Berlin/St. Petersburg - Der Traum der Finnen vom Einzug ins Achtelfinale hat einen Dämpfer erfahren. Im zweiten Gruppenspiel unterlag der EM-Debütant in St. Petersburg Russland mit 0:1, steht im abschließenden Gruppenspiel gegen die Belgier nun vor einer sehr, sehr großen Herausforderung. Im Besonderen, weil dem Team um den ehemaligen Union-Profi Joel Pohjanpalo letztlich wohl doch die spielerischen Mittel fehlen, um im Kreis der besten Auswahlmannschaften Europas reüssieren zu können.

Wie zu erwarten war, hatten die Finnen sich was für Christian Eriksen einfallen lassen. Für den Dänen, der am vergangenen Sonnabend bei der Auseinandersetzung der beiden nordischen Nationen kollabiert war, noch auf dem Platz per Herzmassage ins Leben zurückgeholt werden konnte und inzwischen wohl auf dem Weg der Besserung ist. Zum Warm-up hatten sich die Finnen nunmehr T-Shirts übergestreift, „GET WELL SOON“ stand drauf, was nun wirklich alle hoffen.

Finnland erinnert an den 1. FC Union

Schnelle Besserung für einen, der seine Mannschaft keine Stunde nach seinem bis dato dramatischsten Lebensmoment aber auch in eine große Verlegenheit gebracht hatte. Spielt weiter, forderte er via Facetime: für mich. Was die Dänen dann auch taten. Doch waren sie derart betroffen, dass sie letztlich wohl nicht ihre beste Leistung abrufen konnten, durch ein Tor des bereits erwähnten Pohjanpalo in der 60. Minute letztendlich mit einer Niederlage ins Turnier starteten.

Apropos Pohjanpalo. Der 26-Jährige wirkt immer ganz gefasst, sagt nicht allzu viel, wenn er aber etwas sagt, dann doch meistens Substanzielles. So wie in einem Interview mit t-online.de, als er im Hinblick auf die EM erklärte, dass sich die Menschen in zehn oder zwanzig Jahren doch „lieber an uns als Mannschaft, die sich erstmals für eine EM qualifiziert hat, erinnern sollen als an einzelne Spieler“. Von einem besonderen Zusammenhalt im Team berichtete er, zog Parallelen zum 1. FC Union Berlin, der ihn nach dem Leihgeschäft mit Bayer Leverkusen wohl gerne verpflichtet hätte, aber aufgrund des hohen Kaufpreises Abstand nehmen musste. Tja, und als Vorbild hätten sich die Finnen die Isländer genommen. Stichwort: Huh, EM 2016.

Dass das nicht so einfach ist, zeigte sich auch am Mittwochnachmittag. Zu Beginn beeindruckten die Finnen die Russen tatsächlich mit ihrem körperbetonten Spiel. Und nach vier Minuten hatten sie sich ja auch schon zum Torjubel in der Kurve versammelt, nach einem tollen Kopfballtreffer von Pohjanpalo. Der allerdings stand, wie der Videoschiedsrichter belegen konnte, bei der Flanke von Jukka Raitala um zwei, drei Zentimeter im Abseits. 

Schüller mangelt es an der notwendigen Schärfe

In der Folge standen die Finnen aber viel zu tief, ließen zu, dass die Russen sich über viele Ballkontakte ein immer besseres Gefühl verschafften. Wenngleich zwei gute Möglichkeiten der Gastgeber jeweils im Einsatz der Mannschaftsärzte endeten. Beim ersten Mal, in der 26. Minute, verlor Mario Fernandes bei einem Kopfballversuch die Kontrolle über seine Bewegung und knallte mit dem Rücken auf den Rasen, er musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Vyacheslav Karavaev, der elf Minuten nach seiner Einwechslung in letzter Sekunde von Jere Uronen am Torschuss gehindert wurde, sich dabei mit dem Finnen ineinander verkeilte, sodass beide ins Netz des finnischen Tores rauschten. Beide konnten weiterspielen.

So sehr sie sich mühten, immer wieder wurde bei den Finnen der eine oder andere Qualitätsmangel offenkundig. Rasmus Schüller beispielsweise mangelte es an notwendigen Schärfe, um in der Nachspielzeit der ersten Hälfte seinen Ballverlust wieder wettzumachen. Der Spieler von Djugardens IF trabte dem russischen Konter hinterher, versuchte sich da ein bisschen im Zweikampf und dort ein bisschen. Schließlich stand er mit vier weiteren Teamkollegen Spalier, um Alexei Miranchuk beim sehenswerten Treffer zum 1:0 für Russland zu bestaunen. 

Auch in der zweiten Hälfte galt für die Finnen: Sie wollten, konnten aber nicht. Die beste, wenn auch nicht wirklich gute Chance zum Ausgleich hatte Teemu Pukki in der 49. Minute. Für die Russen wiederum galt: Sie mussten nicht unbedingt, durften aber. Ihre besten Chancen wurde allerdings von Keeper Lukas Hradecky, ihrem besten Mann, mitunter bravourös vereitelt.