Bukarest - Dass Yann Sommer gelegentlich Spott über sich ergehen lassen muss, liegt insbesondere daran, dass er mit 1,83 Metern Körpergröße für einen Torwart eine recht überschaubare Reichweite hat. Im Vergleich zu anderen Kollegen bei diesem Turnier, dem Italiener Gian-Luigi Donnarumma (1,96 Meter) oder dem Belgier Thibaut Courtois (2 Meter) zum Beispiel, fehlt da schon einiges. Und kann gerade bei einem Elfmeterschießen schon mal ein eklatanter Nachteil sein, wenn Fingerspitzen über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

Sommers Tochter kommt während der EM auf die Welt

Bis zum Montagabend genoss der Keeper des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach auch nicht gerade den Ruf, gegnerischen Strafstoß-Schützen allzu große Furcht einzuflößen. Doch ausgerechnet der zehnte Elfmeter in diesem so packenden Achtelfinale gegen Weltmeister Frankreich, als er den ängstlich vorgebrachten Schuss Kylian Mbappés parierte, brachte hervor, was im Hinblick auf die WM 2006 inzwischen abgedroschen wirkt, aber in diesem Fall den Abend nicht treffender hätte umschreiben können: ein Sommer-Märchen.

Und das ist es nicht erst seit diesem Abend in Bukarest. Ausgerechnet nach einem 0:3 gegen Italien in der Vorrunde, als es zunächst nicht danach aussah, als ob die Eidgenossen noch eine tragende Rolle in diesem Turnier einnehmen könnten, war Sommer nach Deutschland abgereist, um dann wenig später die freudige Nachricht in die Welt zu senden: Tochter Nayla kam noch am gleichen Tag auf die Welt. Vier Tage später stand er wieder zwischen den Pfosten, um mit seinen Kollegen die Türkei zu schlagen und anschließend zu zittern, ob vier Punkte für das Achtelfinale reichen.

Robert De Niro in der Hauptbesetzung

Gegen Frankreich feierte Sommer dann auch noch eine Premiere. In seinem 65. Spiel für die Nati lief er zugleich als Schweizer Rekord-Nationaltorhüter auf. Ein filmreifer Auftritt, wie er selbst auch findet. „Ich rufe nachher mal Robert De Niro an, ob er Lust hat, die Rolle zu spielen“, antwortete er darauf angesprochen. Weitere dramatische Wendungen könnten im Turnierverlauf durchaus noch folgen.