Berlin - Seine ansonsten so bemerkenswerte Karriere hat einen Makel. Was auch in diesem Kurzporträt nicht unerwähnt bleiben kann. Am 18. Oktober 2013 leitete Felix Brych jedenfalls die Bundesligapartie Hoffenheim gegen Leverkusen, hatte alles im Griff, bis ihm in der 70. Minute ein gravierender Fehler unterlief. Leverkusens Stefan Kießling hatte geköpft, wuchtig ans Außennetz, doch durch ein Loch schlupfte der Ball doch noch ins Tor. 2:1 für Leverkusen, Brych ließ sich trotz der Proteste der Hoffenheimer nicht von seiner Entscheidung abbringen, hatte nach dem Schelmenstück von Thomas Helmer aus dem Jahr 1994 das zweite Phantomtor der Bundesligageschichte zu verantworten – und war im Nachgang der Depp der Nation.

Brych, geboren am 3. August 1975 in München, hat sich von den mitunter bösartigen Schmähungen nicht beirren lassen, entwickelte sich schließlich dank seiner Bereitschaft zur Fortbildung und zur Steigerung seiner Fitness doch noch zu einem in der globalen Fußballwelt angesehenen Schiedsrichter. Viermal wurde der promovierte Jurist zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gekürt, Anfang dieses Jahres wählten ihn die Statistiker der International Federation of Football History & Statistics gar zum besten Unparteiischen der vergangenen zehn Jahre.

Respektiert, aber auch kritisch bewertet

Und nun ist er der einzige Deutsche, der bei der Finalrunde der EM in London als Akteur mit dabei ist. Als derjenige, der von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) für das am Dienstagabend ausgetragene Halbfinale zwischen Italien und Spanien nominiert wurde und sich auch Hoffnungen aufs Finale am kommenden Sonntag machen darf. Wenngleich die niederländische Tageszeitung AD erfahren haben will, dass Björn Kuipers dahingehend die besten Chancen auf einen Einsatz hat.

Sei’s drum. Brych, der wegen seines distanzierten Stils unter den Fußballspielern zwar respektiert, aber auch durchaus kritisch gesehen wird, ist im Ausgang seiner Karriere eine späte Rehabilitierung geglückt. Wobei er am Dienstagabend vor der Partie bestimmt nicht nur einen prüfenden Blick auf die Tornetze im Wembley-Stadion werfen wird.