München - Ziemlich verlassen liegt die Münchner Arena an diesem Donnerstagvormittag da. An der Brücke über den Zubringer Werner-Heisenberg-Allee steht „Uefa Euro 2020“ in großen weißen Lettern auf jenem türkisfarbenen Untergrund, der das Design dieser paneuropäischen EM 2021 prägt. Auch auf der Esplanade, über die die Fans von der U-Bahnstation Fröttmaning aus zum Stadion laufen, hat der neue Hausherr Uefa seine Banner angebracht. Abmontiert von der Fassade wurden dafür die bekannten und von den angrenzenden Autobahnen A9 und A99 sichtbaren Schriftzüge „Allianz Arena“.

14.000 negativ getestete Zuschauer sollen die Arena bevölkern

Während die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem freien Mittwoch damit begann, sich im Training den Feinschliff für ihr erstes Spiel zu holen, laufen auch in der Münchner Arena die letzten Vorbereitungen auf die vier EM-Partien, die hier stattfinden werden. Über den Rasen tuckert ein kleiner Traktor, um das Grün in eine optimale Verfassung zu bringen. Und unter dem Arenadach hängen sogar schon seit ein paar Tagen die Fahnen von Weltmeister Frankreich und Deutschland, die hier am Dienstagabend zum ersten Spiel verabredet sind.

Jeweils rund 14.000 negativ getestete Zuschauer sollen die Arena bevölkern, was 20 Prozent der Kapazität entspricht. Mehr als ein Jahr war hier gar kein Publikum zugelassen. Erst am 22. Mai, beim letzten Bundesligaspiel der zurückliegenden Saison zwischen dem FC Bayern und dem FC Augsburg, durften 250 Menschen rein und erzeugten tatsächlich so etwas wie eine Stadionatmosphäre, jedenfalls im Vergleich zu den Geisterspielen. Mit rund 14.000 Fans dürfte es schon beinahe wieder wie früher klingen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bereits mit Vorfreude von einem „ganz wichtigen Signal“, dieses Turnier könne „ein neues Lebensgefühl und Lebensfreude bringen“.

EM ist nur punktuell sichtbar

Fernab der Arena muss man sich schon sehr genau umschauen, um zu bemerken, dass die Stadt in wenigen Tagen Schauplatz eines kontinentalen Großereignisses sein wird. Davon ist in der Kaufingerstraße, der zentralen Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus, ebenso kaum etwas zu erkennen wie in Sportgeschäften und Supermärkten, in denen man die Merchandising-Artikel vor den vorherigen Turnieren nicht übersehen konnte. Nun aber wird die EM in der Stadt allenfalls punktuell sichtbar durch Werbeplakate wie am Maxmonument oder Uefa-Fahnen am bekannten Gärtnerplatz. Aus einem Anwohnerfenster hängt dort seit ein paar Tagen zudem eine einsame Deutschland-Fahne schlapp im Wind. Euphorie sieht anders aus, aber die kann ja noch kommen. Auch ohne große Public-Viewing-Veranstaltungen, denen am Mittwoch in der Stadtratssitzung eine endgültige Absage erteilt wurde. In Biergärten dürfen die Spiele übertragen werden, aber nur unter Auflagen, die bei vielen Wirten für Verwirrung und Verärgerung sorgten.

Es gibt noch einige offene Fragen: Zu diesen zählt auch, ob die An- und Abreise sowie die Fanströme wirklich so geregelt werden können, dass die Corona-Risiken minimiert werden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach von einer „gesicherten Zerstreuung der Zuschauer vor und nach dem Spiel“. Um diese zu erreichen, wurden die Fans bereits aufgefordert, möglichst mit dem Auto zur Arena zu fahren und die 4500 Parktickets zu nutzen, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für Karteninhaber reserviert hat. Zudem soll der U-Bahn-Takt erhöht werden, damit vor und nach den Spielen alle zwei bis drei Minuten ein Zug zur und von der Arena fährt. Zusätzliches Personal soll auf die Abstände achten.

Die Polizei blickt derweil mit Sorge auf das Turnier und vor allem auf die öffentlichen Plätze, auf denen in München derzeit zwar ab 20 Uhr ein Alkoholverbot gilt, das aber schon jetzt oft nicht beachtet wird. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, befürchtet ein erhebliches Konfliktpotenzial, wenn die Beamten die geltenden Corona-Regeln bei Fan-Feiern durchsetzen wollen. „Wenn dann die Polizei einschreitet und auf Abstandsregeln und Maskentragen pocht, gilt sie als Spielverderber und kann leicht zum Ziel von Corona- und Fußball-Frust werden“, sagte er der Münchner Abendzeitung.