Berlin/Glasgow - Luka Modric ist 35 Jahre alt, aber auch nach einer langen, langen Saison noch zu außergewöhnlichen Taten fähig. Am Dienstagabend erzielte der Mittelfeldspieler im Trikot der kroatischen Nationalmannschaft im Hamden Park zu Glasgow gegen Schottland auf sehenswerte Art und Weise das so wichtige 2:1, bereitete dann auch noch per Eckball das spielentscheidende 3:1 durch Ivan Perisic vor. Der von Modric initiierte Erfolg hat für sein Team den Einzug ins EM-Achtelfinale, für den Gegner hingegen das Aus zur Folge. Der Vize-Weltmeister belegt in der Abschlusstabelle Platz zwei, während sich die Engländer im zweiten Spiel des Abends durch ein 1:0 gegen Tschechien den Gruppensieg sicherten.

Beide Teams mussten, das war die vielversprechende Ausgangssituation für diese Partie. Wobei man nach einer Viertelstunde den Eindruck gewonnen hatte, dass die Schotten zunächst mit weitaus weniger Angst vor dem Scheitern zu Werke gingen als die Kroaten. Allen voran Ché Adams vom FC Southampton, der Angreifer, der in Leicester geboren wurde und als Jugendlicher zwei Auswahlspiele für England bestritt, dann aber in seiner Familie über die Eltern seiner Mutter schottische Wurzeln entdeckte. Der 25-Jährige hatte in der sechsten und zehnten Minute zwei durchaus gute Gelegenheiten, um sein Team in Führung zu bringen, doch bei aller Leidenschaft, ein richtiger Torjäger ist Adams nicht.

Adams gibt den Störenfried

Wobei das mit dem ersten Eindruck so eine Sache ist, vor allem bei den Kroaten, bei denen man nie so recht weiß, wozu sie in der Lage sind. Das wirkt alles gern mal etwas gemächlich, sieht nicht unbedingt nach einem zielführenden Miteinander aus, doch plötzlich machen sie aus nichts ganz viel. So wie in der 17. Minute, als Ivan Perisic nach einer Rechtsflanke gekonnt auf Nikola Vlasic ablegte, Letztgenannter nach einer fixen Ballannahme aus zehn Metern mit einem Linksschuss das 1:0 erzielte. 

Typisch Kroatien, möchte man meinen, eben dann doch irgendwie da, wenn es sein muss. Allerdings war das, was Modric und seine Kollegen in der Folge darboten, trotz eines hohen Ballbesitzanteils fürs Erste nicht wirklich überzeugend. Adams durfte wieder als Störenfried in Erscheinung treten, verpasste in der 24. Minute erneut eine Gelegenheit zum erfolgreichen Abschluss, brachte drei Minuten später Dejan Lovren dazu, ihn grob zu foulen, sodass Kroatiens Abwehrboss mit Gelb verwarnt wurde. 

Über diese kleinen Erfolgserlebnisse arbeiteten sich die Schotten ins Spiel zurück, legten Schritt für Schritt, Zweikampf für Zweikampf wieder ihre Zweifel ab. Beim Ausgleichstreffer in der 42. Minute war allerdings ein klein wenig Schützenhilfe vonnöten, in Gestalt von Domagoj Vida, der nach einer Flanke von Andrew Robertson unsauber klärte, damit Callum McGregor ins Spiel brachte, der mit einem Flachsschuss aus etwa 18 Metern Kroatiens Keeper Dominik Livakovic überwinden konnte. 

In ihrer Not erhöhte die Elf von Zlatko Dalic in der zweiten Hälfte weiter die Schlagzahl, auf die Gefahr hin, dass man auch mal einen Konter des Gegners provoziert. Modric war dabei der Antreiber, der Profi von Real Madrid weiß eben, was zu tun ist, wenn man muss. Traumhaft sein Treffer in der 62. Minute, als er mit einem Außenristschuss aus 16 Metern seine großartige Schusstechnik unter Beweis stellte. In der 77. Minute profitierte Perisic von dieser Qualität, als er einen Eckstoß seines Kapitäns per Kopf in das 3:1 verwandelte. 

Schließlich machten die Schotten, was man in einem solchen Moment als Schotte halt macht: Sie bewiesen Moral, bei einer EM ist das aber gern mal zu wenig.