Berlin - Die beiden Turnier-Neulinge Finnland und Nordmazedonien wollen bei ihrer Premiere auf der großen EM-Bühne (11. Juni bis 11. Juli) nicht nur die Nebenrolle spielen. Beim vagen Traum von der K.-o.-Runde setzen die beiden Außenseiter auf das, was sie schon in der Qualifikation stark gemacht hat.

Für die Finnen war das „Sisu“. Das ist ein Wort in der Landessprache, das Charaktereigenschaften wie Zusammenhalt, Belastbarkeit und Härte zusammenfasst. Und so spielt der Weltranglisten-54. auch. „Keine Zaubertricks“, beschrieb es Kapitän Tim Sparv im 11Freunde-Magazin, „nur elf selbstlose, hart arbeitende Spieler, die es satthatten, dass die ganze Nation Witze über sie macht.“

Fußball holt in Finnlands Beliebtheitsskala auf

Das hat sich spätestens mit der ersten Qualifikation für ein großes Turnier geändert. An diesem Ziel war die „goldene Generation“ um Jari Litmanen und Sami Hyypiä immer wieder gescheitert, „aber sie haben unsere Generation inspiriert“, betonte Sparv. Und die aktuelle Mannschaft inspiriert die finnischen Jugendlichen. Fußball holt in der Beliebtheit auf, auch wenn Eishockey dort Sportart Nummer eins bleibt.

Dass Finnland sich den Platz unter den besten 24 Teams in Europa verdient hat, bewies der 2:0-Testspielsieg im November gegen Weltmeister Frankreich. Bei der verpatzten EM-Generalprobe gegen Estland (0:1) attestierte aber selbst Trainer Markku Kanerva dem Team „kein ausreichendes Niveau“.

Um in den Gruppenspielen gegen Dänemark, Russland und Topfavorit Belgien eine Chance zu haben, muss Teemu Pukki liefern. Der 31-Jährige schoss nicht nur Finnland mit zehn Quali-Toren zur EM, sondern auch seinen Klub Norwich City zurück in die Premiere League.

Pukki genießt in Norwich, ganz Finnland und sogar auf Schalke, wo er trotz mäßiger Leistungen Publikumsliebling war, Kultstatus. Das trifft für andere Regionen auch auf Goran Pandev zu. Der 37-Jährige ist Kapitän, Rekordspieler, -torschütze und Lichtgestalt in Nordmazedonien. Der frühere Serie-A-Torjäger ist zwar nicht mehr so flink auf den Beinen, aber sein Torinstinkt ist nach wie vor eine Waffe. Das bekam auch die deutsche Nationalmannschaft bei der 1:2-Pleite im März schmerzlich zu spüren.

Nordmazedonien verbessert sich in der Weltrangliste

Der „Sieg für die Geschichtsbücher“, wie Siegtorschütze Eljif Elmas das gewonnene Duell gegen Deutschland nannte, macht Hoffnung für die EM. Nordmazedonien verfügt anders als Finnland über viele technisch gut ausgebildete Spieler, die wie Elmas (SSC Neapel) dribbelstark und kreativ sind. Das Team hat sich nicht nur durch Kampf in der Weltrangliste innerhalb von vier Jahren von Position 166 auf 62 verbessert.

Die EM ist für die Nordmazedonier und die Finnen eine Chance, sich auf der großen Bühne einen Namen zu machen. Nur dabei zu sein reicht den Debütanten nicht.