St. Petersburg - Eigentlich sollten Robert Lewandowski und Co. von Party-Musik mit donnernden Bässen empfangen werden, doch der DJ wurde abbestellt. Stattdessen bat Trainer Paulo Sousa die polnischen Spieler nach der bedrückenden Rückkehr ins Teamcamp in Danzig zu einem gemeinsamen Nachtmahl.

Die Stimmung war – das lassen Bilder der polnischen Boulevardmedien unschwer erkennen – niederschmetternd. Vor allem Lewandowski dürfte an der 1:2 (0:1)-Pleite zum EM-Start gegen die Slowakei mächtig zu knabbern haben.

Im polnischen Kader fehlt Qualität

Der Weltfußballer blieb über das gesamte Spiel in St. Petersburg ein Schatten seiner selbst – wie so oft bei großen Turnieren. Für das „System Lewandowski“, das bei Bayern München so perfekt funktioniert, fehlt Polen die Qualität im gesamten Kader. Und ein klarer Plan, wie der Ausnahmekönner am besten in Szene gesetzt werden kann.

„Alleine Spiele gewinnen, das konnten nur Pele und Maradona“, sagte die polnische Stürmer-Ikone Grzegorz Lato der polnischen Zeitung Fakt. Er habe fast schon Mitleid mit Lewandowski gehabt: „Ich fühle mit dem Jungen. Er steht unter einem großen Druck, jeder zählt auf ihn.“

Aber der Stürmer bekam im Strafraum so gut wie keine verwertbaren Anspiele. „Der letzte Pass“, sagte Lewandowski zerknirscht, „kam sehr oft nicht an.“

Und wenn Lewandowski doch mal aussichtsreich am Ball war, wurde er gleich von zwei, drei oder gar vier Slowaken attackiert. Unterstützung? Fehlanzeige. In diesen Momenten dürfte der 32-Jährige seine verletzten Sturmpartner Arkadiusz Milik (Olympique Marseille) und Krzysztof Piatek (Hertha BSC) noch stärker vermisst haben. Dass dann ausgerechnet sein ärgster Bewacher Milan Skriniar den 2:1-Siegtreffer (69.) für die Slowaken erzielte, rundete das Bild ab.

Andere Offensivspieler müssen Verantwortung übernehmen

„Es ist wahr, wir haben Robert in manchen Momenten alleine gelassen“, sagte Sousa. Dafür wurde der Portugiese in den polnischen Medien als Hauptschuldiger ausgemacht. In der Pressekonferenz nach dem Spiel fragte ein Journalist recht aggressiv, wie Sousa das bitte schön den polnischen Fans erklären wolle.

Der frühere Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund muss bis zum zweiten Gruppenspiel am Sonnabend in Sevilla gegen Spanien eine Antwort für das Problem finden. Ansonsten droht der frühe K.o. – und für ihn persönlich das Aus als Nationaltrainer. Es ist augenscheinlich, dass andere Offensivspieler wie Piotr Zielinski (SSC Neapel) noch enger an Lewandowski heranrücken und auch Verantwortung übernehmen müssen. Und dass die eklatanten Fehler abgestellt werden müssen.

Beim 0:1 (18.) durch ein Eigentor von Torhüter Wojciech Szczesny ließ der Ex-Nürnberger Robert Mak den erfahrenen Bartosz Bereszynski „wie ein Schulkind“ (Lato) aussehen. Und mit seiner Gelb-Roten Karte (62.) erwies Routinier Grzegorz Krychowiak, der seinem Gegenspieler auf den Fuß getreten war, dem Team einen Bärendienst.