Berlin - Als am Sonnabend die Welt mit Christian Eriksen bangte, der beim Spiel gegen Finnland kurz vor der Halbzeitpause zusammengebrochen war, vollbrachte das anwesende medizinische Personal Heldenhaftes. Zunächst agierten die Ersthelfer handlungssicher, Mannschaftsarzt Morten Boesen sicherte das Überleben des Mittelfeldspielers. „Er lag auf der Seite, atmete und hatte auch Puls. Aber plötzlich änderte sich das, und wir haben mit der Herzmassage begonnen“, schilderte der Medizinier die entscheidenden Momente. „Wir haben es geschafft, ihn zurückzuholen.“ Mithilfe eines Defibrillator-Einsatzes.

Boesen ist auf Orthopädie spezialisiert

Boesen überbrachte diese Nachrichten auf einer Pressekonferenz am Sonntag und vermittelte dabei einen Eindruck, als hätte er mit seinem Team mal so eben einen Routineeingriff erfolgreich abgeschlossen. Für den Medizinier mögen diese lebenserhaltenden Maßnahmen noch so selbstverständlich erscheinen. Doch man mag sich gar nicht ausmalen, wie Eriksens Zusammenbruch ausgegangen wären, wenn auch nur ein Handgriff nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden wäre. Auch der deutsche Teamarzt Tim Meyer lobte die „schnelle und adäquate Reaktion“ am Spielfeldrand.

Eine derartige Form der Hilfe ist für Boesen keineswegs alltäglich. Seit 2004 gehörte er zum medizinischen Personal beim dänischen Fußballklub FC Kopenhagen, stieg wenig später zum Teamarzt auf. In dieser Funktion ist er auf orthopädische Eingriffe spezialisiert, seit über 15 Jahren gehört ihm eine Klinik, um Sportverletzungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Erst vor zwei Jahren beförderte der dänische Verband Boesen, der als Badminton-Profi einst sogar Nationalspieler war, zum Chefmediziner für alle Nationalteams.

Brüder Anders und Lars sind auch Ärzte

Um diese verschiedenen Herausforderungen meistern zu können, ist Boesen als Mediziner von jeher auf Teamwork angewiesen. Eng arbeitet er mit seinen Brüdern Anders und Lars zusammen – beide ebenfalls Ärzte –, die ihm den Rücken freihalten, wenn er gebraucht wird, um verletzte oder angeschlagene Fußballer zu behandeln. In der Regel allerdings nicht auf so dramatische Weise wie am Sonnabend.