Rom - Bei der Vorstellung der neuen Mannschaft spielte Marco Verratti allenfalls eine Nebenrolle. Alles drehte sich bei Paris St. Germain um die neu verpflichteten Superstars David Beckham, Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva. Aber ein Profi von einem italienischen Zweitligisten? Völlig uninteressant! Und überhaupt: Was will ein ambitionierter und mit katarischen Millionen subventionierter Klub wie PSG mit diesem nur 1,65 m großen Mittelfeldspieler von Delfino Pescara?

Unangefochtener Chef im Mittelfeld

So wie bei seinem Start 2012 in Paris ging es Verratti oft in seiner Karriere. Gerne wurde der lauf- und zweikampfstarke Profi unterschätzt. Auch heute noch steht der inzwischen 28-Jährige im Schatten eines Neymar oder eines Kylian Mbappe. Doch längst hat er alle Experten Lügen gestraft: Noch immer spielt eben dieser Verratti bei PSG. Und er trägt sowohl im Starensemble der Franzosen als auch im italienischen Nationalteam als unangefochtener Chef im Mittelfeld die Hauptlast.

Verratti verleiht dem Spiel seiner Mannschaften Struktur und gilt zudem als exzellenter Balleroberer. Qualitäten, die auch Italiens Coach Roberto Mancini über die Maßen schätzt. Er hat um Verratti eine neue Squadra Azzurra aufgebaut, die vor dem EM-Eröffnungsspiel am Freitagabend gegen die Türkei plötzlich sogar wieder Titelambitionen hegt.

Zusammen mit Jorginho vom FC Chelsea hält Verratti den Laden zusammen – im Normalfall zumindest. Denn beim Start in die EM fehlte er angeschlagen. Nachdem er im April eine Corona-Infektion überstanden hatte, zog er sich Anfang Mai im Ligaspiel gegen den RC Lens eine Bänderverletzung im Knie zu. Sechs Wochen Ausfallzeit prognostizierte sein Klub PSG. Ein herber Schlag.

Verratti wurde Profi mit 16 Jahren

Mancini wollte dennoch nicht auf seinen Anführer verzichten und berief ihn in den EM-Kader – wohl wissend, dass Verratti möglicherweise in der Gruppenphase nicht zur Verfügung steht. Inzwischen haben die Azzurri aber die Hoffnung, dass der 28-Jährige schon am Mittwoch in Rom gegen die Schweiz wieder auflaufen kann.

Schon mit 16 kam Verratti in Pescara als Profi zum Einsatz. Der Durchbruch gelang dem jungen Mann in der Saison 2011/12. Er führte sein Team mit starken Leistungen in die Serie A. In Italien nahm davon kaum jemand Notiz, Paris St. Germain wurde jedoch auf den kantigen Mittelfeldspieler, der ein überragendes Gefühl für Räume besitzt, aufmerksam und überwies stolze 13 Millionen Euro Ablöse nach Pescara.

Eine Verpflichtung, die damals überraschte, die sich aber für den neureichen Hauptstadtklub längst ausgezahlt hat. Verratti setzte sich bisher gegen namhaftere Konkurrenz immer durch – dies musste etwa auch ein Julian Draxler leidvoll erfahren.

Der Vertrag von Verratti, dessen Marktwert derzeit bei 55 Millionen Euro liegt (Quelle transfermarkt.de), läuft noch bis 2024. Beckham, Ibrahimovic oder Thiago Silva sind bei PSG Vergangenheit – Verratti ist als Chef die Gegenwart und die Zukunft.