Berlin - Es gehört zum Turnier-Prozedere, dass jede Nation bei Welt- und Europameisterschaften einen Delegationsleiter stellt. Beim Deutschen Fußball-Bund ist das traditionell der Präsident. Der Haken ist im Sommer 2021 bloß: Der DFB hat nach dem Rücktritt von Fritz Keller gerade keinen richtigen Präsidenten, sondern lediglich mal wieder zwei Übergangs-Chefs: Peter Peters und Rainer Koch, die sich zu allem Überfluss noch öffentlich streiten wie die Kesselflicker.

Offiziell hat der Verband zur EM 2021 den ehemaligen Schalker Finanzchef Peters als Delegationsleiter benannt. Der 58-Jährige ist ein blasser Berufsfunktionär, der gerade für vier Jahre für den DFB ins Fifa-Council gewählt wurde und dort für die Regierungsarbeit mit rund 250.000 Dollar pro Jahr vergütet wird. Als Aufsichtsratskandidat bei Schalke 04 wurde der ehemalige Journalist abgelehnt, er hat dem Verein einen Haufen Schulden hinterlassen.

Peter Peters wird nicht nah ans Nationalteam gelangen

Nah ran ans Nationalteam in Herzogenaurach wird Peters erst einmal nicht gelangen. Er wurde auch nicht gemeinsam mit Koch und DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge in die Nationalmannschafts-Bubble im  Vorbereitungscamp in Seefeld gelassen. Manager Oliver Bierhoff begründete das so: „Im Vorfeld war es so geplant gewesen, dass die Delegation ins Trainingslager kommt und Peter Peters zur Mannschaft spricht, auch mit dem Schatzmeister. Das haben wir aber abgesagt, weil wir in der Blase sind und das Risiko zu groß ist.“

Bierhoffs Statement ist insoweit interessant, weil etwa Abenteurer Mike Horn durchaus Einlass in die Blase gefunden hatte, um eine Motivationsrede an die Spieler zu halten. Peters, Koch und Osnabrügge durften dagegen lediglich gemeinsam mit Interims-Generalsekretärin Heike Ullrich in Innsbruck beim Test gegen Dänemark von der Tribüne aus zuschauen: nur gucken, nicht anfassen. Laut Bierhoff habe man „verabredet, dass die Delegation erst nach der Vorrunde an den Spieltagen zur Mannschaft stößt. Das hat rein organisatorische und hygienische Gründe.“

Hygienische Gründe – das klingt im DFB verdächtig doppeldeutig. Präsidiumsmitglied Bierhoff verspürt wenig Lust, die Abgründe tiefergehend zu kommentieren. Er sagt lediglich, dass es im Verband noch „viel Klärungsbedarf“ gebe, „aber das belastet uns als Mannschaft nicht, und mich auch nicht“.

Ohnehin haben Bierhoff und Joachim Löw bei Großveranstaltungen stets größtmögliche Distanz zu den DFB-Delegationen gehalten. Im Grunde fühlten sie sich von den Funktionären vor allem gestört. Theo Zwanziger hat das bei der WM 2010 zu spüren bekommen. Der damalige Präsident war seinerzeit mit seiner Entourage im Teamquartier Hotel Velmore nicht gern gesehen, weil es zuvor einen heftigen Streit um einen neuen Vertrag mit Bundestrainer und Manager gegeben hatte, der beim Turnier in Südafrika noch nicht beigelegt war. Mit seiner Delegation trieb sich Zwanziger dennoch geraume Zeit in Pretoria und Kapstadt herum.

Das tat vier Jahre danach auch Zwanzigers Nachfolger Wolfgang Niersbach mit üppigem Gefolge in Brasilien. Der vormalige Generalsekretär erfreute sich bei Löw und Bierhoff jedoch einiger Beliebtheit und durfte nach Siegen auf den Rückflügen Jubelreden an die Mannschaft halten.

Eisgekühlte Stimmung zwischen Löw und Grindel

Zur Legende wurde die Auftaktpressekonferenz des damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel mit Joachim Löw vor der WM 2018 in Watutinki vor den Toren von Moskau. Der Termin musste zum Leidwesen der Medien mehrfach nach hinten verschoben werden, weil Grindel noch beim Fifa-Kongress in der russischen Hauptstadt beschäftigt war. Als er dann endlich mit mehr als einer Stunde Verspätung das DFB-Quartier erreichte, hatte der wegen der Warterei zunehmend genervte Löw kurzerhand eine Trainersitzung anberaumt. So musste Grindel eine halbe Stunde lang auf den Bundestrainer warten. Mindestens. Die Stimmung war danach auf dem Podium entsprechend eisgekühlt.

Die Zeiten, als Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident bis 2006, noch jeden Abend mitsamt Kind und Kegel und seiner reizenden Gattin mit den Spielern dinieren durfte, wie zuletzt bei der vermurksten EM 2004 an der portugiesischen Algarve-Küste, sind längst vorüber. Dafür sorgte Jürgen Klinsmann, nachdem er von Völler übernommen hatte. Die Spieler sollten von den älteren Herren des Präsidiums nicht mehr andauernd beim Essen gestört werden. Es geschieht ihnen wie Bello vorm Metzger: Wir müssen leider draußen bleiben.