Berlin - „Herman ze German“ nennen sie mich, den Deutschen, als ich 2009/10 ein Auslandsjahr in Großbritannien absolviere, zufällig in eine Hockeymannschaft gerate und über Nacht 30 britische Bekannte auf einmal habe. So nennt mich also auch Jamie, einer von ihnen, als wir an einem Sommernachmittag in großer Runde vor dem Fernseher sitzen, die WM-Partie zwischen den USA und England schauen und er von mir wissen will: „Herman, which team do you support?“

Leider spricht Jamie recht starken nordenglischen Dialekt, ohne Untertitel. Deshalb verstehe ich zunächst nur „Team“ und „Sport“ und zweifele schon an meiner Sprachkompetenz, die, so denke ich noch, nach neun Monaten unter Muttersprachlern für das Verständnis einfacher Sätze ausreichen sollte, ehe Alicia aus London lebhaft versichert, auch sie wisse nicht, was Jamie wolle. Vielleicht ist die Frage, mit welcher Mannschaft ich hier mitfiebere, aber auch einfach zu banal – natürlich halte ich es mit England! Ich habe mein Gastland ja nicht wegen der hervorragenden Küche ausgewählt, sondern aus einer gewissen Sympathie heraus. Darf man das an diesem Dienstag noch sagen? Damals jedenfalls intonieren wir gemeinsam „Football’s coming home“ und trinken teures, schlechtes Dosenbier.

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