Berlin/Glasgow - England trifft am Sonnabendabend im EM-Viertelfinale auf die Ukraine, auf eine Mannschaft, die sich als Gruppendritter ins Achtelfinale gemogelt hatte, dort allerdings gegen die favorisierten Schweden nach Verlängerung das bessere Ende für sich hatte. Das Siegtor zum 2:1 erzielte in der 120. Minute der zehn Minuten zuvor eingewechselte Artem Dovbyk.

Die Atmosphäre im Hamden Park zu Glasgow stand in einem brutalen Kontrast zu der Atmosphäre im Wembley-Stadion, wo wenige Stunden zuvor 43.000 Engländer und 2000 Deutsche ihr Glück über das Stadionerlebnis lauthals zum Ausdruck gebracht hatten. Ja, das ganze mutete vor einem eher zurückhaltendem Publikum eher wie ein Testspiel an, wenngleich es für beide Teams natürlich um ganz, ganz viel ging, nämlich da wie dort um eine historische Chance.

Privatduell zwischen Forsberg und Yarmolenko

Die Schweden starteten dabei etwas mutiger in das Abenteuer Achtelfinale. Alexander Isak, der mal in Dortmund sein Karriere-Glück suchte, dieses aber erst bei Real Sociedad San Sebastián fand, ärgerte die ukrainische Abwehr sogleich mit seinem Tempo und seiner Klasse im Eins-gegen-Eins, verursachte auch im Ansatz etwas Gefahr, die besseren Chancen hatten allerdings die Ost-Europäer. Zum einen durch Roman Yaremchuk in der 11. Minute, zum anderen durch Oleksandr Zinchenko in der 27. Minute. Der Unterschied: Schwedens Torhüter Robin Olsen bekam bei Zinchenkos Abschluss zwar erneut die Finger an den Ball, konnte dieses Mal den Rückstand aber nicht verhindern.

In beiden Szenen war Andrey Yarmolenko als Vorbereiter in Erscheinung getreten, dieser begnadete, manchmal etwas lethargisch wirkende Fußballspieler, der sich in der Folge mit dem Schweden Emil Forsberg ein Duell um die Auszeichnung Man of the Match lieferte. Forsberg legte dabei in 43. Minute aber gleich noch einen vor, erzielte mit einem Linksschuss den Ausgleich. 

In der zweiten Hälfte fand das Privatduell zwischen den beiden auffälligsten Spielern eine Fortsetzung. Yarmolenko legte in der 55. Minute gekonnt auf Serhiy Sydorchuk ab, der allerdings nur den Pfosten traf. Was Forsberg natürlich so nicht stehen lassen konnte. Der Profi von RB Leipzig spielte sich eine Viertelstunde lang in einen Rausch, traf in der 56. und 69. Minute Pfosten und Querlatte. All diejenigen, die dieses Duell als nicht achtelfinalwürdig erachtet hatten, sahen sich spätestens ab diesem Zeitpunkt zur Abbitte gezwungen. 

Die Verlängerung geriet allerdings sowohl für den Betrachter als auch für die Spieler doch zur Qual, weil die Kräfte schwanden, und weil nach der Roten Karte gegen Marcus Danielson und der damit einhergehenden schweren Verletzung von Artem Besyedin ab der 99. Minute ein Bruch auszumachen war.