Berlin  - Es gibt ein paar wenige Fußballspieler, denen noch während ihrer aktiven Karriere der durchaus erstaunliche Wandel vom gering geschätzten Enfant terrible zum gefeierten Helden gelingt. Wobei die Metamorphose zum einen von herausragenden Leistungen, zum anderen von einer von Natur aus gegebenen Nonchalance getragen wird.

Max Kruse, der ehemalige deutsche Nationalspieler und Profi des 1. FC Union, zählt zu dieser Spezies, aber eben auch der fantastische Franzose Karim Benzema, der am Dienstagabend der Equipe Tricolore im Duell mit der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu einem ersten Sieg bei dieser Europameisterschaft verhelfen will. Nach einer leichten Muskelverletzung, die sich der 33-Jährige im letzten Test vor dem Kontinentalturnier zugezogen hatte, wird er, so viel ist gewiss, um 21 Uhr in der Münchner Arena in der Startelf des Titelfavoriten stehen.

Ronaldo und Tyson sind seine Vorbilder

Benzema, geboren in Lyon am 19. Dezember 1987 in doch eher ärmlichen Verhältnissen, ist ein begnadeter Angreifer. Das stand immer außer Frage. Einer, der sich immer weiter verbessert hat, inzwischen wohl genauso komplett ist wie sein Vorbild Ronaldo. Ronaldo, der Brasilianer, wohlgemerkt. Und Apropos Vorbild: Sein zweites Idol, das hat der Stürmer von Real Madrid schon des Öfteren betont, ist der Boxer Mike Tyson, weil der es, wie er selbst, von ganz unten nach ganz oben geschafft hat.

Dabei stand sich Benzema mitunter selbst im Weg. In seinen ersten Jahren in Madrid trieb er sich allzu oft in den Nachtclubs der Stadt herum, spielte mal herausragend, dann auch mal wieder so, dass Zweifel an seiner Professionalität durchaus angebracht waren. Als Nationalspieler war er 2015 indes in eine allzu heikle Affäre verwickelt, soll als Mittäter seinen Teamkollegen Valbuena mit der Veröffentlichung von Sexvideos erpresst haben. Die Folge: der Rauswurf.

Nun konnte Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps aber gar nicht anders, musste Benzema für die EM 2021 nominieren. Zu gut ist Benzema inzwischen und zu beliebt in der Grande Nation, als dass man als Selectionneur des Bleus auf ihn verzichten könnte. Nicht auf ihn zu setzen wäre fahrlässig.