Berlin/Rom - Italien ist mit einem Sieg in die Europameisterschaft 2021 gestartet. Im Stadio Olimpico die Roma feierte die Elf von Trainer Roberto Mancini ein hochverdientes 3:o gegen die Türkei und hat damit in der Gruppe A bereits einen wichtigen Schritt Richtung Achtelfinale genommen. Wobei der Squadra Azzurra im Besonderen ein Eigentor von Merih Demiral auf die Sprünge half (53.). Treffer Nummer zwei markierte Ciro Immobile in der 66. Minute, Nummer drei ging auf das Konto von Lorenzo Insigne (79.). Nun, so wird aus einem Geheimfavoriten innerhalb von 90 Minuten ein Favorit.

Wie diverse Beobachter berichteten, gab es beim Vorspiel, also bei den Treffen in der Stadt und beim Einlass ins Stadion, ein paar Verstöße gegen die Abstandsregeln, auch da und dort mal einen kleinen Stau bei den Corona-Kontrollen vor der weitläufigen Arena, in der Deutschland, aber das nur nebenbei, im Jahr 1990 ja die Weltmeisterschaft gewann. Grundsätzlich soll aber doch eine ganz große Vorfreude auf dieses Turnier zu spüren gewesen sein. 

So groß die Vorfreude, so einfallslos die etwa 15-minütige, von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Auftrag gegebene Eröffnungsshow. Banales Feuerwerk war da zu sehen und zu hören, riesige Ballons mit den Flaggen der teilnehmenden Nationen stiegen aus dem Mittelkreis auf. Der Tenor Andrea Bocelli (schon lange nichts mehr von ihm gehört) sang erst mal „Nessun Dorma“, während Artistinnen sich an Seilen nach oben und wieder nach unten räkelten. In einer virtuellen Anmutung wurde schließlich auch noch der offizielle EM-Song eingebracht, gesungen von Bono, dem Frontman der irischen Mega-Band U2, arrangiert vom niederländischen Musikproduzenten Martin Garrix. Da bietet sich ein Reim an: Das war nix.

Voller Inbrunst geträllerte Hymnen

Weitaus bewegender war da schon der Vortrag der beiden Teams bei der jeweiligen Nationalhymne. Wobei natürlich die Italiener den Vorteil hatten, dass die ihrige weitaus melodischer ist als die der Türken. Voller Inbrunst wurde da geträllert, manch einer hatte sogar ein Tränchen im Augenwinkel. Und die Fans? Die machten nach Anpfiff einen Lärm, als wären da nicht nur 16.000 sondern 60.000 vor Ort. Endlich mal wieder kein Klangteppich vom Band, sondern reale Begeisterung.

Die übertrug sich leider nicht umgehend auf die Spieler, da war zunächst sehr viel Nervosität auszumachen, wobei sich die Italiener dann doch eher zur Spielgestaltung verpflichtet sahen. Überraschenderweise agierte die Squadra Azzurra dabei aus einer Dreierkette, mit Leonardo Bonucci als zentraler Figur, mit Giorgio Chiellini zu seiner Linken und Alessandro Florenzi zu seiner Rechten. Das ist Weltklasse, während man sich beim Rest des Teams nicht sicher sein kann, ob es ungeachtet des bemerkenswerten Auftakterfolgs tatsächlich zum ganz großen Coup reicht. 

Chiellini bringt Keeper Cekir zum Fliegen

Fakt ist, dass sich die Italiener nach einer schleppenden Anfangsphase regelmäßig Torchancen erarbeiteten. In der 18. Minute zielte Lorenzo Insigne mit einem Schlenzer aufs lange Eck, verfehlte das Ziel aber doch um gut drei Meter. In der 22. Minute brachte Chiellini nach einem Eckball mit einem Kopfball Ugurcan Cekir zum Fliegen. Der Keeper von Trabzonspor lenkte den Ball mit großer Geste über die Querlatte. Drei Minuten vor dem Halbzeitpfiff kam Immobile, der ehemalige Dortmunder, aus vierzehn Metern frei zum Schuss. Doch war der zu schwach, zu unplatziert, um Cekir wirklich in Verlegenheit zu bringen. 

Die Italiener stürmten also voller Leidenschaft, waren in ihren Aktionen aber bis weit in die erste Hälfte hinein aber viel zu hektisch, zu ungenau. Die Türken hingegen verteidigten voller Leidenschaft, kamen vor lauter Verteidigen´aber gar nicht zum Stürmen. Das war viel zu wenig Fußball, viel zu wenig Struktur. 

Der überragende Insigne trifft zum 3:0

Wie dieses Spiel, dieses wilde Durcheinander zu einem Tor kommen sollte? Na klar, durch ein Eigentor. Unglücksrabe war dabei in der 53. Minute wie oben bereits erwähnt Merih Demiral. Nach einer Hereingabe von Domenico Berardi brachte der Innenverteidiger seinen mächtigen Körper nicht rechtzeitig aus dem Weg, von seinem Bauch prallte der Ball schließlich ins Tor. 

Die Türken waren zu keiner unmittelbaren Reaktion fähig, auch weil die italienische Defensive traumwandlerisch sicher ihr Programm abspielte. Da ein kleines Foulchen, hier ein nüchterner Befreiungsschlag. Und letztendlich noch ein energisches Nachsetzen im gegnerischen Strafraum, wie beim 2:0 durch Immobile in der 66. Minute. Oder wie beim 3:o durch Insigne, der mit Berardi der auffälligste Akteur auf dem Platz war. Und basta!