“, sagte Hjulmand. „Unsere Zukunft ist voller Hoffnung und Glaube.“

Bis ins Halbfinale – mit ein paar Tagen Abstand werden die Dänen ihre Leistung bei diesem Turnier begreifen, die weit über die EM-Spiele hinausging. Im ersten Gruppenspiel am 12. Juni, vor Tausenden Fans in Kopenhagen, war Eriksen auf dem Rasen kollabiert und hatte wiederbelebt werden müssen. Er überlebte, und Dänemark spielte sich in den folgenden Tagen frei von diesem Schock, getragen von riesigem Mitgefühl.

Das Königshaus dankt

„Das hier ist eine fantastische Reise gewesen. Natürlich sind wir unglaublich traurig, dass wir jetzt fertig sind, aber so ist das“, sagte Kapitän Simon Kjaer, dessen Eigentor in der 39. Minute England zurück ins Spiel gebracht hatte, beim Rundfunksender DR. Im Stadion hatten der dänische Kronprinz Frederik, seine Frau Kronprinzessin Mary und ihr ältester Sohn Prinz Christian mitgefiebert. Der 15-jährige Prinz trug dabei unter seinem Sakko ein Nationaltrikot mit der Nummer 10 – der Rückennummer Eriksens. „Danke an unsere Nationalmannschaft für eine fantastische EM“, teilte das Königshaus auf Instagram mit. 

Ob Pierre-Emile Höjbjerg, Kjaer oder BVB-Profi Thomas Delaney, der im Interview am Spielfeldrand den Tränen nah war – bei den dänischen Spielern schwankte die Gefühlslage irgendwo zwischen Stolz und Enttäuschung. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich solch ein Erlebnis im Fußball haben würde. Wir sind einfach zusammengerückt“, sagte Delaney. Martin Braithwaite sagte: „Das müssen wir erst einmal verdauen, aber dann greifen wir wieder an.“

Auch Hjulmand blickte noch im Wembley-Stadion voraus. In der WM-Qualifikation führt sein Team die Gruppe F mit drei Siegen aus drei Spielen an: „Ich denke, dass große Dinge vor diesem Team liegen“, sagte er, „ich denke, wir können das noch einmal schaffen. Ich habe das Gefühl, dass wir noch besser werden.“